Eifelquerbahn - Abgabe von Eisenbahninfrastruktur

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Re: Eifelquerbahn - Abgabe von Eisenbahninfrastruktur

Beitragvon Westeifelbahner » So 3. Feb 2019, 22:12

@jwiessner: Eine Anfrage beim Landrat finde ich gut - gern wieder nachfragen! Es ist gut, wenn die Politik ein Interesse wahrnimmt.
Die Tatsache, dass sie noch nicht beantwortet wurde, verwundert wirklich nicht. Nach meinem Kenntnisstand ist bei Mails oder Briefen zur Eifelquerbahn mit einer Antwort zu rechnen, die aber schon mal Wochen, Monate oder länger dauern kann... - egal, ob es Dauner Landrat ist oder sein Amtskollege. In der Sache auch nicht verwunderlich, da ich nicht glaube, dass die Problematik dem Landrat vor der letzten Woche überhaupt bekannt gewesen war...
Dementsprechend: Hast du denn auch mal bei der Primärquelle, der VEB, nachgefragt? Diese müsste es ja vor allem wissen.
Gruß Westeifelbahner

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Re: Eifelquerbahn - Abgabe von Eisenbahninfrastruktur

Beitragvon jwiessner » Mi 6. Feb 2019, 21:17

Ich hatte auch schon überlegt die VEB, Herrn Petry, einmal anzuschreiben und nachzufragen inwieweit es Kontakt zwischen dem Arbeitskreis und VEB gegeben hat. Einen Teil der Kosten zur Instandsetzung (bis zu 50%) könnte z.B. durch ein Programm zur Förderung des Schienengüterverkehrs (SGFFG) durch das EBA gedeckt werden. Hierzu müsste allerdings Güterverkehr, auch wenn nur sehr sporadisch, stattgefunden haben und zukünftig stattfinden. Eventuell ließen sich hier ja durch die VEB wieder Kunden für Holztransporte ab Ulmen reaktivieren. Die Förderung erlaubt ausdrücklich die Nutztung des Verkehrswegs auch für andere Schienenverkehre.
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Re: Eifelquerbahn - Abgabe von Eisenbahninfrastruktur

Beitragvon Westeifelbahner » Do 7. Feb 2019, 01:39

Die Förderbedingung im SGV wäre unstrittig zu erfüllen, aber das SGFFG ist die Grundlage der bekannten Förderrichtlinie in RLP, die 2016 beschlossen wurde und ursprünglich u.a. für die Eifelquerbahn gedacht war (auch, wenn man in RLP so tat, als habe man sie nur für touristische Verkehre aus Liebe zur Bahn neu erfunden). Doch wenn die Kommunen schon 15% Eigenanteil ablehnen, wie soll dann eine Finanzierung mit nur 50% Landesmitteln zu Stande kommen? Bei 24 Millionen wären hiermit ja noch 12 Millionen EUR in der Finanzierung offen...
Gruß Westeifelbahner

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Re: Eifelquerbahn - Abgabe von Eisenbahninfrastruktur

Beitragvon Rolf » Do 7. Feb 2019, 11:16

Trotz aktuell zu verzeichnender Rekordeinnahmen und einmalig niedriger Zinsen hat unser Staat zu wenig Geld, um die Infrastruktur auf dem Niveau eines hoch entwickelten Industrielandes zu halten. Stattdessen bestimmen marode Schulen, Straßen, Brücken, Schwimmbäder, Bundeswehr und nicht zuletzt eine seit 25 Jahren gnadenlos kaputt gesparte Bahn das Bild. Wenn ich das mal mit Japan vergleiche, was angeblich in einer Dauerkrise steckt, wo aber trotzdem alles picobello aussieht und top funktioniert, ist unser Niveau das eines Entwicklungslandes. In Deutschland fließ das Geld vorzugsweise in den Sozialstaat. Dafür wurden die regierenden Parteien gewählt. Das muss man also akzeptieren. Oder anders wählen. Aktuell treibt die Regierenden in Berlin die Panik vor einem Abschwung um: 25 Mrd. € sollen demnächst fehlen. Und das, obwohl die Steuern fließen wie nie und die Zinsen rekordverdächtig niedrig sind. Das muss man erst mal hinbekommen! Kurzum, das Geld wird in den nächsten Jahren knapper. Und am Sozialstaat wird sicher als letztes Hand angelegt. Also werden am ehesten die Investitionen gekürzt oder neue Schulden aufgenommen, was das Problem aber nur in die Zukunft verlagert. Und wenn es dem Bund schon schlechter ergeht, dann den Kommunen erst recht, denn die sind traditionell finanziell schwach aufgestellt. Die Kommunalpolitiker müssen (zu) hohe Kita-Gebühren rechtfertigen, schlecht ausgestattete Schulen, Schlaglöcher in den Straßen, reduzierte Öffnungszeiten öffentlicher Einrichtungen usw. usw. Die Kommunalpolitik ist mittlerweile von großer Sorge getrieben im Hinblick auf den drohenden Abschwung, sinkenden Einnahmen und wird daher einen Teufel tun, sich Ausgaben für eine Bahnstrecke an den Hals zu holen, und seien sie noch so niedrig. Die vielfach diskutierte 15%-Förderrichtlinie erweist sich in den meisten Fällen als Grabestuch für die Eisenbahninfrastruktur in der Provinz. Eine rühmliche Ausnahme bildet in der Eifel lediglich die Brohltalbahn, wo kluge, mutige und weitsichtige Kommunalpolitiker den Wert ihres touristischen Zugpferdes begreifen und ihre Bahn entsprechend unterstützen. Allen voran der engagierte, vorausschauende Bürgermeister Johannes Bell, der, oh Wunder, den Freien Wählern (FWG) angehört. Aber im Brohltal rollt der Verkehr seit über 40 Jahren (in Form des Vulkan-Express) und der Erfolg ist somit nachweisbar und greifbar, und die Kommunalpolitik kann ihr Engagement gegenüber dem Wähler leicht rechtfertigen. Insofern ist es für die Eifelquerbahn besonders tragisch, dass die höchst lobenswerte Vorarbeit durch die VEB, die den Betrieb auf der EQB 12 Jahre mit viel Engagement zahlreicher Ehrenamtler erfolgreich durchgeführt hat, nicht durch eine entsprechende Unterstützung durch die Lokalpolitik flankiert wurde bzw. wird. Solange es nichts kostete, hat man die VEB gerne machen lassen, aber sich relativ wenig für den Verkehr interessiert, wenn überhaupt. Und je länger der Betrieb zurück liegt, desto geringer wird das Rest-Interesse, sollte überhaupt welches vorhanden (gewesen) sein. Und wenn jetzt auf der anderen Seite die VEB die Strecke abgeben will, so interpretiere ich das als resignativen Akt des wichtigsten Kenners in der Szene. Wenn schon ein Jörg Petry mit seiner VEB aufgibt, also der Eifel-Eisenbahn-Macher schlechthin, der wie kein anderer politisch vernetzt ist, jeden Trick kennt, um seine VEB bzw. sein Betriebswerk ans Laufen zu bekommen bzw. zu erhalten und somit sehr viel für die Eisenbahn in der Eifel erreicht hat, dann sehe ich offen gestanden schwarz für die Strecke. Die Politik bräuchte Mut und einen langen Atem, um die EQB wieder ans Rollen zu bringen (s. Brohltal). Beides sehe ich bei den derzeit Beteiligten aber nicht. Man kann es daher drehen und wenden wie man will, die Hoffnung schwindet auf ein Minimum. Das macht mich wütend und traurig, denn die EQB hat Potenzial und könnte genauso ein regionales Zugpferd werden wie die Brohltalbahn. Leider kann man nicht viel gegen den fatalen Kurs der verantwortlichen Politiker ausrichten, außer vielleicht sein Kreuz beim nächsten Mal wo anders zu machen. Dummerweise sehe ich im Bund keine seriöse Partei, die eine deutlich bessere Bahnpolitik verspricht als die derzeit agierenden Parteien. Für Bahn-Freunde eine deprimierende Perspektive.

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Re: Eifelquerbahn - Abgabe von Eisenbahninfrastruktur

Beitragvon Westeifelbahner » Do 7. Feb 2019, 11:30

Zu viel Geld für den Sozialstaat und deshalb muss die arme Bahn leiden? Da gehe ich nicht mit. Man rechne nur mal aus, wie viele Streckenkilometer mit dem Geld reaktiviert werden könnte, dass allein für Stuttgart21 verpulvert wird (und regional gesehen: Was auf dem Nürburgring "investiert" wurde) - es sind die Prestigeprojekte...

Rolf hat geschrieben: Aber im Brohltal rollt der Verkehr seit über 40 Jahren (in Form des Vulkan-Express) und der Erfolg ist somit nachweisbar und greifbar, und die Kommunalpolitik kann ihr Engagement gegenüber dem Wähler leicht rechtfertigen. Insofern ist es für die Eifelquerbahn besonders tragisch, dass die höchst lobenswerte Vorarbeit durch die VEB, die den Betrieb auf der EQB 12 Jahre mit viel Engagement zahlreicher Ehrenamtler erfolgreich durchgeführt hat, nicht durch eine entsprechende Unterstützung durch die Lokalpolitik flankiert wurde bzw. wird.

Der Vergleich hinkt: Von Spurbreite über Streckenlänge bis zur Haushaltssituation der Kommunen. Der kommunale Eigenanteil ist im Brohltal aufzubringen, in der Vulkaneifel bei 24 Millionen EUR Gesamtbetrag für eine den Kommunen noch nicht einmal gehörende Strecke nun mal Utopie.
Ich zitiere mal aus der von den Landräten und Verbandsbürgermeistern unterschriebenen Resolution: "Aktuelle Gutachten beziffern die Kosten für eine Instandsetzung der Schieneninfrastruktur, nur für touristische Fahrten, mit rund 24 Mio. Euro. Es ist kommunalpolitisch nicht zu verantworten, dass eine derartig hohe Summe Steuergeld (davon rd. 3,6 Mio Euro aus kommunaler Kasse) in die Schieneninfrastruktur investiert werden soll (…) Vor dem Hintergrund, dass nach den aus den Gutachten gewonnenen Erkenntnissen eine rein touristische Nutzung nicht in einem angemessenen Kosten-Nutzen-Verhältnis steht, halten wir eine Aktivierung nur für touristische Zwecke für nicht vertretbar."
Dem ist aus meiner Sicht nichts hinzuzufügen, sondern zeigt einen verantwortungsbewussten Umgang mit Steuergeldern.

Rolf hat geschrieben: Solange es nichts kostete, hat man die VEB gerne machen lassen, aber sich relativ wenig für den Verkehr interessiert, wenn überhaupt.

Die VEB ist gefahren, weil die Verkehre vom ZSPNV RLP Nord bestellt wurden - auch dank Stimmen und Engagement aus den Landkreisen, insbesondere des Vulkaneifelkreises.
Ich will hier nicht in Details gehen, aber kommunale Anlieger haben in der Vergangenheit durchaus auch bei Sanierungsvorhaben in die Tasche gegriffen. Schau beispielsweise doch mal nach, wie die Sanierung Ulmen - Kaisersesch finanziert wurde - es lässt sich doch nachvollziehen, wie die Stimmungslage bei denen war, welche sich im Rat dafür positioniert hatten, als 5 Jahre später plötzlich trotzdem schon Ende war.

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Re: Eifelquerbahn - Abgabe von Eisenbahninfrastruktur

Beitragvon Rolf » Fr 8. Feb 2019, 06:55

Westeifelbahner hat geschrieben: (…) "Vor dem Hintergrund, dass nach den aus den Gutachten gewonnenen Erkenntnissen eine rein touristische Nutzung nicht in einem angemessenen Kosten-Nutzen-Verhältnis steht, halten wir eine Aktivierung nur für touristische Zwecke für nicht vertretbar."
Dem ist aus meiner Sicht nichts hinzuzufügen, sondern zeigt einen verantwortungsbewussten Umgang mit Steuergeldern.

Für einen Eisenbahner eine bemerkenswerte Aussage. Genau das sehe ich anders. Es wäre von den Kommunen verantwortungsbewusst, die Strecke zu erhalten und ihren Anteil aufzubringen, auch wenn es zugegebenermaßen schwer fällt. Dieselben Politiker werden nämlich bestimmt kein Problem damit haben, eine ähnliche oder sogar größere Summe für den Bau eines Fahrradweg und dessen Pflege auszugeben. Ich habe nichts gegen Fahrradwege, und ich glaube auch nicht, dass man jeden peripheren Rest des einstmals großen Streckennetzes in der Eifel retten kann, aber die EQB hat überdurchschnittliches Potenzial und wäre ein touristischer Gewinn für die Region.

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Re: Eifelquerbahn - Abgabe von Eisenbahninfrastruktur

Beitragvon Westeifelbahner » Fr 8. Feb 2019, 09:44

Rolf hat geschrieben:Für einen Eisenbahner eine bemerkenswerte Aussage. Genau das sehe ich anders. Es wäre von den Kommunen verantwortungsbewusst, die Strecke zu erhalten und ihren Anteil aufzubringen, auch wenn es zugegebenermaßen schwer fällt. Dieselben Politiker werden nämlich bestimmt kein Problem damit haben, eine ähnliche oder sogar größere Summe für den Bau eines Fahrradweg und dessen Pflege auszugeben. Ich habe nichts gegen Fahrradwege, und ich glaube auch nicht, dass man jeden peripheren Rest des einstmals großen Streckennetzes in der Eifel retten kann, aber die EQB hat überdurchschnittliches Potenzial und wäre ein touristischer Gewinn für die Region.

Nehmen wir doch mal "nur" die genannten 3,6 Millionen EUR an, welche die Kommunen aufbringen müssten: Wo soll das Geld deiner Meinung in welchem kommunalen Haushalt wofür eingespart werden können? Schau dir mal die Haushaltslage an. Und auf welche Berechnung stützt du deine Aussage, dass auch 3,6 Millionen EUR in den Kommunen für den Radweg aufgebracht werden müssten, wenn man die großzügigen Fördermittel des Landes für den Ausbau des Radwegenetzes berücksichtigt?
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Re: Eifelquerbahn - Abgabe von Eisenbahninfrastruktur

Beitragvon Rolf » So 10. Feb 2019, 11:17

Westeifelbahner hat geschrieben:Wo soll das Geld deiner Meinung in welchem kommunalen Haushalt wofür eingespart werden können?

Wieso einsparen? Bei den Kommunen fehlt da in der Tat der Spielraum. Was ich auf Bundes- und Landesebene ändern würde, habe ich weiter oben angedeutet. Ich würde bei Zukunftsinvestitionen, also Investitionen in Infrastruktur wie Schulen, Straßen, Brücken, Eisenbahn, großzügigere Ausgaben und nötigenfalls Schuldenaufnahme empfehlen. Die Zinsen sind lächerlich niedrig, und das werden sie auch bleiben (müssen), weil der Euro aufgrund der exorbitanten Defizits in den südlichen Mitgliedsstaaten andernfalls auseinanderfliegt. Und das will die EU mit allen Mitteln verhindern. Deswegen muss Draghi den Markt weiter mit billigem Geld fluten. Und wenn uns die Target-II-Salden und die Defizite im Süden am Ende doch um die Ohren fliegen und die ganze Euro-Party endet wie 1923 oder 1948, und die Anzeichen mehren sich, bleibt bei Investitionen in die Infrastruktur wenigstens ein realer Wert übrig, und zwar 100%, was beim Sozialstaat genau das Gegenteil sein wird. Allein deswegen muss das viele, Dank Draghi, vorhandene Geld in die Investitionen verlagert werden bzw. in bleibende Werte allgemein. Ich weiß, die Schuldenbremse zwingt Bund und Länder zu Haushaltsdisziplin, aber es gibt genügend Tricks und Schlupflöcher, die es ggf. zu nutzen gilt. Die Schuldenbremse entspringt ohnehin einem deutschen Stabilitäts-Denken aus der Zeit vor Einführung des Euro bzw. vor der Euro-Schwemme. Die Südstaaten haben das messerscharf erkannt, erst Griechenland, jetzt Italien, neuerdings auch Frankreich (allerdings aus Panik vor den Gelbwesten), und sie nutzen das geschickt aus. Mithin gibt es aus meiner Sicht, solange wir im Euro sind, zu einer keynesianischen Finanzpolitik keine Alternative, wenn wir nicht am Ende als die Dummen da stehen wollen, die die Party der anderen bezahlen.

Westeifelbahner hat geschrieben:Und auf welche Berechnung stützt du deine Aussage, dass auch 3,6 Millionen EUR in den Kommunen für den Radweg aufgebracht werden müssten, wenn man die großzügigen Fördermittel des Landes für den Ausbau des Radwegenetzes berücksichtigt?

Was die Fahrradwege betrifft, so ist es bekannt, dass es dafür großzügige Fördermittel von Land, Bund und EU gibt. Ohne Eigenanteil kommen die Kommunen aber selten davon. Im Gegensatz zur relativ schnell renovierbaren Eisenbahn (15%-Anteil) wissen wir aber noch gar nicht, was in vielen Jahren, falls die Umwandlung in einen Fahrradweg anstehen sollte, an Fördertöpfen (noch) zur Verfügung stehen wird. Mithin kann sich ein Befürworten wie ein Kritiker nur auf Erfahrungswerte stützen. Bei der Länge und der Topografie der Strecke wird der Radweg aber sicher ein teures Millionenprojekt, mit hoher Wahrscheinlichkeit im zweistelligen Bereich, wenn man ähnliche Projekte zu Grunde legt. Die Kommunen werden ihren Beitrag leisten müssen. Hinzu kommen die Kosten für die Verkehrssicherungspflicht der Kommunen; diese müssen einen öffentlichen Fahrradweg unterhalten und seine Sicherheit garantieren. Der Aufwand dafür ist beachtlich und er läppert sich über die Jahre. Ein Blick auf den Maare-Mosel-Radweg beispielsweise zeigt, dass hier zunehmende Ausgaben anfallen (werden). Während die VEB bewiesen hat, dass sie mit engagierten Bahn-Freunden und bewundernswerter Eigenleistung die EQB unterhalten kann, habe ich noch keine Freiwilligen gesehen, die einen Verein gründen, um den Mosel-Maare-Weg in Eigeninitiative betriebsbereit zu halten.

Falls uns das Euro-System Dank der Schuldenparty der "Südstaaten" tatsächlich vorher um die Ohren fliegt und eine neue Währung kommt, und die Sorgen teilen zunehmend viele Ökonomen, dann kann es sogar sein, dass es viel weniger oder gar keine Förderung mehr gibt, weil mit einem neuen Nord-Euro oder der wiedereingeführten DM sicher wieder ein Stabilitätskurs gefahren würde, so wie nach 1923 und 1948. Im schlimmsten Fall wäre die Bahn weg, und der neue Fahrradweg noch nicht da, und am Ende bleibt dann gar nichts. Schon aus diesem Grunde würde ich schnellstmöglich investieren. Und zwar in die Bahn! Und nicht nur in die Eifelquerbahn, sondern in die Bahn bundesweit und darüber hinaus in die Infrastruktur. Die bleibt, was ökonomisch auch immer kommen mag.

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Re: Eifelquerbahn - Abgabe von Eisenbahninfrastruktur

Beitragvon jwiessner » So 10. Feb 2019, 13:43

Ich habe heute eine Anfrage an die VEB gestellt und warte jetzt auf eine Antwort.

Realistische Chancen für einen Betrieb auf der EQB sehe ich aktuell nur für den Abschnitt Kaisersesch - Ulmen - Daun, hier dürften die Kosten überschaubar sein. Das Hauptproblem aber ist das es aktuell keinen aktiven und sichtbaren Einsatz zum Erhalt der EQB gibt. Seitens der Kommunen gibt es kein Interesse, und auch keinen finanziellen Spielraum, um sich für einen Betrieb der Strecke zu engagieren.

Es Bedarf eigentlich eines Vereins, der in Zusammenarbeit mit einem EIU, sich um die Strecke kümmert.
Als erstes würde mir da der Eifelbahn e.V. einfallen, aber durch die Brücke in Pelm ist diesem der Zugang zur Strecke versperrt bzw. ein Zugang von der Strecke zur Werkstatt wäre nicht ohne weiteres realisierbar.
Als andere Möglichkeit würde mir die Gründung eines Vereins "Eifelquerbahn e.V." einfallen der sich, ähnlich dem Brexbachtalbahn e.V., für den Erhalt und die Pflege der Strecke engagiert.
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Re: Eifelquerbahn - Abgabe von Eisenbahninfrastruktur

Beitragvon Westeifelbahner » So 10. Feb 2019, 18:13

@Rolf: Wenn wir uns also einig sind, dass die Kommunen den Spielraum unter gegebenen Rahmenbedingungen nicht haben, ist doch alles gesagt. Die Landräte und Verbandsbürgermeister können nur auf der Grundlage der gegebenen Rahmenbedingungen entscheiden - egal, was man sich landes-, bundes- oder gar europapolitisch wünschen mag.
Und wieso der Radweg in deiner Kalkulation nicht erheblich kostengünstiger für die Kommunen sein soll, verstehe ich nicht ganz, wenn man bedenkt, dass die Verkehrssicherungspflicht auch bei einem 15%-Eigenanteil an den 24 Millionen EUR Invest für die Efq gemäß Landesförderrichtlinie auf die Kommunen übertragen würde. Und nicht einmal nur das, wenn man sich mal anschaut, was alles nicht förderfähig ist - wurde hier ja bei der Brex mal im Detail aufgelistet! Siehe Förderrichtlinie.
Hinzu kommen die Fragen der Förderfähigkeit des Streckenankaufs (nach Förderrichtlinie Bahn NICHT förderfähig) und der Opportunitätskosten (beim Radweg bringen auch die Gleise Geld). Und machen wir uns nichts vor: Perspektivisch ist nun mal billiger eine Asphalttrasse für Leichtfahrzeuge zu erhalten als eine Schienenstrecke nach Landeseisenbahngesetz. Nimm nur mal Anschlussgebühren DB-Netz, Vorschriften zur Überprüfung der betriebssicheren Befahrbarkeit usw.
Gruß Westeifelbahner

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Re: Eifelquerbahn - Abgabe von Eisenbahninfrastruktur

Beitragvon Westeifelbahner » So 10. Feb 2019, 18:18

@jwiessner: Richtig, es bräuchte einen Neustart! Leute, die noch mal bei Null anfangen und sich erst mal nur auf den Ostabschnitt konzentrieren, um da "im Kleinen" was auf die Beine zu stellen. Fern aller "alter Strukturen" und fokussiert auf das, was mit deutlich geringerem Aufwand erst mal machbar und finanzierbar ist. Das sehe ich im Fall der Fälle auch so, wenn es überhaupt noch irgendeine Chance gibt...

Die Strecke wird von der VEB jetzt erst ausgeschrieben. Hätte der Eifelbahn e.V. sich hier engagieren wollten bzw. hierzu Möglichkeiten gesehen, wäre seit 2013 Zeit gewesen. Und das ist ja auch das, was eben Kommunalpolitiker jetzt im Kopf haben: Zeit war genug, aber geschehen ist auf der Trasse nichts - nur die Bäume sind immer höher gewachsen...

Gruß Westeifelbahner

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Re: Eifelquerbahn - Abgabe von Eisenbahninfrastruktur

Beitragvon jwiessner » So 10. Feb 2019, 21:47

@Westeifelbahner:
Wenn man dieses Projekt ernsthaft angehen möchte müssten erstmal die Kosten auf den Tisch. Da der Abschnitt Kaiseresch - Ulmen erst vor knapp 10 Jahren saniert wurde dürfte es hier hauptsächlich um einen Freischnitt und reinigen der Bahnübergänge gehen. Als Unbekannte gibt es dort noch die 2 Brücken über die A48. Zu klären wäre dann der Sanierungsaufwand für den Abschnitt Ulmen - Daun, dazu habe ich auch bei der VEB einmal nachgefragt.
Als nächstes wären dann noch die Kosten für den Eisenbahninfrastrukturanschluss und der jährliche Pachtzins. Zu letzterem müsste dann auch mit der DB Netz AG verhandelt werden, da die Strecke ja nicht in einem betriebsfähigen Zustand übernommen würde.

Dann wäre die Frage zu klären wer als EVU/EIU in Frage käme bzw. dazu bereit wäre. Dazu fallen mir aktuell die folgenden 3 Unternehmen ein:
- Rhein-Sieg-Eisenbahn GmbH
- Eifelbahn Verkehrs GmbH
- Vulkan-Eifel-Bahn GmbH

Die RSE hat ja schon Erfahrung mit der Übernahme stillgelegter Strecken, wobei das ganze bei der Westeifelbahn ja "nicht optimal" gelaufen ist.

Um die Strecke wieder in einen betriebsfähigen Zustand zu bringen bedarf es dann, neben einer Gruppe Aktiver Mitstreiter, eines Fahrzeugs zur Streckenunterhaltung.

Für die Fahrten selbst wird dann noch ein entsprechendes Fahrzeug, idealerweise ein Schienenbus benötigt, da ein umsetzen in Kaiseresch ja nicht möglich ist.

Für den Fahrbetrieb bedarf es eines entsprechenden Konzeptes, wobei realistisch gesehen für den Anfang nur Fahrten zu Sonn- und Feiertagen umsetzbar wären. Man könnte auch Sonderfahrten, z.b. zur Laurentiuskirmes in Daun oder dem Lukasmarkt in Mayen veranstalten. Auch Themenfahrten, wie z.B. Nikolausfahrt wären denkbar.

Eine Finanzierung wird wohl nur über Spenden, Mitgliedsbeiträge und entsprechende Fördertöpfe möglich sein, ich glaube nicht das es von den Kommunen hier finanzielle Unterstützung geben dürfte.

Als Betriebsstützpunkt kämen die Bahnhöfe Daun und Ulmen in Frage, wobei man in Daun eher Pro Eifelquerbahn eingestellt zu sein scheint als in Ulmen. Es würde so auch die Möglichkeit bestehen ab Daun einen Draisinenbetrieb einzurichten, wobei hier doch ein ordentlicher Höhenunterschied zu überwinden wäre (was in Richtung Ulmen, wie vom Dauner Bürgermeister angeregt, ebenfalls der Fall wäre).

Das sind nur so meine Gedanken zu dem Thema. Ich habe auch schon überlegt ob man sich mit der Idee nicht mal an das neu gegründete Bündnis für Verkehrswende nördliches Rheinland-Pfalz wendet. Dort hat man sich unter anderem auch das Ziel gesetzt vorhandene Bahnstrecken wie die Eifelquerbahn für touristische Nutzung zu reaktivieren.

Gruß
Jens
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