Nationalpark & Bahn

Strecke Emmelshausen - Boppard und das Hunsrückbahnmuseum.
Axel kron
Betriebsassistent A5
Beiträge: 194
Registriert: Di 19. Mai 2009, 22:59

Re: Nationalpark & Bahn

Beitragvon Axel kron » So 4. Jan 2015, 00:25

Deshalb beginnt mein Vortrag auch mit der Reihenfolge der Prioritäten.

1. Erhaltung und Sicherung der Infrastruktur
2. Tourismus
3. SPNV
4. Güterverkehr

Und nochmal mein Angebot, wer den Vortrag als PDF Datei haben möchte, einfach PN oder an mailen.

Also ich sehe Punkt 4 vor Punkt 3. Als erstes den Güterverkehr. Dann den SPNV.

Gruß Axel

Benutzeravatar
Pablo
Obersekretär A7
Beiträge: 292
Registriert: Mi 11. Mai 2011, 12:13

Re: Nationalpark & Bahn

Beitragvon Pablo » So 4. Jan 2015, 04:02

Ich stimme Axel zu!

Westeifelbahner

Re: Nationalpark & Bahn

Beitragvon Westeifelbahner » So 4. Jan 2015, 12:14

Ich habe die Welle der Trassensicherungsverträge in den 90er Jahren aktiv miterlebt. Und auch, wie sie fast alle wieder aufgehoben wurden...
Ein Trassensicherungsvertrag bedeutet, dass der Staat dafür zahlt, dass NICHTS geschieht (hier konkret: Dafür, dass der Eigentümer die Gleise nicht abbaut). Solche Modelle sind in unserer heutigen Gesellschaft schon mal grundsätzlich schwer vermittelbar.
Der Eisenbahnfreund mag das zweckmäßig findet, weil er daran glaubt, dass sich die Vernunft irgendwann durchsetzt und nach der großen Verkehrswende kundige Politiker kommen, welche der Bahn neuen Rahmenbedingungen wieder Leben einhauchen können. Doch in wie vielen Jahren soll das sein?
Was nach meiner Erfahrung viel früher geschieht: Bürger und Ratsmitglieder regen sich darüber auf, dass man das Geld doch andererorts sinnvoller einsetzen könne. Auf der Strecke, auf der die Bäume Jahr für Jahr größer würden, würde doch eh nie mehr was fahren können. Die Reaktivierungskosten würden doch mangels Instandhaltung ins Bodenlose steigen. Man solle doch den Trassensicherungsvertrag lieber kündigen...

Eine Infrastruktursicherung über ein Pachtmodell kann ich mir sinnvoll vorstellen, wenn es Leute gibt, die dafür sorgen, dass die Bahnstrecke noch irgendwie am Leben bleibt - und sei es über Draisinenfahrten oder ähnliches. Doch ein Trassensicherungsvertrag würde aus meiner Sicht nur ein Ende auf Raten bedeuten: Alle Seiten können sich einstweilen damit anfreunden, es würde Ruhe einkehren - und irgendwann doch der Todesstoß folgen...

Gruß Westeifelbahner

Horst Heinrich
Oberrat A14
Beiträge: 2194
Registriert: Sa 18. Okt 2008, 23:07

Re: Nationalpark & Bahn

Beitragvon Horst Heinrich » So 4. Jan 2015, 14:18

jojo54 hat geschrieben:Es ist für mich mittlerweile unverständlich, warum Du Dich, lieber Horst, immer gleich aufregst und losschimpfst. Auch mit Böswilligkeit bestimmter Institutionen oder Einzelpersonen gegenüber den sich bemühenden Personen hat die Situation um die Eisenbahn im Hunsrück sicherlich nichts zu tun.

Ich rege mich auf, weil allerorten die Nationalparkmacher den Begriff Nachhaltigkeit wie eine Monstranz vor sich hertragen, aber bei der nachhaltigen Erschließung "ihres" Vorzeigeparks kläglich versagen, obwohl ihnen mehr als einmal ein Steigbügel hingehalten wurde.
Und diese Ignoranz ist in der Tat auch ein Stück Böswilligkeit, denn es wäre eigentlich angesagt, z.B. die von Erhard vorgetragenen Konzepte zu kommentieren, sie zumindest einmal zu erwähnen, zunächst ohne Rücksicht darauf, ob sie realisiert werden können.
So aber wird die Bahnstrecke mit keinem Wort erwähnt, das ist es, was mich in der Tat aufregt.
Es ist auch die blanke Mißachtung der hervorragenden Arbeit von engagierten Menschen, die nicht gerade über das Gehalt eines Forstdirektors verfügen und die sich ohne Eigennutz dafür engagieren, daß der Nationalpark auch durch seine stimmige Verkehrserschließung zum Erfolg wird.

Alles weitere haben meine Vorredner schon gesagt und ich kenne auch den Zustand der Strecke, da brauche ich keinen Nachhilfeunterricht und ich kenne auch das überwiegend negative Votum der (kommunalen) Entscheidungsträger und mir ist auch die faktische Bedeutungslosigkeit von Trassensicherungsverträgen bewußt, die oft nicht das Papier wert sind, auf dem sie gedruckt sind.

Nicht zuletzt regt mich der durchschaubare Dilettantismus auf, der dem Nationalpark-Verkehrskonzept zugrunde liegt.
Der Gedanke an viele tausend Autos, die aus allen Himmelsrichtungen Hunsrück und Hochwald durchstreifen, währenddessen
eine leistungsfähige Schieneninfrastruktur mit Netzanschlüssen unter Brombeeren und Birken verschwindet, ist gerade auch für einen Forstmann wie mich, der Hans Carl von Carlowitz glaubt durchdrungen zu haben, schwer oder gar nicht erträglich.
Auch deswegen melde ich mich hier kritisch zu Wort.
SOLANGE NICHT DIE KULTUSMINISTERKONFERENZ EINE EINSTWEILIGE VERFÜGUNG ERWIRKT UND SIE MIR PERSÖNLICH AN DER HAUSTÜR ÜBERREICHT,BLEIBE ICH BEI DER ALTEN RECHTSCHREIBUNG.

Bernd Heinrichsmeyer
Amtmann A11
Beiträge: 875
Registriert: Di 11. Jul 2006, 20:00
Kontaktdaten:

Re: Nationalpark & Bahn

Beitragvon Bernd Heinrichsmeyer » So 4. Jan 2015, 17:42

Hallo,

wie mehrmals hier genannt, muss die erste Priorität die Trassensicherung sein. Alle Diskutanten hier wollen den Erhalt der Bahnstrecke - Grundsatzdiskussionen sind daher aus meiner Sicht Unsinn.

Insbesondere im Saarland ist noch massive Überzeugungsarbeit zu leisten. Das ist auch gut verständlich, denn mit gleich 2 Brücken über Landstraßen, die kurzfristig Ärger machen werden, geht man ein hohes finanzielles Risiko ein und es ist noch nicht hinreichend klar ist, ob aus dem Invest in eine Trassensicherung langfristig ein Nutzen entsteht. Der Landrat WND ist dazu weniger relevant, entscheidend ist die Landesregierung.
Also: Erst mal im Saarland für ein JA sorgen, sonst macht der Abschnitt in Rh-P aus verkehrspolitischer Sicht keinen Sinn mehr (so stellt man sich in Mainz auch auf, macht Saarbrücken nicht mit, ist der Trassensicherungsvertrag durch) und was dann da bleibt, ist vielleicht eine Insellösung im Bereich Morbach. Selbst die ist fraglich, wenn die kommunale Familie sich weiter auf dem Rückzug befindet.

Trassensicherung bedeutet übrigens nur den Erhalt der Strecke und Verkehrssicherung. Also keine Instandhaltung.

Meinem ehemaligen Mitstreiter Nils muss ich in punkto Streckenbewuchs widersprechen und Horst in seinen Ausführungen dazu Recht geben. Es ist eben nicht egal, wenn die Strecke erneut zuwächst, zumindest dann nicht, wenn man die vorhandene Oberbaustruktur weiter nutzen möchte. Geht es nur um die Trasse und deren Widmung, auf der dann eh eine quasi-NBS gebaut wird, dann ist es natürlich egal.
Aber: Wir konnten am Beispiel Freischnitt 2008/2009 ---> Zustand 2013 sehr gut sehen, was der Bewuchs ausmacht: a) Gleislagefehler ohne Ende, b) Störung der Wasserabfuhr im Unterbau, c) Durchrostung der überwiegenden Stahlschwellen durch Stauwasser, d) Verschlammung der Durchlässe durch Bewuchs und Totholz - damit Durchnässung des Unterbaus - damit wiederum Gleislagefehler.
Es ist also ein Irrglaube, man könne dieses Husarenstück von 2008/2009 jederzeit problemlos wiederholen. Man muss sich darüber im Klaren sein, dass man massiv in den Oberbau eingreifen muss. Das kann sicher teilweise über eine Bettungsreinigung passieren (ca. 20.000 EUR / km), teilweise wird man schlicht und einfach die Gleise umbauen müssen (neuer Schotter, ggf. neuer Unterbau (PSS), neue Schwellen, teilweise auch neue Schienen).

Das ist alles machbar und möglich, aber ich warne davor, vor dem Problem des Wiederbewuchses die Augen zu verschließen. Im Oberbau ist noch Altwurzelwerk, das verrotten wird. Nun kommen neue Pflanzen hinzu. Es wird also der Zustand, der 2014 wegen zu großen Mängeln am Oberbau zur Stilllegung geführt hat, verschärft. Klug wäre es, die Trasse weiter vom Bewuchs freizuhalten und die Wasserführung in Ordnung zu bringen. DB Netz hätte sicher keine Einwände.

Noch ein ganz anderes Thema: Dank des Unfalls in Hordorf ist die Eisenbahnwelt ja sehr verschreckt, was Strecken ohne PZB anbelangt. Man muss sich darüber im Klaren sein, dass bei einer Reaktivierung die Ausrüstung mit PZB, zumindest einer TUZ gefordert wird. Auch machbar, aber einfach im Hinterkopf behalten. Eisenbahn wird insgesamt durch Unfälle, EBA-Verfügungen, EU-Recht usw. immer komplizierter. Dem muss man sich stellen.
Bernd Andreas Heinrichsmeyer
http://www.heinrichsmeyer.com

Nils
Hauptsekretär A8
Beiträge: 338
Registriert: Sa 28. Jan 2006, 18:51

Re: Nationalpark & Bahn

Beitragvon Nils » So 4. Jan 2015, 18:40

Mal ein kleiner Vergleich: Direkt an der Strecke nach Baumholder wohnen ca. 6000 Menschen, die Reaktivierung der Strecke hat pro Anlieger ca. 500 € gekostet. Die Reaktivierung der Hochwaldbahn wäre mit ca 215€ pro Einwohner relativ günstig zu haben. Die Reaktivierung der Strecke Türkismühle - Morbach läge mit 400€ pro Einwohner auch unter der Westrichstrecke, wenn man die Zahlen aus Erhards Vortrag zugrunde legt. Die vollständige Rechnung dazu gibts auf unserer Homepage.
Bild


www.ig-nationalparkbahn.de
Hier kann man uns auf Facebook folgen!

Horst Heinrich
Oberrat A14
Beiträge: 2194
Registriert: Sa 18. Okt 2008, 23:07

Re: Nationalpark & Bahn

Beitragvon Horst Heinrich » So 4. Jan 2015, 19:16

Wenn wir schon einmal bei den Kosten sind:
Das rheinland-pfälzische Forstministerium rechnet mit 5 - 6 Millionen Euro jährlich für Personal und Unterhalt des Nationalparks.
Für einen solchen -allerdings einmaligen- Betrag wäre auch eine Herrichtung der Strecke realisierbar.
Wir reden hier also von vergleichsweise geringen Gesamtkosten.

Eigentlich unfaßbar, daß man hier nicht sofort zugreift.
SOLANGE NICHT DIE KULTUSMINISTERKONFERENZ EINE EINSTWEILIGE VERFÜGUNG ERWIRKT UND SIE MIR PERSÖNLICH AN DER HAUSTÜR ÜBERREICHT,BLEIBE ICH BEI DER ALTEN RECHTSCHREIBUNG.

Rolf
Amtsrat A12
Beiträge: 1355
Registriert: Do 1. Feb 2007, 21:39
Kontaktdaten:

Re: Nationalpark & Bahn

Beitragvon Rolf » So 4. Jan 2015, 20:56

jojo54 hat geschrieben:... Was ich an anderer Stelle bereits gesagt habe, auch hier nochmals klar und deutlich: Von der öffentlichen Verwaltung, gleich welcher Art und den Bewohnern entlang der Bahnstrecke will keiner mehr. Das sollte man endlich akzeptieren, auch wenn es schwer fällt. ...

Wenn man bedenkt, dass es seit Jahrzehnten keinen regulären Verkehr mehr auf der Strecke gibt, ist es absolut kein Wunder, dass die meisten Bürger in der betroffenen Region mit der still gelegten Bahn vor der Tür wenig oder eher gar nichts anfangen können. Es liegt daher sicher vielfach Unkenntnis und Desinteresse vor, aber Gegnerschaft nicht unbedingt. Ich denke, dieser Ignoranz ist mit Aufklärung über die Möglichkeiten einer Bahnstrecke auf allen Ebenen durchaus zu begegnen, was allerdings eine Herkulesaufgabe ist. Die Aktiven, die sich derzeit darum bemühen, die Strecke wieder ins Bewusstsein der Bürger und Politik zu bringen, gehen daher aus meiner Sicht genau den richtigen Weg. Wenn überhaupt noch etwas zu retten ist, dann genau so. Auch wenn die Hürden hoch sind, ein Versuch ist es auf jeden Fall wert. Ich drücke den Aktiven daher fest die Daumen!

Horst Heinrich
Oberrat A14
Beiträge: 2194
Registriert: Sa 18. Okt 2008, 23:07

Re: Nationalpark & Bahn

Beitragvon Horst Heinrich » Mo 5. Jan 2015, 14:53

Rolf hat geschrieben:Wenn man bedenkt, dass es seit Jahrzehnten keinen regulären Verkehr mehr auf der Strecke gibt, ist es absolut kein Wunder, dass die meisten Bürger in der betroffenen Region mit der still gelegten Bahn vor der Tür wenig oder eher gar nichts anfangen können.

Schon als noch Verkehr auf der Strecke war, waren die Züge leer, nicht zuletzt deswegen wurde die Strecke ja stillgelegt.
Man muß aufpassen, daß man hier keine allzu große Euphorie entwickelt und sich nichts vormacht:
Selbst ein Stundentakt Büchenbeuren-Türkismühle würde den Hunsrücker und Hochwälder nicht zum Umsteigen bewegen, dafür sind die Verkehrsströme heute so, daß sie von der Bahn nicht abgedeckt werden können und das Auto mit all seinen Möglichkeiten ist allgegenwärtig.
Die nahe Zukunft der Strecke liegt im reinen Streckenerhalt und der Nationalparkerschließung.
Weiterungen sind dann optional möglich.
Man muß ein Bewußtsein dafür schaffen, daß es Sinn macht, in etwas zu investieren, was im Augenblick keinen meßbaren Ertrag "generiert", in der heutigen Gesellschaft ein Unterfangen, das unglaublich schwer ist, davon kann ich als Forstmann ein Lied singen.
Wenn man vor einem Gemeinderat in Hunsrück oder Hochwald -aber nicht nur hier- einen Vortrag zum Umbau der Wälder hält und den Menschen erklären muß, daß bestenfalls in 60, eher in 80 Jahren wieder stabile Erträge zu erwarten sind, bemerkt man schon eine starke Aversion gegen solche Konzepte.
Nicht umsonst verfängt fatalerweise hier die Windenergie so stark. Sie verheißt das schnelle Geld, auch wenn die Region extrem beschädigt wird.
Was morgen sein wird, wenn die Betreiberkonzerne abgewickelt sind und die ersten größeren Investitionen, aber auch die Entsorgung anstehen, mag keiner hören.
Der Mensch möchte den Erfolg seines Bemühens noch erleben, niemand möchte mehr "in die Zukunft" investieren.
Hier einen Sinneswandel anzustoßen, ist die eigentliche Herkulesaufgabe.


Deshalb habe ich zu Waldbegehungen immer eine etwa 150-jährige Baumscheibe dabei, der Baum wurde von einem Förster gepflanzt, der 1878 verstorben ist.
Geerntet wurde der Baum 2005.
Bestimmte Jahresringe sind markiert:
Todesjahr des Försters, der deutsch-französische Krieg (1870/71), der Erste und der Zweite Weltkrieg, Währungsreform, Mauerbau und Mauerfall, schließlich Jahr der Fällung.
Ob diese Botschaft lange anhält?

Deshalb müßte dem Hunsrücker klar werden, daß der Erhalt einer solchen Bahninfrastruktur unabhängig von ihrem augenblicklichen Nutzen nicht nur eine Verpflichtung gegüber künftigen Generationen, sondern auch eine Daseinsvorsorge für die eigene Zukunft ist.
SOLANGE NICHT DIE KULTUSMINISTERKONFERENZ EINE EINSTWEILIGE VERFÜGUNG ERWIRKT UND SIE MIR PERSÖNLICH AN DER HAUSTÜR ÜBERREICHT,BLEIBE ICH BEI DER ALTEN RECHTSCHREIBUNG.

Westeifelbahner

Re: Nationalpark & Bahn

Beitragvon Westeifelbahner » Mo 5. Jan 2015, 15:56

saarepi hat geschrieben:Daher habe ich ja auch meinen ersten Punkt "Erhaltung der Infrastruktur" genannt und nicht Sicherung der Infrastruktur!

Ja, aber es wird auch nur in Verbindung mit einem Nutzungsvorhaben gelingen. Das liegt mir am Herzen zu betonen, wenn hier doch überwiegend nur noch über Trassensicherungskonzepte diskutiert wird. Politik funktioniert so, dass man eine Idee braucht, die Leute begeistert - ob sie heute, morgen oder erst später realisierbar ist. Sie muss aber so konkret sein und so konkret verfolgt werden, dass alle Beteiligten daran glauben (können) - im konkreten Fall: man quasi schon die Züge wieder vor dem geistigen Auge durch den Hunsrück fahren sehen.
Aus meiner Sicht sollte daher immer die Idee, das konkrete Nutzungskonzept (im Tourismus) im Mittelpunkt stehen - auch, wenn der wichtigste Nebeneffekt sein würde und sein soll, dass kein kurzfristiger Rückbau geschieht.

@Bernd Heinrichsmeyer: Auch im Hinblick auf die Überzeugungsarbeit im Saarland. Ich denke, dass ein "Trassensicherungsvertrag" wenig "sexy" ist, wie man heute so sagt.

Und ganz ehrlich, auch wenn ich dafür wohl Prügel beziehe :roll: Ich fürchte, dass es einen wie Bernd Heinrichsmeyer in den letzten 15 Jahren braucht, der sich hinstellt und bekundet: Das ist mein Plan, das mein Konzept, ich will die Strecke betreiben und es könnte nächstes Jahr los gehen.
Um nicht falsch verstanden zu werden: Anders als in der Vergangenheit müssten dafür freilich Millionen von öffentlicher Seite investiert werden. Der nächste Satz des Interessenten würde also lauten, dass all das vorher gesagte nur möglich sein wird, wenn ... gegeben ist.
Doch mein Eindruck ist, dass in der aktuellen Situation dem ein oder anderen Politiker ein so konkreter Ansprechpartner wie Bernd Heinrichsmeyer in den vergangenen 15 Jahren fehlt, bei dem man weiß: Wenn wir ... machen würden, würde der auch ... machen.
Oder weiß Ratsmitglied xy tatsächlich, wer wie die Bahn im Hunsrück 2016 betreiben würde, falls tatsächlich Mittel aus dem Landeshaushalt RLP bewilligt würden (die im Übrigen reichlich vorhanden sind, wenn man bedenkt, dass allein an Abruf der vorgesehenen 13 Millionen EUR für die Efq offenbar bislang weder erfolgt ist noch konkret abzusehen).

saarepi hat geschrieben:Dies bedeutet, den Sicherungsverträgen muß eine Wartung der gesicherten Strecken erfolgen. Da kann man für sehr wenig Geld aktiv werden und die Verschlechterung des Zustandes verhindern. Dies würde auch den anderen Bahnen in der Eifel und hätte auch der leider entwidmeten Strecke zwischen Mayen und Koblenz-Lützel gut getan.

Das ist der Punkt! Die bekannten Trassensicherungsverträge beinhalten eben nur, dass der Eigentümer nix zurückbaut und keineswegs, dass hiermit noch irgendeine Instandhaltung verbunden wäre. Ich persönlich kann mir auch nicht vorstellen, dass sich ein Trassensicherungsvertrag mit der DB AG dauerhaft finanzieren lasse, der die Instandhaltung einer still liegenden Strecke umfasse.
Dann ist es eben einfach viel kostengünstiger (behaupte ich), wenn ein Dritter mit dem Erhalt der Infrastruktur beauftragt wird, der die Strecke dann pachtet und freischneidet o.ä. Ganz ohne Trassensicherungsvertrag.

Um dann hier wieder an oben anzuknüpfen: Für ein gutes Trassensicherungsmodell, welches eben auch Folgeschäden durch weiteres Ausbreiten der Vegetation vermeidet, bräuchte es aus meiner Sicht einen neuen möglichen Pächter der Strecke. Auch, wenn es dann vielleicht ein Pächter ist, der die Strecke zunächst nur als stillgelegte Infrastruktur betreibt und die Instandhaltung von öffentlichen Mitteln abhängig macht. Ein Pächter, der damit dann Erfolg haben könnte, wenn es gelingt, dass immer mehr Leute ihm zutrauen, dass er auch irgendwann wieder Zugfahrten im Hunsrück erreichen wird - GEMEINSAM mit all den Leuten in den Räten, Gemeinden und Vereinen sowie in Mainz, die er für seine Idee begeistern konnte.

Gruß Westeifelbahner

Horst Heinrich
Oberrat A14
Beiträge: 2194
Registriert: Sa 18. Okt 2008, 23:07

Re: Nationalpark & Bahn

Beitragvon Horst Heinrich » Mo 5. Jan 2015, 16:17

saarepi hat geschrieben:Das Wort Wirtschaft widerspricht schon dem ökologischen und nachhaltigen Gedanken!

Ein weit verbreiteter Irrglaube.
Gerade Nachhaltigkeit zwingt zum Wirtschaften, also zum sorgsamen Umgang mit den Ressourcen und auch in der Forstwirtschaft muß Geld verdient werden, was Ökologie nicht ausschließt.
Das haben wir Forstleute ja bewiesen.
Rund um den Werkstoff Holz sind heute mehr Menschen beschäftigt, als in der Automobilindustrie.
Das nur noch zur Ergänzung.

Noch zu @Westeifelbahner
Ein ganz großes Manko ist die Unterbrechung der Strecke seit 2011.
Dadurch ist gewissermaßen eine ordentliche Unterhaltung z.Zt. nicht möglich.
Man hätte diese Lücken stopfen müssen, dann täte es heute ein engagierter Trupp nebst Skl und es wäre zumindest ein Freihalten der Trasse möglich.
Ohne schienenseitige Interventionsmöglichkeit wird die Sache schwer, wenn nicht unmöglich - allein schon wegen der Topographie.
SOLANGE NICHT DIE KULTUSMINISTERKONFERENZ EINE EINSTWEILIGE VERFÜGUNG ERWIRKT UND SIE MIR PERSÖNLICH AN DER HAUSTÜR ÜBERREICHT,BLEIBE ICH BEI DER ALTEN RECHTSCHREIBUNG.

Nils
Hauptsekretär A8
Beiträge: 338
Registriert: Sa 28. Jan 2006, 18:51

Re: Nationalpark & Bahn

Beitragvon Nils » Mo 5. Jan 2015, 20:47

Westeifelbahner hat geschrieben:
Um nicht falsch verstanden zu werden: Anders als in der Vergangenheit müssten dafür freilich Millionen von öffentlicher Seite investiert werden. Der nächste Satz des Interessenten würde also lauten, dass all das vorher gesagte nur möglich sein wird, wenn ... gegeben ist.



Das ist der Punkt. Um Verkehr zu ermöglichen, muss investiert werden. Wenn das passiert, stehen wir bereit, um Verkehr auf die Strecke zu bringen. Unter bestimmten Umständen sind wir bereit, ein Teil der die Infrastruktur zu betreiben. Die Gesamtstrecke allerdings können wir als Verein nicht betreiben. Aber wir helfen gerne, Strukturen zu schaffen, die dies ermöglichen. Das kommunizieren wir so auch an die lokale Politik.

Zwar ist unser Verein recht jung, aber wir haben mehrere Berufseisenbahner im Verein und gute Kooperationspartner im Eisenbahnbereich. Außerdem waren viele von uns auch beim Saar-Hunsrück-Express aktiv. Für die Saison 2013 hatten wir dem Zweckverband auch ein Angebot vorgelegt. Es enthielt als Option sogar die Möglichkeit, die Pendelfahrten auf Sohren zu erweitern. Unser Angebot stieß auf Interesse, ein Verkehr bis Sohren hätte aber eine neue Beschlußfassung des Zweckverbandes gebraucht. Und preislich lagen wir über Bernd, das war schlußendlich wohl das entscheidende für den Zweckverband.
Bild


www.ig-nationalparkbahn.de
Hier kann man uns auf Facebook folgen!


Zurück zu „Hunsrückbahn und Museum Emmelshausen“

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 2 Gäste