Eifelquerbahn - Abgabe von Eisenbahninfrastruktur

Westeifelbahner

Re: Eifelquerbahn - Abgabe von Eisenbahninfrastruktur

Beitragvon Westeifelbahner » Do 21. Mär 2019, 11:27

Schreien bringt nichts. Um eine Eisenbahnstrecke zu betreiben, braucht es einen Betreiber. Das Stilllegungsverfahren findet aber erst jetzt statt, nicht 2012. Also ist jetzt der natürliche Zeitpunkt, wo diejenigen aktiv werden, welche sich einen Betrieb der Strecke vorstellen könnten. Den Zeitpunkt haben nicht die von dir genannten Akteure zu verantworten. Wie an anderer Stelle geschrieben: Ausgerechnet jetzt die Strecke für tot zu erklären, wo diese Unternehmen für ein Engagement angeboten wird, ist einfach nur ein Paradebeispiel für das Gegenteil von einer Förderung des Wirtschaftsstandorts Vulkaneifel.
Es gibt keinen sachlichen Grund, warum vor Ablauf dieses Verfahrens bereits die Strecke tot geredet werden muss. Es sei denn, es soll so sein.
Also doch lieber einfach mal abwarten. Wer über den Tod der Eifelquerbahn philosophieren will, wird dazu doch noch genug Gelegenheit kriegen, wenn er denn richtig liegt.
Was die Westeifelbahn angeht, sind wir uns einig, welch fatale Signalwirkung es hatte, dass die Reaktivierung an einer Pacht von nur 23.000 EUR gescheitert sein soll. Aber das haben diejenigen zu verantworten, die da die Verantwortung getragen haben - nicht gleich alle Vereine und Unternehmen des Eisenbahnbetriebs.
Gruß Westeifelbahner

jwiessner
Oberschaffner A3
Beiträge: 89
Registriert: Fr 21. Dez 2018, 23:14
Kontaktdaten:

Re: Eifelquerbahn - Abgabe von Eisenbahninfrastruktur

Beitragvon jwiessner » Do 21. Mär 2019, 14:31

jojo54 hat geschrieben:Genau so ist es. Als Bahnfreund, der über viele Jahre entlang der Eifel-Nebenbahnen unterwegs war und ist, muss ich es (leider) klar und deutlich sagen: Der Freizeitweg wird kommen. Die Zeiten haben sich geändert und die wenigen Bahnbefürworter sind gegenüber der Rad-Lobby und der Politik hilflos, weil ihnen verständlicherweise jegliche (finanzielle) Möglichkeit fehlt um hier wirklich aktiv zu werden. Da können auch neu zu gründende Vereine und Durchhalteparolen bestimmter Bahnbefürworter kaum helfen. Hinzu kommen dann noch solche Dinge wie zwischen Gerolstein und Prüm, wo es einem Verein und einem Infrastrukturunternehmen trotz positiver Gerichtsurteile nicht gelungen ist, den Zugverkehr wieder aufzunehmen. Damit hat man doch mehr als genug bewiesen.

Wo war der Aufschrei der Lokalpolitik, der Eisenbahnfreunde und der Tourismusverbände, als Ende 2012 die Querbahn eingestellt wurde ??? Hat man dazu irgendwo dazu etwas gelesen ??? Ich nicht. Nach mehr als sechs Jahren Betriebsruhe glaubt man auf einmal hier noch was retten zu können ????

Schaut euch in Deutschland um, wie es mit den stillgelegten Bahnen aussieht. Und da soll es in der Eifel besser werden ???

Nachdenkliche Grüße
jojo54


Ich möchte hier kein Diskussion darüber vom Zaun brechen was in der Vergangenheit alles wo anders schief gelaufen.
Fakt ist die Eifelquerbahn ist aktuell nicht stillgelegt oder entwidmet, und wie Westeifelbahner richtig schreibt findet jetzt erst das Stilllegungsverfahren statt, welches allen Interessenten die Möglichkeit gibt sich für die Strecke zu bewerben.
Es gibt auch andere, erfolgreiche Beispiele, z.B. die Ilztalbahn oder die Schwäbische Waldbahn. Wenn ich mich nur hinstelle und sage es ist alles verloren, dann ist es das auch. Ich selber habe auch jahrelang das Thema nur verfolgt ohne selbst aktiv zu werden. Mit der Ausschreibung kam für mich ein Punkt an dem ich mir aber gesagt habe, nur zu denken "Schade das nichts passiert" wird nichts verändern.

Wer kämpft kann verlieren, wer nicht kämpft hat schon verloren.
http://www.eifelquerbahn.com - Eifelquerbahn e.V. - Gemeinsam für den Erhalt der Eifelquerbahn - Auch auf Facebook und Instagram

Rolf
Amtsrat A12
Beiträge: 1346
Registriert: Do 1. Feb 2007, 21:39
Kontaktdaten:

Re: Eifelquerbahn - Abgabe von Eisenbahninfrastruktur

Beitragvon Rolf » So 24. Mär 2019, 15:58

Westeifelbahner hat geschrieben:Es gibt keinen sachlichen Grund, warum vor Ablauf dieses Verfahrens bereits die Strecke tot geredet werden muss. Es sei denn, es soll so sein.

Klar soll es so sein. Wenn man die o. g. Abstimmungsvorlage zu Ende und zwischen den Zeilen liest, wird doch ganz klar, was die Lokalpolitik will: Den Fahrradweg. Sollte also tatsächlich einen Interessenten für den Kauf der Strecke geben, was ich in Anbetracht fehlender möglicher Güterverkehrs-Kunden für ausgesprochen unwahrscheinlich halte, wäre es genau das richtige Signal, um diesen abzuschrecken. Die Lokalpolitik ist bereit, bis 15 Mio. Euro (plus Folgekosten) für den Fahrradweg zusammenzukratzen, nicht aber 24 Mio. (plus Folgekosten) für eine touristische Reaktivierung. Und sie versteckt sich dahinter, dass die Finanzierung des Fahrradweges "darstellbar" ist, die einer Reaktivierung (angeblich) nicht. Für den Radweg ist man sogar bereit, bei der ADD und beim Landrat vorstellig zu werden, um die Beteiligung der Kreise als "Investition" durchzubringen, aber für die Bahn ergreift man diese Option nicht; angeblich, weil sie chancenlos wäre. Wer's glauben mag... Mich überzeugt das alles weiterhin absolut nicht. Im Gegenteil, ich sehe mich bestätigt, dass die Lokalpolitik immer vorrangig den Radweg wollte und alles andere vorher Nebelkerzen waren, um am Ende sagen zu können, wir haben alles versucht für die Reaktivierung der Bahn, und da alle Pläne gescheitert bzw. zu kostspielig sind, wollen wir jetzt den Fahrradweg. Wahrscheinlich wird das Verfahren ähnlich laufen, wie einst bei der Vennquerbahn. Obwohl es hier mit dem HILO-Holz GmbH Sägewerk in Losheim einen Güterverkehrskunden gab und die Sanierungskosten vergleichsweise gering waren, wollte niemand die Strecke kaufen. Bald danach kamen die Bagger. Und dann die Fahrräder. Wer Ähnliches bei der EQB verhindern will, sollte der Politik in der Vulkaneifel auf die Finger hauen, und zwar kräftig! Kein Kreuz den Bahnvernichtern!

jojo54
Leitender Direktor A16
Beiträge: 3881
Registriert: Di 7. Aug 2012, 20:30

Re: Eifelquerbahn - Abgabe von Eisenbahninfrastruktur

Beitragvon jojo54 » Di 26. Mär 2019, 13:02

Der Landkreis Cochem-Zell hat sich ebenfalls für einen Ankauf der Eifelquerbahn ausgesprochen.
Informationen aus der SWR.3-Landesschau RLP vom 26.03.2019.

https://www.swr.de/swraktuell/rheinland ... n-100.html

Cochem Kreis für Kauf der Eifelquerbahn

Der Kreis Cochem-Zell hat sich dafür ausgesprochen, zusammen mit anderen Kommunen und Kreisen die Eifelquerbahn zu kaufen. Nach Angaben der Kreisverwaltung fiel der Beschluss einstimmig. Die seit Jahren ungenutzte Eisenbahntrasse zwischen Gerolstein und Kaisersesch soll zu einem Radweg umgebaut werden. Auch der Vulkaneifelkreis unterstützt die Pläne. Nach einem Gutachten lohnt sich eine Reaktivierung der Strecke wegen der sehr hohen Kosten nicht mehr. Auch die Verbandsgemeinden, die an der Eifelquerbahn liegen, müssen noch über das Projekt abstimmen. Es kann aber nur mit finanzieller Unterstützung des Landes umgesetzt werden.

STAND: 26.03.2019, 6:25 Uhr

MfG
jojo54

Westeifelbahner

Re: Eifelquerbahn - Abgabe von Eisenbahninfrastruktur

Beitragvon Westeifelbahner » Di 26. Mär 2019, 16:30

Rolf hat geschrieben:Sollte also tatsächlich einen Interessenten für den Kauf der Strecke geben, was ich in Anbetracht fehlender möglicher Güterverkehrs-Kunden für ausgesprochen unwahrscheinlich halte, wäre es genau das richtige Signal, um diesen abzuschrecken.

Bis zum ersten Komma sind wir uns zumindest einig :wink:
Der zweiten Teil des Satzes ist hingegen zu pauschal. Warum soll es auf einmal keine Güterverkehrskunden mehr geben? Bitte nicht wieder falsch verstehen: Es mag kein großes Potenzial im SGV geben, aber die Strecke wurde bis zur Sperrung am 31.12.2012 von der VEB im Güterverkehr bedient. Die Fotos waren (und sind vermutlich) noch hier im Forum!
Zudem sehe ich nicht den von dir implizierten Zusammenhang. Die Bewertung der Efq für mögliche Betreiber dürfte nicht vom Güterverkehrskunden abhängen. Entscheidend sind vielmehr die Fördermöglichkeiten, die im SGV bei 50% liegen - weitestgehend unabhängig von der Höhe des Güteraufkommens und kommunalpolitischen oder landespolitischen Befindlichkeiten. Daneben gibt es den touristischen Verkehr, der - wie jeder SPNV - vom Aufgabenträger in RLP bestellt und per Betriebskostenzuschuss finanziert wird. Demgegenüber stehen die Kosten für die Infrastruktur in Abhängigkeit von Nutzung und Streckenabschnitt. Ob bzw. wie man in der Summe auf eine wirtschaftlich darstellbare Rechnung kommt, müssen die Interessenten entscheiden.
Da spielen auch strategische Gründe eine Rolle, bspw. Chancen auf Markteintritt, Verbindungsstrecken zu Werkstätten usw.: Köln ist nicht sooo weit weg und es kostet ein unvorstellbares Vermögen, wenn du als Eisenbahnunternehmen dir deine Logistik auf sündhaft teuren Kölner Grundstücken aufbauen willst. Dementsprechend ungünstig ist die lange Laufzeit des Kölner Dieselnetzes, weil das sonst eben ein Anreiz hätte sein können.
Darüber hinaus kann für kapitalstarke Unternehmen eben auch ein Aspekt sein tatsächlich Infrastruktur zu übernehmen, die kurzfristig defizitär ist, aber perspektivisch bei einer tatsächlichen Umsetzung des Beschlusses zur Reaktivierung des SPNV ertragreich werden könnte. Hier spielen auch steuerliche Aspekte eine Rolle (Bilanz des Unternehmens, Abschreibungen usw.).
Ein komplexes Thema betriebsinterner Abwägungen, die man weder hier im Forum noch im Kreistag fundiert führen kann. Man müsste nicht mehr und nicht weniger tun als sich eingestehen, dass man eben manchmal auch zu Dingen im Moment nichts sagen und abwarten muss.
Dass der Gedanke jedenfalls nicht so "unwahrscheinlich" ist, dass es ein Interesse von EIU`s durchaus gibt, geht jedenfalls aus der Pressemeldung aus dem Brohltal ja nun eindeutig heraus.

Rolf hat geschrieben:Wahrscheinlich wird das Verfahren ähnlich laufen, wie einst bei der Vennquerbahn. Obwohl es hier mit dem HILO-Holz GmbH Sägewerk in Losheim einen Güterverkehrskunden gab und die Sanierungskosten vergleichsweise gering waren, wollte niemand die Strecke kaufen. Bald danach kamen die Bagger. Und dann die Fahrräder.

Meinst du aber nicht ernst, oder?
Die Strecke Jünkerath - Losheim wurde erstmals 1999 ausgeschrieben, als es zwar keinen SGV mehr gab, aber das Sägewerk Interesse hatte.
Im Mai 2000 erklärte die "EBM Touristik" u.a. auch diese Strecke zu übernehmen und den SGV zu reaktivieren. Der Holzverkehr lief an.
Im Januar 2001 wurde die Strecke auf Grund von Infrastrukturschäden quasi über Nacht gesperrt.
Die Übernahme kam meines Wissens final nie zu Stande und die Strecke wurde erst Jahre später neu ausgeschrieben. Zu diesem Zeitpunkt war die Strecke schon jahrelang gesperrt und zwischenzeitlich auch die Abtrennung in Jünkerath soweit durch, dass der Interessent eine sehr hohe Summe allein für den Einbau der Weiche inkl. Sicherungstechnik hätte zahlen müssen. Und kennst du die Strecke? Ich glaube kaum, dass eine Aufsichtsbehörde, die bei der Pelmer Brücke Bauchschmerzen bekam, diese nicht bekommen hätte, wenn 2018 noch schwere Holzgüterzüge über u.a. die beiden Stadtkyller Brücken gerollt wären! Nebenbei angemerkt wurde eine erste, kleinere Brücke wegen Baufälligkeit (ob tatsächlich oder nicht, kann ich nicht beurteilen) in Höhe Ortslage Glaadt schon gleich beim Gleisabbau platt gemacht.
So verkehrspolitisch wünschenswert diese Verkehre auf der Schiene waren, so hoch waren hier die Infrastrukturkosten und so gering seinerzeit die Fördermöglichkeiten. Gesetze wie das o. g. SGFFG existierten da noch lange nicht..
Probleme dafür umso mehr: Auch die gekürzte Gleisinfrastruktur in Jünkerath würde heute keinen wirtschaftlichen Betrieb der Strecke bis Losheim mehr ermöglichen, die ohnehin darunter litt, dass seinerzeit schon Züge wegen Grenzlast geteilt werden mussten und sich aus der Entladungsdauer der Wagen in Losheim teure Standzeiten oder relativ weite Überführungskosten der Loks und des Personals ergaben.
Aber das sollte doch alles besser in einem anderen, historischen Thread diskutiert werden als hier zur Efq! Es ist eben nicht vergleichbar, sondern war eine andere Zeit und anderen Rahmenbedingungen.

Gruß Westeifelbahner

Rolf
Amtsrat A12
Beiträge: 1346
Registriert: Do 1. Feb 2007, 21:39
Kontaktdaten:

Re: Eifelquerbahn - Abgabe von Eisenbahninfrastruktur

Beitragvon Rolf » Do 28. Mär 2019, 11:21

@Westeifelbahner

Das sind doch alles Nebelkerzen, die von der Verantwortung der Politik für den Erhalt wertvoller und unwiederbringlicher Infrastruktur ablenken. Es geht um Daseinsfürsorge und die Sicherung der Zukunft. Ein Fahrradweg ist genau das Gegenteil. Wenn es kein anderer macht, und danach sieht es für mich aus, muss die Politik die Strecke retten. Unbedingt.

Glaubst Du wirklich, dass man mit ein paar hübsch anzusehenden Gelegenheits-Holz-Güterzügen, bespannt mit bis zu 3 Loks, um die Züge über den Berg zu bringen, eine Strecke finanzieren bzw. unterhalten kann, deren Investitionsbedarf bei 24 Mio. taxiert wird? Oder dass ein EIU sein Betriebswerk in Daun oder Ulmen errichtet? Ich nicht. Mag sein, dass jemand „Interesse“ signalisiert hat, aber dann bitte nicht im Stile der RSE bei der Westeifelbahn, wo nur verbrannte Erde hinterlassen wurde. Ich lasse mich gerne positiv überraschen. Sehr gerne sogar. Warten wir ab.

Zu dem Vergleich mit der Vennquerbahn. Ich steuere gerne die Fakten bei:

Die Strecke Jünkerath-Losheim wurde Ende 2002 von der DB Netz final ausgeschrieben (Stand der Erhebung: 08/2002). Die Ausschreibung endete am 30. Januar 2003 ohne Interessenten.
DB Netze taxierte den Investitionsbedarf seinerzeit für die nächsten 5 Jahre (!) folgendermaßen:
Brücken: 345.000 Euro
Durchlässe: 30.000 Euro
Anbindung Jünkerath (einmalig): 530.000 Euro
Jährliche Kosten für die Vorhaltung der Strecke: 63.000 Euro
DB Netz bezifferte den Investitionsbedarf somit auf insgesamt 905.000 Euro.

Kurzum: Ein Klacks im Vergleich zum Investitionsbedarf von 24 Mio. auf der EQB, mit oder ohne Förderung. Ja, und ich kenne die Strecke gut. Du auch? Ich durfte einigen Verantwortlichen sogar über die Schulter schauen, als die Strecke Ende der 80er Jahre mit zweistelligem Millionenaufwand für die NATO komplett saniert und reaktiviert wurde. Deswegen war die Strecke 15 Jahre später immer noch in einem vergleichsweise guten Zustand. Die letzten nennenswerten Investitionen in die EQB westlich Ulmen bzw. Daun dürften weitaus länger zurück liegen.

Fazit: Wenn schon die vergleichsweise preisgünstig zu sanierende Vennquerbahn (damals geschätzter Investitionsbedarf: 0,905 Mio. €) nicht über ein interessiertes EIU zu retten war, und das trotz eines interessierten Kunden in Losheim, dann wird es für die vielfach teurere EQB (Investitionsbedarf: 24 Mio. €, also rund 25x so viel [!] wie bei der Losheimer Strecke), und das ohne nennenswerte Kunden, umso schwerer sein. Mögliche Förderung von 50% hin oder her.

Aber letztendlich ist das hier alles eine Diskussion, die vom Kern des Problems ablenkt. Wenn alle anderen Optionen scheitern, was ich fürchte, muss die Lokalpolitik als Ultima Ratio ihrer Verantwortung für die EQB gerecht werden und die Strecke retten. Wer 15 Mio. für einen Fahrradweg zusammenkratzen kann, kann auch 24 Mio. für eine Reaktivierung einen Bahnstrecke aufbringen. Schließlich ist eine Bahnstrecke viel wertvoller als ein Fahrradweg, den man alternativ überall bauen kann. Es gilt daher, der Politik ordentlich Dampf zu machen!

Westeifelbahner

Re: Eifelquerbahn - Abgabe von Eisenbahninfrastruktur

Beitragvon Westeifelbahner » Do 28. Mär 2019, 14:56

Rolf hat geschrieben:Das sind doch alles Nebelkerzen, die von der Verantwortung der Politik für den Erhalt wertvoller und unwiederbringlicher Infrastruktur ablenken. Es geht um Daseinsfürsorge und die Sicherung der Zukunft. Ein Fahrradweg ist genau das Gegenteil. Wenn es kein anderer macht, und danach sieht es für mich aus, muss die Politik die Strecke retten. Unbedingt. Ich nicht. Mag sein, dass jemand „Interesse“ signalisiert hat

Du bist es, der verschiedentlich das Beispiel der Brohltalbahn angeführt hat. Und bezogen habe ich mich auf die hier veröffentlichte Pressemeldung der Interessengemeinschaft Brohltalbahn zur Eifelquerbahn. Also kann die Quelle so ganz irrsinnig ja wohl nicht sein...Wie auch in anderen Fällen: Dieser per se aus der Ferne die Glaubwürdigkeit abzusprechen, halte ich für unseriös. Und weiterhin die Diskussion überhaupt nicht zielführend, die du jetzt erneut über die Wirtschaftlichkeit und die Chancen begonnen hast: Die Ausschreibung läuft noch und man sollte doch einfach mal abwarten statt schon jetzt über mögliche Ergebnisse zu urteilen. Nicht mehr und nicht weniger wollte ich ausdrücken.

Rolf hat geschrieben:Glaubst Du wirklich, dass man mit ein paar hübsch anzusehenden Gelegenheits-Holz-Güterzügen, bespannt mit bis zu 3 Loks, um die Züge über den Berg zu bringen

Was soll dieser bahnfeindliche Populismus?
Soll es im Bergland keine Bahn mehr geben, weil diese bei besonders hohem Güteraufkommen (!) an die Grenzlast gerät bzw. zusätzliche Loks benötigt werden? Auf die Losheimer Strecke mussten auch Züge wegen Grenzlast gebrochen werden.
Dein Beispiel stammt aus etwa 2010. Der Alltagsbetrieb sah anders aus und war mit einer Lok zu bewältigen. Zudem ist eine Doppeltraktion mit Sicherheit wirtschaftlicher als die geschilderte Betriebsproblematik, wenn viele Leerfahrten oder lange Standzeiten erforderlich sind.
Auf die Fördermöglichkeiten nach SGFFG habe ich hinreichend hingewiesen.

Rolf hat geschrieben: Glaubst du wirklich, dass (…) eine Strecke finanzieren bzw. unterhalten kann, deren Investitionsbedarf bei 24 Mio. taxiert wird

Wie hoch der Investitionsbedarf für das EIU ist, muss das EIU ermitteln.
Nach SGFFG sind 50% förderfähig: Bei deinem Beispiel 12 von 24 Millionen EUR.
Verbleiben 12 Millionen EUR. Bei Abschreibung über 25 Jahre grob ggfs. 500.000 EUR im Jahr - du hast die Zinslage selbst angesprochen.
Kein utopischer Wert, wenn wieder Zugverkehre bestellt werden.

Rolf hat geschrieben:Die Strecke Jünkerath-Losheim wurde Ende 2002 von der DB Netz final ausgeschrieben (Stand der Erhebung: 08/2002). Die Ausschreibung endete am 30. Januar 2003 ohne Interessenten.
DB Netze taxierte den Investitionsbedarf seinerzeit für die nächsten 5 Jahre (!) folgendermaßen:
Brücken: 345.000 Euro
Durchlässe: 30.000 Euro
Anbindung Jünkerath (einmalig): 530.000 Euro
Jährliche Kosten für die Vorhaltung der Strecke: 63.000 Euro
DB Netz bezifferte den Investitionsbedarf somit auf insgesamt 905.000 Euro.

Die Strecke war zu diesem Zeitpunkt schon bald zwei Jahre nicht mehr befahrbar und keine der hier genannten Investitionen war förderfähig. Zudem sind wir heute 2019: Wer sagt dir, dass die Brücken noch heute befahrbar wären, weil sie 2002 nur mit 345.000 EUR Folgekosten bis 2007/2008 veranschlagt wurden?
Saniert wurden seinerzeit Oberbau und Gleise, nicht aber die Brückenbauwerke dem technischen Standard der Anforderungen der Landeseisenbahnaufsicht im Jahr 2019 angepasst.

Die Eifelquerbahn war seinerzeit auch nicht für 24 Millionen EUR Investitionsbedarf ausgeschrieben worden und es war schließlich das gleiche Unternehmen, was schließlich die Efq übernahm, aber nicht die Strecke nach Losheim.

Gruß Westeifelbahner

jojo54
Leitender Direktor A16
Beiträge: 3881
Registriert: Di 7. Aug 2012, 20:30

Re: Eifelquerbahn - Abgabe von Eisenbahninfrastruktur

Beitragvon jojo54 » Fr 29. Mär 2019, 22:04

Auch die Verbandsgemeinde Kehlberg möchte den Freizeitweg.
Informationen aus der SWR.3-Landesschau RLP vom 29.03.2019

https://www.swr.de/swraktuell/rheinland ... 28516.html


Kelberg
Verbandsgemeinde unterstützt Pläne zur Eifelquerbahn

Die Verbandsgemeinde Kelberg unterstützt die Pläne des Vulkaneifelkreises und des Kreises Cochem-Zell, die Eifelquerbahn zu
kaufen. Die Bahnstrecke soll dann zu einem Radweg umgebaut werden. Die Schienen der Eifelquerbahn verbinden Kaisersesch mit Gerolstein. Seit Jahren fahren aber keine Züge mehr. Nach einem Gutachten lohnt sich eine Reaktivierung wegen der sehr hohen Kosten nicht mehr. Die beiden Kreise Cochem-Zell und Vulkaneifel und die Verbandsgemeinden Kaisersesch, Ulmen, Daun und Gerolstein wollen sie deshalb gemeinsam kaufen - und zu einem Radweg umbauen. Und so auch verhindern, dass nur einzelne Teile verkauft werden. Die weiteren Verbandsgemeinden entlang der Eifelquerbahn müssen noch über das Projekt abstimmen. Es kann nur mit finanzieller Unterstützung des Landes umgesetzt werden.

STAND: 29.03.2019, 18:40 Uhr


MfG
jojo54

Westeifelbahner

Re: Eifelquerbahn - Abgabe von Eisenbahninfrastruktur

Beitragvon Westeifelbahner » Sa 30. Mär 2019, 00:09

...und so werden die Meldungen wohl noch ein paar Mal weitergehen...

Es ist sehr schade, dass man sich dafür entschieden hat sich erst im stillen Kämmerlein darauf zu verständigen nun noch vor der Kommunalwahl entsprechende Beschlüsse "auf den letzten Drücker" durchzuziehen, um nun in jedem Gremium einzeln nacheinander darüber abzustimmen, was schon die anderen Gremien entschieden haben... Wenn man sich die Streckenlänge der Eifelquerbahn in der VG Kelberg anschaut, dann fragt man sich doch mit gesundem Menschenverstand, ob nicht logischer gewesen wäre zunächst in der VG Daun abzustimmen...
Die VG Daun ist einer der größten Anlieger und dürfte, im Gegensatz zum Kreis, definitiv das Geld für den Kauf in die Hand nehmen, scheint aber im Abstimmungsprozess komischer Weise erst fast am Ende aufzutauchen...

Gruß Westeifelbahner

jwiessner
Oberschaffner A3
Beiträge: 89
Registriert: Fr 21. Dez 2018, 23:14
Kontaktdaten:

Re: Eifelquerbahn - Abgabe von Eisenbahninfrastruktur

Beitragvon jwiessner » Mo 1. Apr 2019, 10:25

Wie erwartet gehen die Pressemeldungen entsprechend weiter. Diesmal geht es in der Rhein-Zeitung um die Entscheidung aus Ulmen:

Ungenutzte Schienen: Ulmens VG-Rat beschließt, was aus der Eifelquerbahn werden soll (31.03.2019)

Der komplette Beitrag ist nur gegen Bezahlung zu lesen. In einem kleinen Zusatz wird auch auf unsere Initiative zum Erhalt der Eifelquerbahn eingegangen.
http://www.eifelquerbahn.com - Eifelquerbahn e.V. - Gemeinsam für den Erhalt der Eifelquerbahn - Auch auf Facebook und Instagram

Rolf
Amtsrat A12
Beiträge: 1346
Registriert: Do 1. Feb 2007, 21:39
Kontaktdaten:

Re: Eifelquerbahn - Abgabe von Eisenbahninfrastruktur

Beitragvon Rolf » Mo 1. Apr 2019, 19:37

Westeifelbahner hat geschrieben:Du bist es, der verschiedentlich das Beispiel der Brohltalbahn angeführt hat. Und bezogen habe ich mich auf die hier veröffentlichte Pressemeldung der Interessengemeinschaft Brohltalbahn zur Eifelquerbahn. Also kann die Quelle so ganz irrsinnig ja wohl nicht sein...Wie auch in anderen Fällen: Dieser per se aus der Ferne die Glaubwürdigkeit abzusprechen, halte ich für unseriös.

Wieso verdrehst Du eigentlich ständig meine Aussagen bzw. den Sinn derselben? Die IBS ist ein toller Verein, bei dem ich übrigens seit 25 Jahren Mitglied bin. Aber als Verein kann er die Strecke doch gar nicht übernehmen; das solltest Du wissen, auch wenn Du nach eigenem Bekunden keine Ahnung von den Verhältnissen im Brohltal hast. Die IBS kommt also gar nicht als Betreiber in Frage. Das die IBS den im Entstehen befindlichen Verein unterstützt und eine Pressemitteilung herausgibt, ist jedenfalls sehr erfreulich. Das ist der richtige Weg, und nicht abwarten. Aber wer immer für eine Übernahme in Frage kommt, kann es mit der Strecke nur sehr schwer haben und deswegen dürfte es höchst unwahrscheinlich sein, einen seriösen Interessenten zu finden. Ganz logisch.

Westeifelbahner hat geschrieben:Und weiterhin die Diskussion überhaupt nicht zielführend, die du jetzt erneut über die Wirtschaftlichkeit und die Chancen begonnen hast: Die Ausschreibung läuft noch und man sollte doch einfach mal abwarten statt schon jetzt über mögliche Ergebnisse zu urteilen. Nicht mehr und nicht weniger wollte ich ausdrücken.

Dass die Bahnfreunde abwarten ist genau das, was die Politik will. Nachdem vor einigen Tagen die Katze aus dem Sack gelassen wurde, Fahrradweg statt Eisenbahn, forderst Du genau das, was die wollen, nämlich dass die Bahnbefürworter „Ruhe bewahren“. Die schlimme Nachricht ist raus und wenn sich jetzt die Gemüter beruhigt haben, wird sich in der Bürgerschaft niemand mehr aufregen, wenn dann endgültig die Klappe fällt. Genau so funktioniert Politik. Schritt für Schritt zum Endziel. Und genau das befürwortest Du! Alle Bahnbefürworter müssten nach so einem Beschluss der Lokalpolitik eigentlich aufstehen und sich wehren. Jetzt oder nie. Die IBS und die Freunde der EQB haben daher genau das Richtige getan und die Öffentlichkeit informiert und zur Rettung der Bahn aufgerufen. Gut so! Wer jetzt abwartet und nichts tut, erfüllt die Ziele der Politiker, die sie wohl kalkuliert und dosiert unter das Volk bringen, um die Aufregung in Grenzen zu halten.

Westeifelbahner hat geschrieben: Was soll dieser bahnfeindliche Populismus?

Was sollen diese leeren Politiker-Parolen aus der Phrasendreschmaschine der Abteilung Agitprop? Wenn einer bahnfeindlich ist, dass bist Du das doch. Ständig lese ich bei Dir Verständnis für die Politiker, die Geld für einen Fahrradweg haben, nicht aber für eine touristische Reaktivierung. Dann plädierst Du für abwarten und sedierst hier im Forum die Bahnfreunde und spielst damit genau das Lied der Politik, so dass ich langsam den Eindruck habe, Du bist einer von denen, so viel Verständnis wie Du stets für diese Abrissbirnen hast und dann die Diskussion immer in eine Richtung lenkst, die Hoffnung weckt, aber am Ende in der Sackgasse endet (Teilreaktivierung, Abwarten). Ich bin ohne Wenn und Aber für die touristische Reaktivierung der ganzen Strecke. Du nicht. Dabei wäre die Brohltalbahn ein sehr gutes Vorbild! Bei Dir liest man stattdessen ständig von irgendwelchen Wenns und Abers und erstaunlich viel über Verständnis für die Lokalpolitik. Ich sehe nur in einer touristischen Reaktivierung eine Chance. Wenn ein paar Güterzüge dazu kommen, umso besser. Aber alleine damit wird man die Strecke nicht finanzieren können.

Westeifelbahner hat geschrieben: Soll es im Bergland keine Bahn mehr geben, weil diese bei besonders hohem Güteraufkommen (!) an die Grenzlast gerät bzw. zusätzliche Loks benötigt werden?

Wieso denn nicht? Je mehr, desto besser. Das ist doch gar nicht die Frage!

Westeifelbahner hat geschrieben: Auf die Losheimer Strecke mussten auch Züge wegen Grenzlast gebrochen werden.

Ja, und das war vermutlich einer der Gründe, warum sich der Ankauf nicht rechnete

Westeifelbahner hat geschrieben: Dein Beispiel stammt aus etwa 2010. Der Alltagsbetrieb sah anders aus und war mit einer Lok zu bewältigen. Zudem ist eine Doppeltraktion mit Sicherheit wirtschaftlicher als die geschilderte Betriebsproblematik, wenn viele Leerfahrten oder lange Standzeiten erforderlich sind.

Züge brechen ist natürlich noch unwirtschaftlicher. Aber das Steckenprofil der EQB, insbesondere zwischen Daun und Gerolstein, ist für schwere Züge nun mal besonders ungünstig. Das lässt sich kaum bestreiten.

Westeifelbahner hat geschrieben: Nach SGFFG sind 50% förderfähig: Bei deinem Beispiel 12 von 24 Millionen EUR.
Verbleiben 12 Millionen EUR. Bei Abschreibung über 25 Jahre grob ggfs. 500.000 EUR im Jahr - du hast die Zinslage selbst angesprochen. Kein utopischer Wert, wenn wieder Zugverkehre bestellt werden.

Tja, wenn es bestellte Verkehre gäbe. Aber Kreis und Kommunen wollen den Fahrradweg. Es dürfte daher kaum zu erwarten sein, dass die politischen Freunde in den Gremien (Zweckverband) gegen ihre Freunde in den Kommunen entscheiden.

Westeifelbahner hat geschrieben: Nach SGFFG sind 50% förderfähig: Bei deinem Beispiel 12 von 24 Millionen EUR.
Verbleiben 12 Millionen EUR. Bei Abschreibung über 25 Jahre grob ggfs. 500.000 EUR im Jahr - du hast die Zinslage selbst angesprochen.
Kein utopischer Wert, wenn wieder Zugverkehre bestellt werden.

Für die EQB mit geringem Güteraufkommen und erklärter Gegnerschaft der Politik doch utopisch und für mich eine Chimäre.

Westeifelbahner hat geschrieben: Die Strecke war zu diesem Zeitpunkt schon bald zwei Jahre nicht mehr befahrbar und keine der hier genannten Investitionen war förderfähig.

Die EQB wird schon seit über 6 Jahren nicht mehr befahren. Der Zustand dürfte mithin weitaus schlimmer sein. Die Losheimer Strecke sah beim Abriss übrigens immer noch ziemlich gut aus. Ich habe noch eine Reihe Fotos davon.

Westeifelbahner hat geschrieben: Wer sagt dir, dass die Brücken noch heute befahrbar wären, weil sie 2002 nur mit 345.000 EUR Folgekosten bis 2007/2008 veranschlagt wurden?
Saniert wurden seinerzeit Oberbau und Gleise, nicht aber die Brückenbauwerke dem technischen Standard der Anforderungen der Landeseisenbahnaufsicht im Jahr 2019 angepasst.

Tja, das weiß man wohl bei keiner Strecke, was nach 5+X Jahren an Investitionen fällig wird. Aber 5 Jahre Planungssicherheit sind schon sehr viel. Was danach kommt, weiß man nie. Bei keiner Strecke.

Westeifelbahner hat geschrieben: Die Eifelquerbahn war seinerzeit auch nicht für 24 Millionen EUR Investitionsbedarf ausgeschrieben worden und es war schließlich das gleiche Unternehmen, was schließlich die Efq übernahm, aber nicht die Strecke nach Losheim.

Nach Losheim stand ja auch nie touristischer Betrieb in Aussicht. Mithin konnte man dort nie auf Einnahmen durch bestellte Verkehre rechnen. Der Güterverkehr alleine hätte die Strecke finanzieren müssen. Und dazu hat es leider nicht gereicht. Auf der EQB war es umgekehrt. Weil die Strecke durch die Ausflugsverkehre zum wesentlichen Teil finanziert wurde, konnte Güterverkehr als Sahnehäubchen oben drauf geleistet werden. Ohne die bestellten Verkehre wäre der Güterverkehr kaum "darstellbar" gewesen.

Rolf
Amtsrat A12
Beiträge: 1346
Registriert: Do 1. Feb 2007, 21:39
Kontaktdaten:

Re: Eifelquerbahn - Abgabe von Eisenbahninfrastruktur

Beitragvon Rolf » Mo 1. Apr 2019, 19:38

jwiessner hat geschrieben: In einem kleinen Zusatz wird auch auf unsere Initiative zum Erhalt der Eifelquerbahn eingegangen.

Immerhin. Ein Anfang. Weiter so!


Zurück zu „Eifel“

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: Google [Bot] und 3 Gäste