Hindenburgbrücke: Die Nahe-Zulaufstrecke (1971, m8B)

Historisches aus unserer Region
Benutzeravatar
Günter T
Oberrat A14
Beiträge: 2287
Registriert: Do 18. Aug 2005, 20:18

Hindenburgbrücke: Die Nahe-Zulaufstrecke (1971, m8B)

Beitrag von Günter T »

Hallo Bahn-Archäologen,

heute stelle ich mal was zu meinem Lieblings-Thema ein: Die Hindenburgbrücke zwischen Bingen und Rüdesheim sowie ihren Zulaufstrecken (hier grün dargestellt):

Bild



Ein kleiner Ausschnitt aus der TK 25 6013 Bingen, Stand 1940, Ausgabe 1943/2:

Bild






Mein Interesse ist allerdings ungleich höher als der Umfang meines Materials ....
Hier mal wenigstens ein Scan aus dem Reichsbahn-Kursbuch, gültig vom 15. Mai bis zum 7. Oktober 1939.
Für die hier gezeigten Pläne war jedoch bereits am 1. September mit dem Kriegsausbruch Schluss.


Bild



Wenden wir uns der zweigleisigen Zulaufstrecke von der Nahebahn zu:
Sie begann mit einer kreuzungsfreien Ausfädelung an der Blockstelle Sarmsheim und erreichte an der Blockstelle (Abzweig) Rochusberg die südliche Brückenrampe. Züge von der Hindenburgbrücke kamen von rechts über das Brückenbauwerk und rollten dann zur Nahebahn herab.
Rechts sieht man den abzweigenden Bogen Richtung Nahe- und Rheinbrücke.

Bild 1 - stammt wie alle anderen vom 1. April 1971 - :

Bild





Bild 2:

Das Überführungsbauwerk aus der Nähe.

Bild




Bild 3:

Der auf der rechten Naheseite erhaltene Brückenkopf

Bild




Bild 4:

Zwischen den beiden o.g. Blockstellen war diese reizvolle Fußgängerbrücke errichtet worden.

Bild




Bild 5:

Blick auf die Fußgängerbrücke von Osten her.

Bild




Bild 6:

Nicht weit von der Blockstelle Rochusberg ein Blick Richtung Osten.

Bild

Hier fehlt schon der Schotter. Der Abschnitt Bk Sarmsheim - Bk Rochusberg wurde im Jahr 1951 demontiert, da er seit Januar 1945 nicht mehr genutzt wurde.


Bild 7:

Hier befinden wir uns auf dem Gelände der strikt gen Norden gerichteten Rampe zur Rheinüberquerung. Im Hintergrund ist schwach der nördliche Brückenkopf der Überquerung der B 9 in Bingen-Kempten auszumachen.
Die Trasse wird heute von dem Binger Autobahnzubringer genutzt, der gleichfalls eine Zufahrt zum rechts neu errichteten Industriegelände ermöglicht.

Bild




Bild 8:

Und wenn wir hier schon mal herumstrolchen, dann werfen wir doch auch einen Blick auf die Bahn von Bingen nach Bad Kreuznach bzw Alzey (über Büdesheim-Dromersheim).
Das Gegenlicht verstärkt den düsteren Eindruck auf diesem Streckenteil:
Mein Standort ist etwa an der Stelle, wo die Ockenheimer Zulaufstrecke das hier zu sehende Gleis unterquerte.
Direkt vor uns sieht man das Brückenbauwerk der Strecke Gau-Algesheim - Büdesheim-Dromersheim. Dahinter quert ein Wirtschaftsweg die Bahn.
Unverkennbar hier auch die zweigleisige Projektierung der Bahn von Bingen nach Büdesheim-Dromersheim. In der topografischen Karte von 1935 ist diese Strecke schon als zweigleisig eingezeichnet.

Bild


Es grüßt euch
Günter
Zuletzt geändert von Günter T am So 28. Dez 2008, 15:27, insgesamt 2-mal geändert.
gt

Beitrag von gt »

Lieber G?nter,

nicht nur die Dokumente aus dem Jahr 1971 sind sehr beachtlich. Vielmehr kann ich nur meine Verwunderung sowie gleichzeitig den n?tige Respekt dar?ber aussprechen, wof?r du bereits 1971 einen Blick (ohne Zug) hattest.
Soweit war ich 1971 noch nicht, richtete sich mein Blick doch fast nur auf die Dampflok. Nun ja, da hast ja auch etwas fr?her angefangen.

Tolle Bilder und auch ein St?ck Bahngeschichte das du hier festgehalten hast.


Beste Gr??e

Gerd
Dieselschrauber
Oberinspektor A10
Beiträge: 614
Registriert: Fr 3. Nov 2006, 20:26

Super

Beitrag von Dieselschrauber »

Hallo G?nter:
Toller Beitrag ,vom Anfang bis zum Ende. :lol:
Gru? J?rg.
Benutzeravatar
Markus Göttert
Präsident der Deutschen Bundesbahn B11
Beiträge: 4829
Registriert: Sa 23. Jul 2005, 10:14
Kontaktdaten:

Re: Hindenburgbr?cke: Die Nahe-Zulaufstrecke (1971, m8B)

Beitrag von Markus Göttert »

G?nter T hat geschrieben:
Bild

Hier fehlt schon der Schotter. Der Abschnitt Bk Sarmsheim - Bk Rochusberg wurde im Jahr 1951 demontiert, da er seit Januar 1945 nicht mehr genutzt wurde.
Super und Unglaublich.

Von diesem Bild oben, gibt es ein Bild von Bilfinger und Berger die die Sache gebaut haben. Es zeigt die Br?cke auf der du stehst und die abgebildete Br?cke NEU.
Ich stell es die Tage ein.

Darf ich den Beitrag so auf unserer Nahebahn mit Bilder ?bernehmen.

Gleich mal ein Aufruf in eigener Sache.

F?r die Homepage nahebahn.de suchen wir noch Mitarbeiter.
Hat jemand LUST.

Gruss Markus
Meine Facebookseite zum Thema Hunsrückbahn
Bild
Benutzeravatar
Günter T
Oberrat A14
Beiträge: 2287
Registriert: Do 18. Aug 2005, 20:18

Beitrag von Günter T »

Hallo Markus,

auf das angekündigte Brücken-Bild freue ich mich sehr.

Und die bereits vor einem Jahr erteilte Dauer-Genehmigung zur Verwertung meiner selbst produzierten und dann hier eingestellten Bilder auf den von dir verantworteten Nahe- und Hunsrück-HPs gilt natürlich weiterhin.

Gruß
Günter
Zuletzt geändert von Günter T am So 28. Dez 2008, 15:29, insgesamt 1-mal geändert.
Benutzeravatar
Sven Ackermann
Amtsrat A12
Beiträge: 1125
Registriert: Mo 14. Nov 2005, 20:52
Kontaktdaten:

Beitrag von Sven Ackermann »

Hallo G?nter,

klasse Beitrag, ich liebe Eisenbahn-Arch?ologie und die Spurensuche! Und dass Du so etwas schon 1971 gemacht hast, wo die meisten Eisenbahnfreunde (wie Gerd schon geschrieben hat) lieber den Dampfern hinterhergerannt sind, ist bemerkenswert.
Viele Grüße, Sven

Bild Bild
MarcusFBGK
Amtmann A11
Beiträge: 883
Registriert: Di 26. Jul 2005, 20:34
Kontaktdaten:

Beitrag von MarcusFBGK »

Hallo G?nter,

eine klasse Dokumentation - ich habe die ganze Strecke dieses Jahr mal in zwei Etappen abgewandert (nat?rlich mit Fotoapparat) und kann nur sagen, dass es heute wesentlich weniger noch zu sehen gibt. Vor allem die Vegetation hat fast alles verschluckt.

Wenn ich meine Bilder aufgearbeitet habe, werden sie bei www.nahebahn.de zu sehen sein.

Gru?

Marcus
Bild
Benutzeravatar
Günter T
Oberrat A14
Beiträge: 2287
Registriert: Do 18. Aug 2005, 20:18

Beitrag von Günter T »

Hallo Dirk,

über die Hindenburgbrücke wird hier noch mehr zu zeigen und zu berichten sein; ich habe da auch weitere "halbhistorische" Bilder.

Zu den Betriebsverhältnissen zwischen den zwei Weltkriegen gibt es nur wenige Berichte; und die sind auch noch widersprüchlich. So habe ich von Klagen der Fahrzeugbenutzer gehört, die relativ lange Wartezeiten wegen Zugfahrten erdulden mussten. 1930 war dann aber für den Straßenverkehr Schluss, und die Reichsbahn nutzte die Brücke wieder alleine.

Der Turm auf der Rüdesheimer Brückenseite war jahrelang von einem Herrn bewohnt, der sein Besitztum hermetisch abriegelte. Mir sind von dort keine Bilder bekannt; auch ich habe es nie geschafft, diesen Bereich zu betreten. Vielleicht hatten Andere mehr Glück.

In will in absehbarer Zeit versuchen, dieses Thema fortzusetzen.

Es grüßt Dich
Günter
Zuletzt geändert von Günter T am So 28. Dez 2008, 15:31, insgesamt 1-mal geändert.
Kai
Amtsrat A12
Beiträge: 1016
Registriert: Sa 1. Okt 2005, 11:10
Kontaktdaten:

Re: Hindenburgbr?cke: Die Nahe-Zulaufstrecke (1971, m8B)

Beitrag von Kai »

Sorry, dass ich dieses alte Thema wieder ausgrabe, aber ich bin heute in Gau-Algesheim gewesen und weil nicht viel los war, bin ich an der Strecke Richtung Kreuznach entlang gelaufen. Dort bin ich dann quasi mitten im Feld auf einen Damm gestoßen, der mir komisch vorkam. Feldwege liefen rechts und links daneben entlang. Auf dem Damm war alles zugewachsen.

Von seinem Verlauf und von der Beschaffenheit her tippte ich gleich auf einen Bahndamm. Aber es waren absolut keine Spuren zu finden, die dies bestätigt hätten. Kein Schotter, keine Kilometersteine und auch sonst nichts. Im weiteren Verlauf (Bogen) Richtung linke Rheinstrecke verlor sich der Damm immer mehr in den Äckern und Feldern. Mit gutem Willen konnte man noch die Stelle erahnen, wo das Gleis in die linke Rheinstrecke eingemündet haben muss.

Eben hab ich bei Google-Earth nachgeschaut, dort erkennt man den Damm sehr gut:
http://maps.google.com/maps?f=q&hl=de&g ... 2&t=h&z=16

Hier muss es sich um die Verbindungskurve handeln, die auf Günters Karte am Abzw. Wasserwerk beginnt. Hat jemand nähere Informationen dazu? Wann wurde diese Kurve gebaut/abgebaut? Bis wann wurde sie genutzt? Existieren Bilder davon?
Zuletzt geändert von Kai am So 28. Dez 2008, 01:23, insgesamt 2-mal geändert.
Bild
Benutzeravatar
Günter T
Oberrat A14
Beiträge: 2287
Registriert: Do 18. Aug 2005, 20:18

Re: Hindenburgbr?cke: Die Nahe-Zulaufstrecke (1971, m8B)

Beitrag von Günter T »

Hallo Kai,

da hast du recht: Das war die Verbindung vom Abzw Wasserwerk (linke Rheinstrecke) nach Ockenheim.
Sie wurde 1934 für den Güterverkehr eröffnet.
Die offizielle Stilllegung erfolgte am 10.11.1965; 1966 wurden die Gleise entfernt.

Es grüßt dich
Günter
Kai
Amtsrat A12
Beiträge: 1016
Registriert: Sa 1. Okt 2005, 11:10
Kontaktdaten:

Re: Hindenburgbr?cke: Die Nahe-Zulaufstrecke (1971, m8B)

Beitrag von Kai »

Hallo Günter,

vielen Dank für die schnelle Antwort. 42 Jahre liegen dort also schon keine Gleise mehr. Kein Wunder, dass man fast nichts mehr erkennt und der Bewuchs so heftig ist. Wurde die Kurve denn nur für den Güterverkehr von/nach Richtung Ockenheim genutzt? Oder wurde sie auch als Zubringer von der linken Rheinstrecke zur Hindenburgbrücke genutzt (evtl. Umleiterverkehre)?

Vielleicht findet sich ja noch jemand, der Bilder von der Kurve hat. Das wäre spitze!

Gruß,
Kai
Bild
Benutzeravatar
Markus Göttert
Präsident der Deutschen Bundesbahn B11
Beiträge: 4829
Registriert: Sa 23. Jul 2005, 10:14
Kontaktdaten:

Re: Hindenburgbr?cke: Die Nahe-Zulaufstrecke (1971, m8B)

Beitrag von Markus Göttert »

Moin,

mit Sprengung der Hindenburgbrücke hatte die Verbindungskurve ihre Hauptaufgabe verloren.
Genutzt wurde Sie dann nur noch von dem einen oder anderen Personenzug um Ockenheim an Bingen anzubinden. Der kürzere Weg ging ja von Büdesheim-Dromersheim direkt nach Bingen.

Ebenfalls genutzt wurde die Kurve vom Ng der die Bahnhöfe Gaulsheim, Ockenheim, Büdesheim-D., Gensingen-Horrweiler bediente. Bis in die 1970iger wurden auch Zuckerrüben in Ockenheim verladen. Zuständiger Rangierbahnhof war Bingerbrück.

Ebenfalls genutzt wurde die Kurve vom Stückgutzug. Bis in die 1960iger dürfte der Flaschenweinversandt nicht unerheblich in Ockenheim gewesen sein.

Das Alles rechtfertigt eine solche Kurve nicht.
Hauptgrund dürfte wohl die Militärische Bedeutung gewesen sein. Bis in die 1970iger durften die Bahndämme zur Hindenburgbrücke nicht entfernt oder bebaut werden.

Gruss Markus
Meine Facebookseite zum Thema Hunsrückbahn
Bild
Antworten