Vision: Was wäre, wenn....

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I-O Freak
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Vision: Was wäre, wenn....

Beitrag von I-O Freak »

die Gleise der Birkenfelder Eisenbahn noch liegen würden?

Hallo zusammen! :)

Ich gebe es zu, ich bin ein Träumer - und das finde ich auch nicht schlimm. Durch meine Überlegungen kam mir folgende Frage auf.

Was wäre, wenn die Gleise der Birkenfelder Eisenbahn noch liegen würden?

Die 5 Kilometer lange Stichstrecke wurde im Jahr 1880 eröffnet. Grund war die Anbindung der Stadt Birkenfeld an die Eisenbahnstrecke Bingen - Neunkirchen (-Saarbrücken) in Neubrücke. Da Birkenfeld damals zum Großherzogtum Oldenburg gehörte, musste dieser "Alleingang" sein. Sinnvoll wäre sicher die Durchbindung nach Hermeskeil an die Hunsrückbahn gewesen. Alles nachzulesen im interessanten Buch "Von der Nahe in die Ferne".

Wie so viele Nebenbahnen ereilte auch die Birkenfelder Eisenbahn Probleme. 1962 wurde der Personenverkehr eingestellt. Bis 1991 fuhren noch Güterzüge auf der Strecke. Anschließend waren meines Wissens noch Museumsfahrten unterwegs. Und dann :!: am 31.12.1994 wurde die Strecke formal stillgelegt. Anschließend, Mitte der 1990er Jahre die Gleise abgebaut.
Gleichzeitig wurde der Rheinland-Pfalz Takt Mitte der 1990er Jahre geboren. Integralfahrpläne wurden eingeführt und das Angebot im SPNV stetig gesteigert.
Nicht aber auf der Birkenfelder Eisenbahn, hier befindet sich heute ein Radweg.

Viele hier im Forum engagieren sich auf der Hunsrückbahn und wissen der Problematik. Dennoch: Auf kurze Sicht ist das Abbauen von Bahnstrecken und die Entwidmung mit Sicherheit ein einfacher Weg. Aber: Wer weiß, wie sich die Energieproblematik, das Umweltbewusstsein etc entwickelt. Ist es nicht höchst kurzsichtig gedacht, Schienenstrecken abzubauen, wenn man sie nie wieder so bauen kann, wie es sie gab.

Heute, 20 Jahre nach der Stilllegung der Trasse Neubrücke - Birkenfeld stelle ich mir die Frage, was wäre, wenn man die Gleise liegen gelassen hätte. Die Infrastruktur wäre gepflegt worden und die Schienen würden heute, am 17.10.2014 noch liegen?

Die Saar-RB's finden ab Dezember erstmals den Weg nach Neubrücke. Die Strecke ist zwischen Türkismühle und Abzweigung Birkenfelder Eisenbahn mittlerweile elektrifiziert. Genau 4,9 Kilometer würden noch bis Birkenfeld fehlen. Auch die Strecke nach Baumholder wird im Dezember reaktiviert. Und, die Hoffnung stirbt zuletzt, vielleicht auch die Hunsrückquerbahn. Und dazu wird im Hunsrück ein Nationalpark eröffnet, der nicht nur über die Hunsrückbahn erreichbar wäre, sondern eben auch durch die Birkenfelder Eisenbahn.

Es sind natürlich nur reine Spekulationen. Aber ich könnte mir durchaus vorstellen, dass im Dezember die RB 73 von Saarbrücken nach Birkenfeld weiterfahren würden. Als kleine Fahrplanidee habe ich einen Fahrplan der RB 73 angehängt.

Klar, die Nachfrage nach Birkenfeld ist mit Sicherheit nicht mit anderen Strecken zu vergleichen. Aber ich denke, auch hier wäre heutzutage mit einem Stundentakt nach Sankt Wendel und Saarbrücken eine interessante Nachfrage zu generieren. Immer unter dem Gedankengang: Die Trasse wäre noch vorhanden und nicht abgebaut.

Jetzt seid ihr um eure Meinung gefragt: Was wäre, wenn?
Dateianhänge
RB 73 bis Birkenfeld.png
Horst Heinrich
Oberrat A14
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Re: Vision: Was wäre, wenn....

Beitrag von Horst Heinrich »

Stillegung und Abbau der Birkenfelder Eisenbahn war ein Politikum, wie könnte es anders sein, der letzte Geschäftsführer war übrigens der spätere Landtagsabgeordnete Hans-Jürgen Noss.
Die Gesellschaft freilich wurde erst 2011 liquidiert.
Andererseits -das muß man der Fairneß halber zugeben- waren zum Zeitpunkt der Stillegung Güter- und Personenverkehrspotentiale nicht in Sicht, auch langfristig nicht.
Auch heute, denke ich, täte man sich mit einer Reaktivierung schwer, weil die Nachfrage wohl ausbliebe.
Wer den Kreis und die Haltung der Kreisbürger kennt, wird zugeben müssen, daß hier das Auto als Verkehrsmittel die überragende Rolle spielt.
Leider ist es so, daß weitsichtige (Eisenbahn-)Pioniere heute noch mehr als in den Gründungsjahren unserer Eisenbahninfrastruktur auf verlorenem Posten stehen.
Man bekommt in kürzester Zeit zehn Mal mehr Gegner als Befürworter von Bahnverkehr zusammen, siehe Mittelrhein, Aartal, Eifel und auch Hunsrück.

Idee, Gedankengang und Engagement von Rouven finde ich aber trotzdem achtenswert, vielleicht könnte man die Strecke wirklich heute in den ÖPNV einbinden, auf jeden Fall beteilige ich mich auch gerne an solchen Träumereien.

Ähnliche Träume habe auch ich schon geträumt, nur nicht in Birkenfeld, sondern in Rheinhessen, zuletzt habe ich einem VT 95- oder 98-Pendel zwischen Armsheim und Wendelsheim noch eine bescheidene Chance gegeben, gewissermaßen als Idee für einen sinnvollen Vorruhestand, faktisch als kleine 2-Mann-Version von Barbara Pirch's Geschäftsidee.
Neben zwei selbst fahrenden Gesellschaftern hätte man noch ein paar ehrenamtliche Tf's einbinden können.
Na ja, der neue Edeka-Markt mitten auf der Gleistrasse in Wendelsheim hat jetzt dem ganzen Gedankenspiel einen ultimativen Riegel vorgeschoben.

Es ist schade, eigentlich gäbe das Eisenbahnrecht heute auch in Birkenfeld so ein Konzept her, zumal hier ein konzessioniertes EIU und EVU vorhanden war.
Ein Politikum halt, wie gesagt, solch eine Voraussetzung gewissermaßen "zu begraben".

Das Buch "Von der Nahe in die Ferne" ist mir übrigens nicht bekannt.
Woher kann man es denn beziehen?

Eine kleine, feine Abhandlung über die Birkenfelder Eisenbahn finden wir auch hier:
http://www.nahebahn.de/nahebahn/be.html
SOLANGE NICHT DIE KULTUSMINISTERKONFERENZ EINE EINSTWEILIGE VERFÜGUNG ERWIRKT UND SIE MIR PERSÖNLICH AN DER HAUSTÜR ÜBERREICHT,BLEIBE ICH BEI DER ALTEN RECHTSCHREIBUNG.
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Pablo
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Re: Vision: Was wäre, wenn....

Beitrag von Pablo »

Im Thema "RLP-Takt 2015 im Kreis Birkenfeld" (http://www.forum.hunsrueckquerbahn.de/v ... 24&t=46618) habe ich ja schon geschrieben, dass es bei erhaltener Strecke nun eine Diskussion zur RB Saarbrücken-Birkenfeld geben könnte.
Diese Verbindung hätte meiner Meinung nach auch eine Chance in der heutigen Zeit mit Taktverkehr usw.
Leider sind die Schienen verschwunden...und damit auch die Hoffnungen.
I-O Freak
Amtmann A11
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Re: Vision: Was wäre, wenn....

Beitrag von I-O Freak »

Hallo nochmal,

es ist schön, in einem Forum auf Gleichgesinnte zu treffen! :)
Das geplante Gesetz der Bundesregierung zur Vereinfachung von Stilllegungen und Entwidmungen passt ganz gut zur aktuellen Problematik.
Man ist gerade drauf und dran, für die Zukunft sehr viel zu verspielen.

Das Buch "Von der Nahe in die Ferne" ist von einem Herrn Hauth. Es ist beispielsweise bei der Stadt Kirn oder beim Landkreis Birkenfeld zu beziehen.
Anbei folgender Bestelllink: http://www.kirn.de/rathaus/buergerservice/shop/

Mehr auch hier: https://www.verkehrswesen-antiquariat.d ... _9454.html

Liebe Grüße,

Rouven
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