Eifelquerbahn - Abgabe von Eisenbahninfrastruktur

Westeifelbahner

Re: Eifelquerbahn - Abgabe von Eisenbahninfrastruktur

Beitrag von Westeifelbahner »

Allgemein sei vielleicht noch ergänzt, dass eben eine NKU LEIDER nicht tatsächliche oder potenzielle Umsteiger in Gerolstein erfasst, sondern im Wesentlichen auf Fahrtzeitberechnungen basiert. Dementsprechend schneidet eine Variante Köln/Bonn via Gerolstein per se schlecht ab, weil das Auto von Daun nach Köln schneller ist.
Ein Unding, aber der Kern des Problems heißt nun mal "standardisierte Bewertung", die eben auch u.a. nach GVFG vorgegeben ist.
Gruß Westeifelbahner

Cachaito
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Re: Eifelquerbahn - Abgabe von Eisenbahninfrastruktur

Beitrag von Cachaito »

Ich bin ein Freund der Eisenbahn und kein Feind. Und so möchte ich auch verstanden werden: Ich kann Eisenbahnfan sein, auch ohne jede Maßnahme zum Erhalt alter Strecken vorbehaltslos und ohne Weitsicht gutheissen zu müssen.

Der Erhalt der Eifelquerbahn hat nur dann eine gute Chance, wenn es als schmackhaftes Beiwerk präsentiert wird. Es muss ein Komplex geboten werden, um zukunftsorientiert das zu erreichen, was heute u.a. bei der Brohltalbahn und der Ahrtalbahn der Fall ist. Hier ist der angebundene Fahrradweg auch nur ein Puzzleteil, wenn auch ein sehr wichtiges, weswegen man ihn bei den Überlegungen immer wieder erwähnen muss. Er ist daher auch nicht - wie hier darstellt wurde, nur 2. Wahl, sondern ein gleichberechtigter Konkurrent, den man ernst nehmen sollte. Miteinander geht immer besser als gegeneinander. Es muss aber noch mehr getan werden. Die Reisenden müssen Lust haben, ein oder mehrere Tage an Ort und Stelle zu verbringen. Hotels, Pensionen, Gaststätten und eben auch die Möglichkeit für Camper und Wohnmobilisten.

Und nein, dem Gaststätten- und Hotelgewerbe gehts nicht deswegen so schlecht, weil nun die Menschen auf das Wohnmobil umrüsten. Einerseits hat sich die Eifel in den letzten Jahrzehnten selbst heruntergewirtschaftet, weil es an Attraktionen, guter Gastronomie, Wellnessangeboten und anderen Lockvögeln fehlt. Wie weit muss ich fahren, und wie lange muss ich suchen, um beispielsweise in der Gerolsteiner Gegend gut essen zu gehen? Nur ein paar Beispiele von Schliessungen der letzten Jahre: Calluna, Hotel Huschens, Berlinger Mühle, Eifeler Hof, und auch die schöne, kleine Waldsauna in Müllenborn hat vor ca. zwei Jahren ihre Tore geschlossen. Jetzt hörte ich, dass Gasthaus Brand in Manderscheid auch dicht ist. Echt schade, dort habe ich immer sehr gerne gegessen und geklönt. Meine Grosseltern haben in der Eifel in Michelbach noch ihren ganzen Jahresurlaub verbraten, aber diese Generation ist längst ausgestorben. Die Eifel lebt grösstenteils noch von unseren Nachbarn aus BeNeLux, und die campen eben grösstenteils.

Andererseits hat man Wanderwege wie den Eifelsteig bis zur Ekstase beworben. Sicher, der Weg erfreut sich grösster Beliebtheit. Die Kommunen freut's, denn sie brauchen ihre regionalen Wege nun nicht mehr zu pflegen, weil alle Welt nun den Eifelsteig latscht. Und wenn es der örtliche Eifelverein nicht tut, verfallen die Strecken - so erlebt u.a. auf dem blauen Pfad zwischen Manderscheid und Kyllburg, den man mittlerweile nur noch mit GPS-Gerät laufen kann.

Und jetzt entdecken die Wohnmobilisten die Eifel wieder, aber das sind sicher nicht diejenigen, die früher in den Hotels und Pensionen gewohnt haben. Sicher, nicht alle lassen Unmengen von Geld dort, aber viele kaufen in der Region ein - regionale Produkte erfreuen sich gerade in Camperkreisen grösster Beliebtheit, und einige bevorzugen auch die Restaurants. Mario's Pizza in Pronsfeld hat sich bereits überregional herumgeschprochen. Vielleicht nicht viel, aber es ist ein Anfang, und damit wieder so ein wichtiges Puzzleteil.

Aber wieder zurück zur Eifelquerbahn. Den unangenehmen Beigeschmack spürt ein jeder sofort, der sich mit dem "Lückenschluss" Prüm - Gerolstein intensiv beschäftigt hat, und daher ist er bei den neuerlichen Überlegungen unbedingt einzubeziehen. Hier wurde viel gutes Geld verschwendet. Steuergelder. Seit Jahren Stillstand. Ein letztinstanzliches Urteil, und trotzdem kein Vorankommen. Und als Höhepunkt noch ein BW ohne die Veranstaltungen der letzten Jahre, ergo noch weniger Besucher für die Region. Die Eifelquerbahn hat es einfach nicht verdient, das gleiche Schicksal zu erfahren!

"Ganz oder gar nicht." Ok, wenn die Reaktivierung auf einen SPNV abzielt, ist das auch meine Meinung. Überzeugende Nutzerzahlen müssten präsentiert werden, und wie lange es dann zu einer Entscheidung kommen würde, steht in den Sternen. IMHO ist das aber ein gefährlicher Weg, der nach vielen Jahren letztendlich wieder im Sande verlaufen könnte. Und dann ist vielleicht alles wieder so weit verfallen und verkommen, dass eine Reaktivierung einer Teilstrecke wieder teurer wird. Also neue Gutachten und neue Suche nach einem Investor. Ich meine, dass man zeitnah doch ein überschaubares und attraktives Teilstück in Angriff nehmen sollte. Da sehe ich aktuell noch immer die besten Chancen.

Aber auch folgendes möchte ich noch gerne ansprechen, gerade weil es eben auch für die Nutzung der EQB zu touristischen Zwecken von Belang sein wird, bzw. werden könnte. Wenn in Gerolstein schon eine schicke 52'er steht (ok, wenn sie mal gerade vor Ort ist), frage ich mich, warum sie in der Region quasi überhaupt nicht genutzt wird. Es ist ja nicht so, dass die Eifelhauptstrecke zumindest zwischen Gerolstein und Trier nicht attraktiv wäre. Wäre es also wirklich ausreichend, am Ende dann auf einem reaktiviertem Teilstück der EQB dann doch nur den Schienenbus an schönen Augustwochenenden rollen zu lassen? Fragen über Fragen.

Grüsse
Rainer

Rolf
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Re: Eifelquerbahn - Abgabe von Eisenbahninfrastruktur

Beitrag von Rolf »

Westeifelbahner hat geschrieben:...Mit "Wurmfortsatzlösung" etikettierst du diese Variante gleich schon wieder so negativ, dass keiner mehr dafür sein mag.
So viel Einfluss habe ich wohl kaum. … Deine Argumente für die "Sackgassenvariante" leuchten mir ein und sprechen für diese Variante, aber meine Argumente wiegen aus meiner Sicht schwerer. Ich fürchte nach wie vor, ohne direkte Anbindung Gerolsteins in einem Aufwasch wird das, aus den genannten Gründen, nichts mit der Hoffnung, diese später realisieren zu können. Sollte es anders kommen, wäre ich allerdings freudig überrascht. Wir werden es sehen.

Westeifelbahner

Re: Eifelquerbahn - Abgabe von Eisenbahninfrastruktur

Beitrag von Westeifelbahner »

Cachaito hat geschrieben:Der Erhalt der Eifelquerbahn hat nur dann eine gute Chance, wenn es als schmackhaftes Beiwerk präsentiert wird.
Deine Meinung. Kann man so sehen, muss man nicht. Für mich ist die Eifelquerbahn kein Beiwerk, sondern eine wichtige Schieneninfrastruktur der Region!
Cachaito hat geschrieben:Es muss ein Komplex geboten werden, um zukunftsorientiert das zu erreichen, was heute u.a. bei der Brohltalbahn und der Ahrtalbahn der Fall ist.
Eine These, um weitere Maßnahmen als Teil eines Komplexes für notwendig zu erklären. Kein Beleg.
Cachaito hat geschrieben: Es muss aber noch mehr getan werden. Die Reisenden müssen Lust haben, ein oder mehrere Tage an Ort und Stelle zu verbringen. Hotels, Pensionen, Gaststätten und eben auch die Möglichkeit für Camper und Wohnmobilisten. (…) Und nein, dem Gaststätten- und Hotelgewerbe gehts nicht deswegen so schlecht, weil nun die Menschen auf das Wohnmobil umrüsten. Einerseits hat sich die Eifel in den letzten Jahrzehnten selbst heruntergewirtschaftet, weil es an Attraktionen, guter Gastronomie, Wellnessangeboten und anderen Lockvögeln fehlt.
Das klingt nach einer wirklichen Krisenregion. Eine These, aber sicher nicht zu belegen. Die Gäste- und Übernachtungszahlen haben sich im langfristigen Zeitraum über 10, 20 Jahre keineswegs rückläufig entwickelt.
Cachaito hat geschrieben:Andererseits hat man Wanderwege wie den Eifelsteig bis zur Ekstase beworben. Sicher, der Weg erfreut sich grösster Beliebtheit. Die Kommunen freut's, denn sie brauchen ihre regionalen Wege nun nicht mehr zu pflegen, weil alle Welt nun den Eifelsteig latscht. Und wenn es der örtliche Eifelverein nicht tut, verfallen die Strecken - so erlebt u.a. auf dem blauen Pfad zwischen Manderscheid und Kyllburg, den man mittlerweile nur noch mit GPS-Gerät laufen kann.
Die Instandhaltung von Wanderwegen ist in der Eifel wie fast allerorts schwierig, das stimmt. Der Eifelsteig aber ein erfolgreicher Publikumsmagnet: mit Anbindung an die Eifelquerbahn!
Cachaito hat geschrieben: Überzeugende Nutzerzahlen müssten präsentiert werden
Das erfolgte bereits vor 10 Jahren (NKU 2009).

Gruß Westeifelbahner

Rolf
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Re: Eifelquerbahn - Abgabe von Eisenbahninfrastruktur

Beitrag von Rolf »

Cachaito hat geschrieben:...Der Erhalt der Eifelquerbahn hat nur dann eine gute Chance, wenn es als schmackhaftes Beiwerk präsentiert wird. Es muss ein Komplex geboten werden, um zukunftsorientiert das zu erreichen, was heute u.a. bei der Brohltalbahn und der Ahrtalbahn der Fall ist. Hier ist der angebundene Fahrradweg auch nur ein Puzzleteil, wenn auch ein sehr wichtiges, weswegen man ihn bei den Überlegungen immer wieder erwähnen muss. ...
Sehr richtig. Es muss eine nachhaltige Gesamtstrategie für die Entwicklung der Eifel geben. Tourismus ist die größte Chance, die Eifel (wieder) attraktiver zu machen. Und dazu gehören reaktivierte Eisenbahnen, Fahrradwege und vieles mehr. Auch Camper. Klar bringen die nicht so viel Geld in die Kassen, aber es ist erst mal besser als nichts. Und wenn sie die Eifel erst mal kennen und schätzen gelernt haben, kann mehr daraus werden. Und sei es nur durch die Kinder, die sich später vielleicht ein Hotel leisten können, oder durch den Multiplikatoreneffekt. Es ist immer wieder erstaunlich, wie wenig die Großstädter von ihrer Umgebung wissen. Auf Mallorca kennt sich der Kölner aus, aber mit der Eifel wissen erstaunlich wenige etwas anzufangen, wie ich immer wieder feststellen konnte, als ich dort gearbeitet habe. Aber wenn Mallorca (resp. Fliegen) teurer wird, kommt die Eifel wieder ins Spiel. Darauf sollte sie vorbereitet sein.

Cachaito
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Re: Eifelquerbahn - Abgabe von Eisenbahninfrastruktur

Beitrag von Cachaito »

Westeifelbahner hat geschrieben:
Cachaito hat geschrieben: Es muss aber noch mehr getan werden. Die Reisenden müssen Lust haben, ein oder mehrere Tage an Ort und Stelle zu verbringen. Hotels, Pensionen, Gaststätten und eben auch die Möglichkeit für Camper und Wohnmobilisten. (…) Und nein, dem Gaststätten- und Hotelgewerbe gehts nicht deswegen so schlecht, weil nun die Menschen auf das Wohnmobil umrüsten. Einerseits hat sich die Eifel in den letzten Jahrzehnten selbst heruntergewirtschaftet, weil es an Attraktionen, guter Gastronomie, Wellnessangeboten und anderen Lockvögeln fehlt.
Das klingt nach einer wirklichen Krisenregion. Eine These, aber sicher nicht zu belegen. Die Gäste- und Übernachtungszahlen haben sich im langfristigen Zeitraum über 10, 20 Jahre keineswegs rückläufig entwickelt.
Das kann man sich auch schönreden! Nicht rückläufige Zahlen bedeuten keineswegs, dass nicht schon vor dieser Zeit ein deutliches Defizit zu verzeichnen war. Lauf' doch mal durch eine Stadt wie Manderscheid. Ist es etwa ein Zeichen von gesundem Tourismus, wenn an jeder zweiten Tür ein Schild mit der Aufschrift "Geschlossen", "zu verpachten" oder "Geschäftaufgabe" zu finden ist? Oder wenn ich auf den Fahrradwegen auf weiter Strecke nicht mal mehr 'nen Biergarten finde? Der Ausdruck "Krisenregion" trifft die Problematik nicht mal schlecht. Schlimmer geht natürlich immer, da muss man nur mal zum Hunsrück schielen. Und glaub' mir mal, dass ich vielreisender Camper & biker so einiges mitbekomme.
Rolf hat geschrieben:. Es ist immer wieder erstaunlich, wie wenig die Großstädter von ihrer Umgebung wissen.
Rolf, genau wie du sagst: Viele kennen ihr eigenes Land nicht, dafür aber den Rest der weiten Welt. Aber Trend geht wieder Richtung Heimat, und der wird sich fortsetzen. Insbesondere, wenn die Flugreisen demnächst teurer werden. Ich liebe Natur & Ruhe und fühle mich daher in der Eifel sauwohl und betrachte sie als meine Heimat, auch wenn ich "nur" Voreifeler bin. Sogar in der Hauptsaison gibt's immer noch freie Plätze, und wäre ich egostisch, dürfte ich die Werbetrommel eigentlich gar nicht rühren. Übrigens, Camper sind deswegen Camper, weil sie die Ungebundenheit, Freiheit und Naturnähe suchen.. die allermeisten können sich locker die besten Hotels leisten, wollen es aber nicht. Wie eine Aufschrift, die ich mal auf einem Wohnmobil gesehen habe, so schön sagt: "Früher mussten wir auch in's Hotel..." :wink:

Grüsse
Rainer

Westeifelbahner

Re: Eifelquerbahn - Abgabe von Eisenbahninfrastruktur

Beitrag von Westeifelbahner »

Cachaito hat geschrieben:Das kann man sich auch schönreden! Nicht rückläufige Zahlen bedeuten keineswegs, dass nicht schon vor dieser Zeit ein deutliches Defizit zu verzeichnen war. Lauf' doch mal durch eine Stadt wie Manderscheid. Ist es etwa ein Zeichen von gesundem Tourismus, wenn an jeder zweiten Tür ein Schild mit der Aufschrift "Geschlossen", "zu verpachten" oder "Geschäftaufgabe" zu finden ist? Oder wenn ich auf den Fahrradwegen auf weiter Strecke nicht mal mehr 'nen Biergarten finde? Der Ausdruck "Krisenregion" trifft die Problematik nicht mal schlecht. Schlimmer geht natürlich immer, da muss man nur mal zum Hunsrück schielen. Und glaub' mir mal, dass ich vielreisender Camper & biker so einiges mitbekomme.
Deswegen kommen wir hier auf keinen grünen Zweig, weil ich Übertreibungen für eine konstruktive Diskussion nicht dienlich finde. Oder glaubst du ernsthaft, dass in Manderscheid jeder zweite Betrieb geschlossen hat? Die Anzahl an Immobilien des Marktsektors Touristik (von Ferienwohnungen bis zum Hotel) ist in der Region sehr überschaubar und der Preis dementsprechend hoch. Es gibt kein pauschales Defizit und es gab Jahre, in denen diverse andere Urlaubsregionen geringere Zuwachsraten hatten als die Eifel. Würde der Radtourismus auch nur annähernd so viel in die Kassen spülen wie gern behauptet wird, müsste Manderscheid eh schon steinreich sein. Und, nein, ich glaube auch nicht, dass viermal so viele Radfahrer nach Manderscheid kommen, wenn zwischen Gerolstein und Daun der nächste Radweg entsteht.
Die Sache mit dem Biergarten finde ich einen Segen! In der Eifel kann man tatsächlich überwiegend noch zu Fuß oder auf dem Rad Natur erleben ohne permanent auf mehr oder weniger alkoholisierte Sonntagssportler zu treffen, die in Grüppchen eine Tour vom Biergarten zum nächsten machen, wie man es bei dem hier gelobten Radtourismus im Ahrtal jedes Herbstwochenende erleben kann.

Wir haben Herbstferien in NRW und es regnet seit Tagen. Wie viele Touristen planen da mehrtätige Radtouren? Und wie viele Touristen würden da lieber wieder mit dem Schienenbus gemütlich quer durch die Eifel brummen, irgendwo mal ein paar Meter mit Schirm gehen und sich ins warme Cafe` setzen?
Gruß Westeifelbahner

Cachaito
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Re: Eifelquerbahn - Abgabe von Eisenbahninfrastruktur

Beitrag von Cachaito »

Westeifelbahner hat geschrieben: Oder glaubst du ernsthaft, dass in Manderscheid jeder zweite Betrieb geschlossen hat? Die Anzahl an Immobilien des Marktsektors Touristik (von Ferienwohnungen bis zum Hotel) ist in der Region sehr überschaubar und der Preis dementsprechend hoch.
Du brauchst nur mal auf Tripadvisor zu schauen, wie viel - oder besser wenig Auswahl an Lokalitäten es noch in Manderscheid gibt. Die Bauernstuben haben seit Jahren dicht, und jetzt leider auch Gasthaus Brand. Dabei liegt Manderscheid noch strategisch günstig am Eifelsteig bzw. Lieserpfad. Dann nimm' ersatzweise eben Gerolstein. Wo gibt es dort noch Eifelküche zu geniessen, und ich meine damit nicht Döner, Gyros oder Pizza.
Westeifelbahner hat geschrieben: Würde der Radtourismus auch nur annähernd so viel in die Kassen spülen wie gern behauptet wird, müsste Manderscheid eh schon steinreich sein. Und, nein, ich glaube auch nicht, dass viermal so viele Radfahrer nach Manderscheid kommen, wenn zwischen Gerolstein und Daun der nächste Radweg entsteht.
Manderscheid ist als Fahrradziel auch überhaupt nicht gut geeignet, da sowohl die Zufahrt vom MMR als auch vom Kosmosradweg kräftige Anstiege erfordert. Es sei denn, man möchte den Lieserpfad (dual) ausbauen, also überlassen wir das Gebiet doch den Wanderern.
Westeifelbahner hat geschrieben: Die Sache mit dem Biergarten finde ich einen Segen! In der Eifel kann man tatsächlich überwiegend noch zu Fuß oder auf dem Rad Natur erleben ohne permanent auf mehr oder weniger alkoholisierte Sonntagssportler zu treffen, die in Grüppchen eine Tour vom Biergarten zum nächsten machen, wie man es bei dem hier gelobten Radtourismus im Ahrtal jedes Herbstwochenende erleben kann.
Das ist ja mal "originell". Willst du jetzt sozusagen pauschaul den Radlern unterstellen, auf Säufertour unterwegs zu sein? Ich habe einige tausend Kilometer auf dem Fahrradtacho, aber solches bisher noch nicht beobachten können. Auch nicht auf dem Ahrradweg. Wenn ich auf einer Tagestour unterwegs sein, möchte ich aber irgendwann mal unterwegs einkehren... genau wie der Touri mit dem Schienenbus ja auch den Anspruch stellt, nach einer schönen Eisenbahnfahrt auf einen Kaffee einzukehren zu können, ohne vorher noch stundenlang durch die Landschaft wandern zu müssen, nicht wahr? Wenn Radfahrer unangenehm auffallen, sind es - meist Einheimische, die mit ihren elektrischen mountainbikes querfeldein die Natur zerpflügen. Zum Glück hier nur Einzelfälle, aber in den Alpen wird das mehr und mehr zu einem echten Problem.

Grüsse
Rainer

Rolf
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Re: Eifelquerbahn - Abgabe von Eisenbahninfrastruktur

Beitrag von Rolf »

Cachaito hat geschrieben:Manderscheid ist als Fahrradziel auch überhaupt nicht gut geeignet, da sowohl die Zufahrt vom MMR als auch vom Kosmosradweg kräftige Anstiege erfordert.
Das stimmt genau. An Manderscheid geht der viel genutzte MMR vorbei. Ich bin den MMR ja schon zig mal gefahren, aber Manderscheid habe ich noch nie mitgenommen. Es liegt einfach zu ungünstig. Nicht umsonst gibt es m. W. Überlegungen in Manderscheid, eine bessere Anbindung zu schaffen (irgendetwas mit geplanten Brücken an den Burgen habe ich dunkel in Erinnerung).
Cachaito hat geschrieben:Das ist ja mal "originell". Willst du jetzt sozusagen pauschal den Radlern unterstellen, auf Säufertour unterwegs zu sein? Ich habe einige tausend Kilometer auf dem Fahrradtacho, aber solches bisher noch nicht beobachten können.
Ich auch nicht. Und auch dort waren wir schon zig mal im Ahrtal unterwegs; und es ist unsere absolute Hausstrecke, die von Bonn mit dem Zug top angebunden ist. Klar sind da viele Säufer unterwegs, aber übernachten an der Ahr und/oder fahren mit dem Zug. Die Züge aus Bonn sind in der Saison daher auch proppenvoll, im wahrsten Sinne des Wortes. Die Radfahrer sind eine ganz andere Klientel; die fahren in großer Zahl von Bonn das Ahrtal hoch und mit dem Rad zurück. Eine schöne, mittellange Radtour, die auch sehr gut zeigt, wie Synergieeffekte zwischen Fahrradtourismus und Bahn aussehen können. Ein Musterbeispiel.
Cachaito hat geschrieben:Wenn ich auf einer Tagestour unterwegs sein, möchte ich aber irgendwann mal unterwegs einkehren... genau wie der Touri mit dem Schienenbus ja auch den Anspruch stellt, nach einer schönen Eisenbahnfahrt auf einen Kaffee einzukehren zu können, ohne vorher noch stundenlang durch die Landschaft wandern zu müssen, nicht wahr?
So ist es. Ein Eis in der besten Eisdiele im Ahrtal (Eiscafe Abruzzo in Dernau) ist immer dabei, und die Gastronomie im Ahrtal kennen wir auch schon rauf und runter. Ich gebe gerne Tipps.

Westeifelbahner

Re: Eifelquerbahn - Abgabe von Eisenbahninfrastruktur

Beitrag von Westeifelbahner »

Cachaito hat geschrieben:Du brauchst nur mal auf Tripadvisor zu schauen, wie viel - oder besser wenig Auswahl an Lokalitäten es noch in Manderscheid gibt. Die Bauernstuben haben seit Jahren dicht, und jetzt leider auch Gasthaus Brand. Dabei liegt Manderscheid noch strategisch günstig am Eifelsteig bzw. Lieserpfad. Dann nimm' ersatzweise eben Gerolstein. Wo gibt es dort noch Eifelküche zu geniessen, und ich meine damit nicht Döner, Gyros oder Pizza.
Deine ursprüngliche Aussage lautete aber pauschal, dass jeder zweite Betrieb in Manderscheid geschlossen habe...
Cachaito hat geschrieben:Manderscheid ist als Fahrradziel auch überhaupt nicht gut geeignet, da sowohl die Zufahrt vom MMR als auch vom Kosmosradweg kräftige Anstiege erfordert.
Richtig. Zum Vergleich: Über 200 Höhenmeter zwischen Gerolstein und Dockweiler auf der Efq.
Cachaito hat geschrieben:Willst du jetzt sozusagen pauschaul den Radlern unterstellen, auf Säufertour unterwegs zu sein?
Zitiere doch bitte die Aussage. Wo soll ich dir das bitteschön unterstellt haben? Nirgendwo. Du hattest mehr Biergärten gefordert und ich bin froh, dass es diese nicht gibt. Einkehrmöglichkeit muss nicht gleich Biergarten sein.
Alkoholkonsum und Tourismus sind leider ein Thema. Ich bin froh, dass meine Heimat zum Glück auf den Zug noch nicht all zu sehr aufgesprungen ist.
Nein, damit meine ich weder dich noch spezielle Radlergruppen, sondern allgemein das, was jeder gestern beispielsweise in Altenahr erleben durfte. Nicht nur im Ort, auch auf und am Radweg.

Gruß Westeifelbahner

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Re: Eifelquerbahn - Abgabe von Eisenbahninfrastruktur

Beitrag von Rolf »

Westeifelbahner hat geschrieben:...Alkoholkonsum und Tourismus sind leider ein Thema. Ich bin froh, dass meine Heimat zum Glück auf den Zug noch nicht all zu sehr aufgesprungen ist.
Ich teile Deine Abneigung, bin aber sicher, dass in der Eifel jenseits von Ahr (und Mosel) wegen fehlender Voraussetzungen (Weinbau) nicht zu vergleichbarem Sauftourismus kommen wird. Und betrunken fährt sich zudem schlecht Fahrrad. Saufen und Bahn fahren passt dagegen wesentlich besser zusammen, nicht nur im Ahrtal: Lässt die Erinnerung an die im Volksmund liebevoll "Saufbähnchen" genannte Moselbahn nicht das Herz eines jeden Eisenbahnliebhabers höher schlagen? Und wenn man den Berichten im Standardwerk zur Moselbahn von Kenning/Simon glauben schenken darf, war Saufen und Bahn fahren ein über Jahrzehnte erfolgreiches Geschäftsmodell dieser schnuckeligen, kleinen Touristenbahn. Da wurde sogar schon im Zug ausgeschenkt; den Rest kann man sich ausmalen. Dagegen dürften sportliche, gesundheitsbewusste Fahrradfahrer doch sicher das kleinere Übel sein :wink: .

Westeifelbahner

Re: Eifelquerbahn - Abgabe von Eisenbahninfrastruktur

Beitrag von Westeifelbahner »

Rolf hat geschrieben: Lässt die Erinnerung an die im Volksmund liebevoll "Saufbähnchen" genannte Moselbahn nicht das Herz eines jeden Eisenbahnliebhabers höher schlagen? Und wenn man den Berichten im Standardwerk zur Moselbahn von Kenning/Simon glauben schenken darf, war Saufen und Bahn fahren ein über Jahrzehnte erfolgreiches Geschäftsmodell dieser schnuckeligen, kleinen Touristenbahn.
Wie so oft im Leben, dürfte auch hier die Erinnerung nicht mehr ganz dem entsprechen, wie es einstmals war.
Aber zum Thema: Es ging nur um den Einwand, dass es mehr Biergärten entlang der Radwege brauche, dem ich nicht gefolgt bin. Nicht mehr und nicht weniger. Und ich bleibe dabei: Es dreht sich die Diskussion hier um Radwege, Camping und Biergärten, aber viel zu wenig um die Eifelquerbahn, deren Abgabe Thema des Threads sein sollte.
Gruß Westeifelbahner

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