Eifelquerbahn - Abgabe von Eisenbahninfrastruktur

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Re: Eifelquerbahn - Abgabe von Eisenbahninfrastruktur

Beitragvon Westeifelbahner » Mi 12. Jun 2019, 23:09

Rolf hat geschrieben:Für die Vergangenheit ist das sicher vielfach zutreffend, aber seit der Verein aktiv ist, weht doch überall in den Medien ein anderer Wind.(…) Und nicht zuletzt diese Mundpropaganda vieler Bahnfreunde bzw. Bahnnutzer hat die Nutzerzahlen der Brohltalbahn von ursprünglich 5.000 Nutzern/Jahr auf bis zu 80.000 geführt.

Der "TV"-Artikel war für mich eher ein Beispiel dafür, dass die Medien in der Eifel leider weiterhin dem nicht viel Gewicht heben, wenn Eisenbahnfreunde argumentieren (herausgestellt wurde der VDV, weil er schließlich auch Busunternehmen vertrete - leider typische Logik des "TV"). Aber zur Brohltalbahn: Wo kann man eigentlich die Fahrgastzahlen der Brohltalbahn mal nachlesen? An anderer Stelle wird bedauert, dass über die Fahrgastzahlen der Efq so wenig bekannt sei, während 80.000 Fahrgäste im Brohltal als Allgemeinbildung vorausgesetzt werden. In welchem Jahr bzw. in welchen Jahren wurden diese gezählt? Von wem? Auch 2018? Wie werden die Fahrgastzahlen berechnet? Sprich: Wenn 40.000 Menschen den Berg einmal rauf und einmal runter fahren, sind es statistisch 80.000Fahrgäste?
Zudem ist das Einzugsgebiet zu berücksichtigen: In Brohl am Rhein ist nun mal mehr Publikum.
Dass ein etablierter Verkehr, der über viele Jahre erfolgreich Schmalspurromantik anbietet, daher nicht dauerhaft von nur 5000 Fahrgästen genutzt wird, sondern ein paar 10.000 Menschen im Jahr den Berg rauf- und runterfahren, ist nahe liegend.
Gruß Westeifelbahner

Rolf
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Re: Eifelquerbahn - Abgabe von Eisenbahninfrastruktur

Beitragvon Rolf » Di 18. Jun 2019, 20:47

Die Fahrgastzahlen sind in den verschiedenen Publikationen der Brohltalbahn nachzulesen. Die Zahlen haben sich dem Vernehmen nach in den letzten Jahren bei den genannten 80.000 eingependelt. Vermutlich wird jede Fahrt einzeln gezählt, wie etwa auch beim Flugverkehr.

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Re: Eifelquerbahn - Abgabe von Eisenbahninfrastruktur

Beitragvon Westeifelbahner » Di 18. Jun 2019, 20:54

Rolf hat geschrieben:Die Fahrgastzahlen sind in den verschiedenen Publikationen der Brohltalbahn nachzulesen. Die Zahlen haben sich dem Vernehmen nach in den letzten Jahren bei den genannten 80.000 eingependelt.

Mich würde mehr eine offizielle Statistik interessieren. "Verschiedene Publikationen" des Betreibers über eine nicht näher erläuterte Fahrgasterhebung in einem nicht präzise benannten Zeitraum ist nun mal nicht wirklich aussagekräftig.
Gruß Westeifelbahner

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Re: Eifelquerbahn - Abgabe von Eisenbahninfrastruktur

Beitragvon Rolf » Di 18. Jun 2019, 21:29

Ich bin sicher, bei der Betriebs-GmbH bzw. bei der IBS weiß man sehr genau, wie viele Fahrkarten verkauft wurden. Da die Brohltalbahn ihre eigenen Fahrkarten verkauft und überregionale Zeitkarten, Verbundausweise, Studi-Tickets u. ä. i. d. R. nicht gelten, bedarf es bei der Brohltalbahn m. E. gar keiner gesonderten Fahrgasterhebung, wie sie andernorts nötig ist, um die genauen Nutzerzahlen zu eruieren. Es sollte recht einfach sein, die Zahlen der verkauften Fahrkarten zu addieren, und daher vertraue ich den von IBS und Betriebs-GmbH publizierten Zahlen.

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Re: Eifelquerbahn - Abgabe von Eisenbahninfrastruktur

Beitragvon Westeifelbahner » Di 18. Jun 2019, 22:20

Ich stelle auch nicht in Frage, dass die Brohltalbahn weiß, wie viele Fahrkarten sie verkauft. Aber da sind wir schon wieder beim Thema, wie eine Fahrkarte gerechnet wird. Um beim Thema Schmalspur zu bleiben: Schau dir die Statistiken der Schmalspurbahnen in Sachsen an. Dort hat man die Zählweise neulich korrigiert und kommt dadurch auf höhere Fahrgastzahlen. Wenn man nämlich nicht die im Zug sitzenden Personen zählt, sondern den Fahrkartenverkauf, stellt sich die Frage, wie man bspw. eine Familienkarte zählt. Laut Brohltalbahn ist diese gültig für 2 Erwachsene mit bis zu 3 Kindern. Diese scheint sich schon ab einem Kind zu lohnen. Nehmen wir also an, dass eine Familie mit einem Kind eine Familienkarte für Hin- und Rückfahrt kauft. Wie viele Fahrgäste werden nun gerechnet? 3 Personen hin und zurück (=6 Fahrgäste)? Oder 5 Personen hin und zurück, weil theoretisch 5 Personen die Fahrkarten nutzen könnten (=10 Fahrgäste, fast doppelt so viel)?
Laut Homepage gibt es im Übrigen durchaus auch kostenlose Beförderungsfälle, die also nicht über den Fahrkartenverkauf erfasst werden können: Kein Studi-Ticket, aber ein VRM Schüler Plus Ticket.
Sorry, aber wenn einer Statistik Glauben geschenkt werden soll, braucht es mehr als eine sehr hoch klingende Zahl an "Fahrgästen", die ausschließlich in den eigenen Medien publiziert wird: Mindestens Fakten zur Zählweise und zum Zeitraum.
Allein die Tatsache, dass die 80.000 Fahrgäste nicht auf ein bestimmtes Jahr bezogen werden, wirft bei mir Fragen auf, weil nun mal touristische Betriebe üblicher Weise nicht jährlich eine fast gleich hohe Besucheranzahl haben, sondern u.a. wetterbedingte Schwankungen haben.
Gruß Westeifelbahner

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Re: Eifelquerbahn - Abgabe von Eisenbahninfrastruktur

Beitragvon jwiessner » Di 18. Jun 2019, 22:39

Es macht doch keinen Sinn hier über die Fahrgastzahlen zu spekulieren. Am besten wäre bei der Brohltalbahn nachzufragen, dort kann man die Frage sicherlich beantworten. Außerdem ist es generell besser mit- anstatt nur übereinander zu reden.

Weitere Zahlen zu anderen Bahnen liefert übrigens ein, wie ich finde, sehr interessantes Gutachten zur Nebenbahn Blaufelden - Langenburg:
http://www.nebenbahn.info/wp-content/uploads/2018/03/Bericht_BlaufeldenLangenburg.pdf

Dort wird nicht nur auf die Zahlen verschiedener Touristikbahnen eingegangen, sondern auch einmal genauer auf die einzelnen Angebote geschaut. Hier findet sich eine Reihe interessanter Anregungen.

Gruß Jens
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Re: Eifelquerbahn - Abgabe von Eisenbahninfrastruktur

Beitragvon Westeifelbahner » Di 18. Jun 2019, 23:05

jwiessner hat geschrieben:Es macht doch keinen Sinn hier über die Fahrgastzahlen zu spekulieren. Am besten wäre bei der Brohltalbahn nachzufragen, dort kann man die Frage sicherlich beantworten. Außerdem ist es generell besser mit- anstatt nur übereinander zu reden.

Nehmen wir mal an, dass ich das tue und alle Details im persönlichen Gespräch erfahre - was dann? Dann veröffentliche ich hier als "Westeifelbahner", was mir die Brohltalbahn im Gespräch mitgeteilt hat? Wohl kaum. Danke für die Belehrung :wink: , aber das sind Totschlagargumente für ein öffentliches Form und demokratische Diskussionen. Wenn eine Zahl öffentlich in die Runde geworfen wird, muss man auch aushalten können, wenn sie kritisch hinterfragt wird. Die Diskrepanz zwischen den hier genannten 80.000 Fahrgästen im Brohltal und den Veröffentlichungen des damaligen Betreibers zu den Fahrgastzahlen der Efq ist einfach zu groß als dass sie keine Fragen aufwirft.
Gruß Westeifelbahner

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Re: Eifelquerbahn - Abgabe von Eisenbahninfrastruktur

Beitragvon jwiessner » Di 18. Jun 2019, 23:22

Westeifelbahner hat geschrieben: Die Diskrepanz zwischen den hier genannten 80.000 Fahrgästen im Brohltal und den Veröffentlichungen des damaligen Betreibers zu den Fahrgastzahlen der Efq ist einfach zu groß als dass sie keine Fragen aufwirft.


Die Diskrepanz hat mich im ersten Augenblick auch erschreckt. Aber wenn man sich einmal anschaut welche Angebote es, neben der reinen Fahrt, bei der Brohltalbahn (und auch anderen Touristikbahnen) gibt und was es damals bei der Eifelquerbahn gab, dann ist dieser große Unterschied recht plausibel zu erklären. So fahren z.B. alleine knapp 10.000 Personen jedes Jahr zu Nikolaus mit der Selfkantbahn. Auch gastronomisch verknüpfte Angebote, oder Teilnehmer an Bustouren oder geführten Wander angeboten sind Zielgruppen die in der Vergangenheit nicht bedient wurden. Das entscheidende ist der Mehrwert der den Gästen über die reine Fahrt hinaus geboten wird. Hier gibt es genug Möglichkeiten, in Zusammenarbeit mit den Touristikbetrieben vor Ort, interessante Angebot zu gestalten. Auch kann ich mir durchaus vorstellen das man viele Gäste im Center Parcs bei Gunderath mit entsprechenden Angeboten für eine Fahrt begeistern könnte.
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Re: Eifelquerbahn - Abgabe von Eisenbahninfrastruktur

Beitragvon Rolf » Di 18. Jun 2019, 23:40

Westeifelbahner hat geschrieben:...Wenn eine Zahl öffentlich in die Runde geworfen wird, muss man auch aushalten können, wenn sie kritisch hinterfragt wird. ...
Da gebe ich Dir völlig recht. Als ich seinerzeit die genannten Kosten zur Reaktivierung der EQB aus den Gutachten kritisch hinterfragt habe, warst Du aber etwas anderer Meinung, obwohl sich die Fragwürdigkeit der genannten Zahlen mittlerweile stark erhärtet hat. Wenn schon, denn schon.

Westeifelbahner hat geschrieben:...Die Diskrepanz zwischen den hier genannten 80.000 Fahrgästen im Brohltal und den Veröffentlichungen des damaligen Betreibers zu den Fahrgastzahlen der Efq ist einfach zu groß als dass sie keine Fragen aufwirft....
Ich sehe da keinen Zusammenhang und verstehe die Aussage nicht ganz. Die Brohltalbahn bzw. die Betriebs-GmbH ist ein verlässliches, seriöses, bewährtes Unternehmen, das seit Jahrzehnten in Zusammenarbeit mit der ebenso soliden IBS die Bahn betreibt. Ich sehe daher keinen Grund, den publizierten Zahlen der Brohltalbahn zu misstrauen.

Dass die EQB "nur" 20.000 Fahrgäste hatte, führe ich darauf zurück, dass der touristische Betrieb nur als Vorlauf zum SPNV gedacht war und das begleitende Angebot daher vergleichsweise mau blieb, während die Brohltalbahn als Touristikbahn diverse Kombinationsangebote bzw. Events im Zusammenhang mit der Bahnfahrt anbietet. Die Brohltalbahner sind da sehr pfiffig und haben schon jede Menge tolle Angebote entwickelt; nicht umsonst hat man gerade damit die Nutzerzahlen von einstmals 5000 auf die genannten 80.000 hoch "gepusht". Kurzum: Aus der EQB könnte man noch viel, viel mehr machen, wenn man die Brohltalbahn zum Vorbild nimmt.

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Re: Eifelquerbahn - Abgabe von Eisenbahninfrastruktur

Beitragvon jojo54 » Mi 19. Jun 2019, 17:33

In der Rhein-Zeitung von gestern und heute sind drei Beiträge zum Thema Eifelquerbahn.
Alles nur gegen Bezahlung lesbar.

https://www.rhein-zeitung.de/region/aus ... 89738.html

https://www.rhein-zeitung.de/region/aus ... 89736.html

https://www.rhein-zeitung.de/region/aus ... 89737.html

MfG
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Re: Eifelquerbahn - Abgabe von Eisenbahninfrastruktur

Beitragvon jwiessner » Mi 19. Jun 2019, 20:50

Wir haben den Artikel aus der Rhein-Zeitung vorliegen. Dazu wird es in den nächsten Tagen einen Leserbrief von uns geben.

Gruß Jens
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Re: Eifelquerbahn - Abgabe von Eisenbahninfrastruktur

Beitragvon Westeifelbahner » Do 20. Jun 2019, 01:23

Rolf hat geschrieben:Als ich seinerzeit die genannten Kosten zur Reaktivierung der EQB aus den Gutachten kritisch hinterfragt habe, warst Du aber etwas anderer Meinung, obwohl sich die Fragwürdigkeit der genannten Zahlen mittlerweile stark erhärtet hat. Wenn schon, denn schon.

Nein, hier gibt es einen entscheidenden Unterschied: Du hast die Zahlen externer, unabhängiger und etablierter Unternehmen per se als falsch oder gar absichtlich falsch dargestellt. Das habe ich hingegen nicht getan und tue ich nicht. Aber eine Zahl 80.000, die der Betreiber selbst ohne nähere Angaben publiziert, ist nun mal - auch wenn die Diskussion jetzt in eine andere Richtung weg von meinem Beispiel gelenkt wurde - sachlich überhaupt nicht aussagekräftig, wenn man nicht weiß, wann und wie gezählt wurde. Man kann eine Statistik nicht nur nach dem Ergebnis interpretieren, wie wir alle mal in der Schule gelernt haben werden. Wie mein Beispiel zeigte, kann sich schon durch die Zählweise der Familienkarte eine erhebliche Differenz zwischen zwei Betreibern ergeben.

Hinzu kommt, dass touristische Betriebe nun mal am Rhein höhere Nachfrage haben als in der Vulkaneifel, sodass sich ohnehin schwer vergleichen lässt. 10.000 Fahrgäste in einem Monat braucht in der Eifel viel Optimismus...

Sicherlich mag es noch Ideen geben, wie die Efq besser als 2012 vermarktet werden könnte, aber es kommt für mich doch reichlich überheblich daher (sorry, wenn ich das so offen schreibe), wenn unterstellt wird, dass ein neuer Betreiber eine vielfach höhere Nachfrage erzielen könnte als der Betreiber, der die Strecke über viele Jahre vermarktet hat. 80.000 Fahrgäste sind nun mal kein Standard bei Museums- bzw. Touristikverkehren in Deutschland, selbst im Ballungszentrum kommen regelmäßige Touristikverkehre nicht annähernd auf solche Werte. Wenn man neue Programmangebote schaffen will, bleibt es erst mal spekulativ, wie diese auch nachgefragt würden.

Der ZSPNV selber gab mal in den Anfangstagen pro Betriebstag 150 Fahrgäste + x als Zielmarke für die Efq-Verkehre an, wie der heutige "Brohltalbahner" Pauly seinerzeit noch für den ZSPNV in Kaisersesch vorstellte.

Gruß Westeifelbahner


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