Nationalpark & Bahn

Strecke Emmelshausen - Boppard und das Hunsrückbahnmuseum.
Westeifelbahner

Re: Nationalpark & Bahn

Beitrag von Westeifelbahner »

saarepi hat geschrieben:Als Privatperson werde ich oft gefragt warum ich dies tue und welche Vorteile ich für Wen herausholen möchte.
Man kann sich in der Politik und auch in der Wirtschaft nicht mehr vorstellen, dass Jemand etwas ohne Hintergedanken, Vorteile oder Lobbyismus tut!
Dieser Umstand ist schon traurig genug, dass man ein (ehrliches) Tun aus Gedanken für das Gemeinwohl heraus gar nicht mehr erwartet!
Wahre Worte - und das leider nicht nur im Hunsrück...
Hinzu kommt, dass wer aus Gemeinnutz handelt eher als "Träumer" belächelt wird und wer aus Eigennutz handelt eher als "erfolgreicher Unternehmer" gelobt wird.
Traurige Wahrheit, aber habe ich auch schon vor Jahrzehnten so erlebt.
saarepi hat geschrieben:Da ich kein (Bahn) Unternehmen besitze und auch mir auch keines leisten kann, muss ein Anderer diese Ideen (teilweise) umsetzten und sich Gedanken darüber machen, wie weit die Ideensammlung umsetzbar ist.
Ich weiß und hatte deswegen auch Sorge, dass meine Worte falsch verstanden werden.
Trotzdem fürchte ich, dass genau ein solcher "Macher" derzeit fehlt, der mit seinem Unternehmen o.ä. hinter dem Projekt steht. Zur traurigen Wahrheit gehört auch, dass genau so etwas für viele (konservative) Politiker weit mehr zählt als ein gutes Konzept. Es gibt ja in RLP leider genug Beispiele, um zu sehen, ob Konzepte oder Personen wichtiger waren.

Gruß Westeifelbahner

Westeifelbahner

Re: Nationalpark & Bahn

Beitrag von Westeifelbahner »

@Nils: Danke für die Stellungnahme und dafür, dass meine offenen Worte konstruktiv und nicht falsch aufgenommen wurden.
Nils hat geschrieben:Für die Saison 2013 hatten wir dem Zweckverband auch ein Angebot vorgelegt. Es enthielt als Option sogar die Möglichkeit, die Pendelfahrten auf Sohren zu erweitern. Unser Angebot stieß auf Interesse, ein Verkehr bis Sohren hätte aber eine neue Beschlußfassung des Zweckverbandes gebraucht. Und preislich lagen wir über Bernd, das war schlußendlich wohl das entscheidende für den Zweckverband
Auch der ZSPNV Rlp Nord bestellt meines Wissens am Ende des Tages Verkehrsleistungen nur über direkte Verkehrsverträge mit dem EVU.
Ich nehme - ehrlich gesagt - an, dass auch der ZSPNV dementsprechend anderes darauf reagiert, ob ein EVU oder ein Verein anfragt.
Nehmen wir mal rein hypothetisch an, dass DB Regio einen umfangreichen Verkehr nach Hermeskeil plane. Die Spielregeln wären natürlich gleich und unter den gegebenen Umständen nix möglich. Doch der Druck auf die politischen Gremien gleich ein anderer als beim Verein.
Es ist LEIDER so, wie in den beiden vorigen Beitrag diskutiert, dass für Politiker oft der Name bzw. das Unternehmen und nicht die gute Idee des gemeinnützigen Vereins zählt...
Nils hat geschrieben:Das ist der Punkt. Um Verkehr zu ermöglichen, muss investiert werden. Wenn das passiert, stehen wir bereit, um Verkehr auf die Strecke zu bringen. Unter bestimmten Umständen sind wir bereit, ein Teil der die Infrastruktur zu betreiben. Die Gesamtstrecke allerdings können wir als Verein nicht betreiben. Aber wir helfen gerne, Strukturen zu schaffen, die dies ermöglichen. Das kommunizieren wir so auch an die lokale Politik.
Ich kann mich diverse Ratsgespräche erinnern, die sich um Ideen und Gelder drehten, aber bei den Fragen endeten: Und? Wer macht`s? Keiner? Dann lassen wir`s eben.
Es verdient höchste Anerkennung und ist höchst seriös, wenn ein Verein die eigenen Grenzen benennt und ehrenamtliche Unterstützung anbietet. Trotzdem ist es genau das, was Politiker nie nutzen. Solange es keinen Bewerber für die Gesamtstrecke gibt, wird sich auch politisch dauerhaft keine Sicherung der Gesamtstrecke durchsetzen lassen.
Wenn der Verein daher unter bestimmten Umständen am Betrieb einer Teilstrecke interessiert ist, wäre mein Rat aus langjähriger Erfahrung dies öffentlich und im Detail gegenüber den zuständigen Gemeinden zu vermitteln: Es werden ab xx.xx.xxxx folgende Züge des EVU... zwischen ... und ... verkehren, wenn... - das bringt Ratsmitglieder noch am ehesten dazu mal sich genötigt zu fühlen ein Thema anzugehen, was auf dem Tisch liegt.

Ausdrücklich betone ich die Öffentlichkeit. Ich weiß: Genau das wollen Ratsmitglieder NIE. Immer wird der Eindruck vermittelt: Wer zu früh über etwas redet, der ist Schuld, wenn es nicht klappt. Nach meiner persönlichen Erfahrung läuft es aber eher umgekehrt.

Gruß Westeifelbahner

Nils
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Re: Nationalpark & Bahn

Beitrag von Nils »

@ Westeifelbahner:

Ein EVU hatten wir natürlich an Bord, über das wäre auch der Vetrag gelaufen. Wir wären quasi nur das ausführende Organ gewesen. Spielt ja jetzt aber auch keine Rolle mehr. Ich wollte damit nur zeigen, dass wir in den Startlöchern stehen. Aber wir kennen auch unsere Grenzen. Die Gesamtstrecke zu betreiben ist ohne breite öffentliche Unterstützung für kein privates Unternehmen machbar. Man sieht ja leider gerade in der Eifel das selbst ein etabliertes und wirtschaftlich gut aufgestelltes Unternehmen da an seine Grenzen stößt.
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Bernd Heinrichsmeyer
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Re: Nationalpark & Bahn

Beitrag von Bernd Heinrichsmeyer »

Das EVU ist doch gar nicht das Problem. Ich würde auch jederzeit wieder eine kofinanzierten Ausflugsverkehr fahren. Logisch, jemanden, der fährt, der findet sich immer.

Das Thema ist doch das EIU und - wie der Westeifelbahner richtig schreibt - das Geld. Wir haben jahrelang mittels Gutachten (Schüssler Plan 2008) dargelegt, welche Summen gebraucht werden und konnten diese Zahlen sogar durch gute Eigenleistungen relativieren. Und wir haben doch überall genau die Zahlen aufgerufen, die erforderlich sind. Bevor wir überhaupt eine Stilllegung nur entfernt in Betracht gezogen haben, sind wir doch wieder überall vorstellig geworden und haben darauf hingewiesen, dass es ohne Zuschuss nicht weitergeht. Und wir wurden doch überall - zumeist sehr höflich, aber überall bestimmt - abgewiesen. Mit den unterschiedlichsten Ausreden, die im Kern immer das schnöde Geld zum Thema hatten. Und entgegen dem, was hier und anderenorts gerne kolportiert wird - wir hatten bis zuletzt einen guten Draht in die Rathäuser und Kreisverwaltungen. Also daran lag es sicher nicht.

Der Morbacher Bürgermeister hat es 2013 gut auf den Punkt gebracht. Er geht das Risiko mit dem Eigentum an der Strecke nicht ein, da Folgekosten (Brücken, Verkehrssicherung usw.) für ihn nicht absehbar und nicht greifbar - somit nicht planbar sind. Er hat Angst, sich die Finger zu verbrennen.

Und Leute, wer ernsthaft irgendwo ankommt, und die Hunsrückbahn mit SPNV bedienen will, der muss damit rechnen, vor die Tür gesetzt zu werden. Jedes AST oder ein Kleinbus ist wirtschaftlicher. SPNV ist Unsinn und daran werden auch 20 oder 30 Jahre nichts ändern, da die notwendige Masse an Fahrgästen fehlt. Und ich verweise nochmals auf Schüssler Plan von 2008, aber auch Gehrmann aus 2002, die beide die Verkehrsbeziehungen quer zum Hunsrück und Hochwald ermittelt haben und nicht längs (es wäre nämlich korrekter Weise eine Hunsrücklängsbahn, eben keine querende Strecke). Wer mit solchen Vorschlägen bei der Politik aufwartet, schadet dem Erhalt der Strecke, weil man damit sofort in der Fuzzy-Schublade landet.

Eine Ruwertalbahn hätte heute vielleicht nochmals Chancen, aber wieviele Reaktivierungsideen liegen auf Eis ... ?

Trassenerhalt ist unsexy, volle Zustimmung meinerseits. Aber aktuell ist das das kleinste mögliche gemeinsame Nenner. Uns selbst den gilt es noch zu finden .... . Kommt dieser Vertrag nicht, dann wird DB Netz rigoros Brücken entfernen, Gleise abbauen, Grundstücke verkaufen und damit Fakten schaffen. Das weiß ich aus erster Hand und bin davon überzeugt, denn die DB muss auch rechnen und wird nicht von sich aus etwas vorhalten.
Bernd Andreas Heinrichsmeyer
http://www.heinrichsmeyer.com

Westeifelbahner

Re: Nationalpark & Bahn

Beitrag von Westeifelbahner »

Nils hat geschrieben:Die Gesamtstrecke zu betreiben ist ohne breite öffentliche Unterstützung für kein privates Unternehmen machbar.
Das steht sicherlich bei allen hier Mitlesenden und Mitschreibenden außer Frage.
Meine Befürchtung ist nur, dass derzeit - zumindest aus Sicht vieler Gemeinden - auch ein privates Unternehmen fehlt, welches konkret und ernsthaft den Betrieb der Gesamtstrecke übernehmen würde, wenn ... Millionen EUR zur Verfügung ständen... Sprich: Das EIU, an das sich der Bürgermeister aus Simmern betreffend seines Wunsches einer Schienenanbindung an den Nationalpark wenden könnte (vgl. Nachbarthread).
Wie schoon geschrieben: Es ist nur ehrlich und höchst seriös, wenn der Verein deutlich macht, dass er dies freilich nicht kann.
Gruß Westeifelbahner

Westeifelbahner

Re: Nationalpark & Bahn

Beitrag von Westeifelbahner »

Bernd Heinrichsmeyer hat geschrieben:Der Morbacher Bürgermeister hat es 2013 gut auf den Punkt gebracht. Er geht das Risiko mit dem Eigentum an der Strecke nicht ein, da Folgekosten (Brücken, Verkehrssicherung usw.) für ihn nicht absehbar und nicht greifbar - somit nicht planbar sind. Er hat Angst, sich die Finger zu verbrennen.
Eine Argumentation, die man auch in der Westeifel seit Jahren kennt.Im Übrigen auch in Gerolstein, wo man dennoch seit bald zehn Jahren (mehr oder weniger unfreiwillig) die Verkehrssicherungspflicht für die Bahnstrecke hat und dadurch sicher nicht in Haushaltsschwierigkeiten geraten ist...

Die Argumentation ist dennoch sachlich unlogisch.
Erstens wäre es möglich - wie ja leider auch in der Vulkaneifel zu erleben - eine Bahnstrecke über Jahre zu betreiben und mit Ablauf der Betriebsgenehmigung den Betrieb eben einzustellen, wenn eine Brücke erneuert werden müsste.
Und was wird dann aus einer Strecke?
Man kann sie - wie Bernd Heinrichsmeyer - mit Ablauf des Pachtvertrages eben an den Eigentümer zurückgeben. Genau so könnten auch die Anliegergemeinden im Hunsrück verfahren.
Tatsächlich ist es so, dass die finanzstarken Akteure wie beispielsweise Gemeinden den Kauf favorisieren, da hiermit sogar vielmehr ein "gutes Geschäft" zu machen ist. Würden die Folgekosten irgendwann tatsächlich zu hoch, macht man das 11er Verfahren. Im Falle einer Freistellung nach § 23 AEG hätte man dann sogar attraktive Grundstücksflächen.
Schlechtestenfalls müsste man die Strecke so brach liegen lassen, wie es diverse Eigentümer von Bahnstrecken bundesweit tun - und daran auch nicht pleite gehen.
Und sofern, wie oben diskutiert, ein privates EIU die Strecke betreiben und "nur" einen Zuschuss der Gemeinde beantragen würde, wären die Risiken ja ohnehin nicht bei der Gemeinde.
Bernd Heinrichsmeyer hat geschrieben:Kommt dieser Vertrag nicht, dann wird DB Netz rigoros Brücken entfernen, Gleise abbauen, Grundstücke verkaufen und damit Fakten schaffen. Das weiß ich aus erster Hand und bin davon überzeugt, denn die DB muss auch rechnen und wird nicht von sich aus etwas vorhalten.
Nu, mal langsam... :wink:
Wenn die DB Grundstücke verkaufen wollte, fragt sich, welche Käufer es geben sollte, die sich für Grundstücke interessieren, die für Eisenbahnbetriebszwecke gebunden sind...
Davon ab: Bei uns in der Westeifel lief es so, dass es eine offizielle oder inoffizielle Regelung gab, dass die Gemeinden eine Art Vorkaufsrecht haben. Ehe Meister Müller an ein Grundstück kommen konnte, wurden die Strecke in Gänze den Gemeinden angeboten - und schließlich verkauft. Und selbst wenn nicht: Allein das könnte zunächst einmal ein jahrelanges Verhandlungsgemache geben...
Im Übrigen: Bei den Kaufverhandlungen über die Bahngleise Prüm - Pronsfeld wurde man sich seinerzeit zwischen DB AG und VG Prüm nicht einig. Nach Abbau der Gleise kaufte die VG Prüm die gleiche Infrastruktur inkl. Bauwerke...

Was die Demonatage von Brücken angeht, sind diese meines Wissens nur zulässig, wenn sie ohnehin für Zugverkehre nicht mehr geeignet wären, solange die Strecke nicht nach § 23 AEG freigestellt ist.

Warum liegt die Zuständigkeit eigentlich noch bei DB Netz? Müsste nicht eine andere DB-Tochter zuständig sein, sobald es um die Weiternutzung stilllgelegter Strecken geht?

Gruß Westeifelbahner

Horst Heinrich
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Re: Nationalpark & Bahn

Beitrag von Horst Heinrich »

Die rheinland-pfälzischen Kommunen -gerade auf dem Land- sind durchweg mit einer Schieneninfrastruktur überfordert, man kann nicht davon ausgehen, daß mit ihnen langfristig ein Erhalt von Strecken möglich ist.
Selbst gut gemeinte Initiativen müssen kapitulieren, wenn es erste große Investitionen zu stemmen gilt.

Wer die Hunsrückbahn kennt, weiß, daß hinter der nächsten Kurve die nächste Baustelle wartet, an der unweigerlich der Zahn der Zeit nagt.
Ich denke, die kaufwilligen Kommunen haben sich 2009 sehr weit aus dem Fenster gewagt und sind jetzt aber froh, daß es nicht zu einem Streckenerwerb gekommen ist.
Die Verpflichtungen wären immens gewesen, ich denke sogar, die Hunsrückbahn hätte langfristig schwachen Kommunen wie z.B. der VG Thalfang den Ruin beschert.
Hier denkt man ja wegen 65000 Euro Defizit aufgrund des ausgefallenen Winters 2013/14 schon über eine Stillegung der Wintersportanlage Erbeskopf nach.

Die jetzt vom Simmerner Ortsbürgermeister ins Gespräch gebrachte ÖPNV- Reaktivierung Langenlonsheim-Morbach scheint mir in Verbindung mit einem gescheiten Konzept Morbach-Türkismühle auf einem betrieblichen Minimalkonsens (Strecke bleibt Eigentum der DB, das Land investiert hier u.a. in die Anbindung des Nationalparks, ein EIU, das auf einen hohen Ehrenamtsanteil setzen kann und ein EVU gewährleisten einen touristischen Verkehr) zumindest eine diskussionswürdige Option zu sein.
SOLANGE NICHT DIE KULTUSMINISTERKONFERENZ EINE EINSTWEILIGE VERFÜGUNG ERWIRKT UND SIE MIR PERSÖNLICH AN DER HAUSTÜR ÜBERREICHT,BLEIBE ICH BEI DER ALTEN RECHTSCHREIBUNG.

Horst Heinrich
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Re: Nationalpark & Bahn

Beitrag von Horst Heinrich »

saarepi hat geschrieben:Verstärkter Autoverkehr kann doch im und am Nationalpark nicht erwünscht sein.
Das ist es ja u.a., warum ich nicht verstehe, warum die Nationalparkmacher nicht auf die Bahn anspringen.
Zumal einige von ihnen noch vor ein paar Jahren gegen den Autowahn auf die Straße gegangen sind und man sich schräg ansehen lassen mußte, wenn man z.B. zu forstlichen Tagungen mit dem Auto anreiste.
Heute muß man sich vor den gleichen Leuten praktisch schämen, wenn man die Bahn ins Spiel bringt.
SOLANGE NICHT DIE KULTUSMINISTERKONFERENZ EINE EINSTWEILIGE VERFÜGUNG ERWIRKT UND SIE MIR PERSÖNLICH AN DER HAUSTÜR ÜBERREICHT,BLEIBE ICH BEI DER ALTEN RECHTSCHREIBUNG.

Bernd Heinrichsmeyer
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Re: Nationalpark & Bahn

Beitrag von Bernd Heinrichsmeyer »

Westeifelbahner hat geschrieben:Meine Befürchtung ist nur, dass derzeit - zumindest aus Sicht vieler Gemeinden - auch ein privates Unternehmen fehlt, welches konkret und ernsthaft den Betrieb der Gesamtstrecke übernehmen würde, wenn ... Millionen EUR zur Verfügung ständen... Sprich: Das EIU, an das sich der Bürgermeister aus Simmern betreffend seines Wunsches einer Schienenanbindung an den Nationalpark wenden könnte
Also das haben wir (HEB Hunsrück Eisenbahninfrastruktur GmbH) explizit den anliegenden Kommunen und Kreisen angeboten (nicht aber Simmern, da bislang für uns in SBBN Schluss war). Ein EIU, das lediglich Betreiber im Sinne einer Geschäftsbesorgung ist, wird sich finden lassen.

Horst hat es zutreffend geschrieben: Die Kommunen sind heute ganz froh, dass man 2009/2010 nicht zum Kauf kam. Und die Morbacher Haltung haben inzwischen auch die anderen. Wenn man heute ganz ehrlich ist, dann haben der damalige Bürgermeister von Morbach und wir einen Zug in Gang gebracht, von dem die anderen Kommunen gar nicht so recht wussten, wie es ihnen geschah - und schwups, schon waren sie mit drauf. Die damals tätigen Personen hatten die Weitsicht und haben gesagt "egal was in der Zukunft kommt, das regeln wir dann, jetzt erst mal Fakten schaffen". Dieses "Überholmanöver" hat die ADD lanciert vom zuständigen Ministerium erfolgreich unterlaufen und zack - der Zug stand still.

Brückenbauwerke kann man in Pachtverträgen mit der DB Netz nicht einfach im IST-Zustand zurückgeben, wenn die Brücke am Einstürzen ist. Das sehen die Verträge nicht vor. Auch wenn eine Brücke ohne Verkehr ist, so fallen Kosten an. Wir haben in 7 Jahren rund 35.000 EUR nur in Brückenprüfungen und deren Nebenkosten investiert. Das sind alles Summen, die man nicht aus der Welt reden kann. Im Übrigen liegt der Schlüssel zum Erfolg im Eigentum außerhalb der DB AG. Alleine schon wegen den Bestimmungen des §6 AEG. Eine langfristige Pacht käme dem vmtl. gleich, würde aber nichts am Problem ändern.

Eisenbahninfrastruktur gehört per se in öffentliche Hand, da stimme ich absolut zu. Dazu findet sich aber politisch keine Mehrheit und von der GroKo erwartet wohl eh niemand eine große Entscheidung.

Die stillgelegten Strecken werden von DB Services Immobilien GmbH im Auftrag des Eigentümers DB Netz verwaltet. Fachliche Prüfungen (z.B. Brückeninspektionen) macht die DB Netz selbst. Wenn der Sicherungsvertrag nicht kommt, verwertet die DB erst mal den Oberbau. Da dürfte abzüglich der Abbaukosten ca. eine Mio. EUR bei rum kommen. Defekte Brücken kann der Eigentümer ohne Genehmigung nach § 23 AEG im Sinne der Verkehrssicherung niederlegen. Wenn diese Dinge erfolgt sind, wird ein Antrag auf Genehmigung nach §23 AEG m.E. Erfolg haben. Wer will ernsthaft ein Verfahren nach §6 AEG für eine abgebaute Strecke einleiten, um so das 23er Verfahren zu behindern?

Fazit: Die DB Netz ermittelt aktuell die Kosten der Trassensicherung (also liegen lassen, nix dran verändern, Verkehrssicherung wahrnehmen). Diese legt sie vmtl. noch im 1. Quartal den Ländern vor. Diese entscheiden dann Ja oder Nein. Wenn Nein, dann ist m.E. nichts mehr zu machen.
Bernd Andreas Heinrichsmeyer
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Re: Nationalpark & Bahn

Beitrag von Rolf »

Bernd Heinrichsmeyer hat geschrieben:...Und Leute, wer ernsthaft irgendwo ankommt, und die Hunsrückbahn mit SPNV bedienen will, der muss damit rechnen, vor die Tür gesetzt zu werden. Jedes AST oder ein Kleinbus ist wirtschaftlicher. SPNV ist Unsinn und daran werden auch 20 oder 30 Jahre nichts ändern, da die notwendige Masse an Fahrgästen fehlt. ...
Das ist natürlich überall das Problem der Nebenstrecken in der bevölkerungsarmen Provinz, ob im Hunsrück, in der Eifel ... Dort wohnen einfach zu wenige Menschen, um die Züge im regulären SPNV mit Taktverkehr voll zu bekommen. Da muss dann schon noch etwas Besonderes hinzu kommen, touristisches Potential, ein Nationalpark, Güterverkehr o. ä., um den Erhalt der Strecke zu erreichen.

Für den Abschnitt Langelonsheim - Hahn sehe ich aber durchaus Potential auch im SPNV. Ich denke mal, der Flughafen Hahn könnte immer noch um die 250.000 Fahrgäste/Jahr beisteuern. Am Beispiel Weeze, einem ähnlich großen und in vielfacher Hinsicht gut vergleichbaren Flughafen, den ich sehr gut kenne (meine Urheimat ist Weeze und ich pflege die guten, alten Kontakte dort hin), habe ich mal das Potential hochgerechnet. Die Bahn nach Weeze befördert pro Zug im Schnitt ein bis zwei Dutzend Fluggäste im Halbstundentakt. Und das, obwohl anschließend noch ein Shuttlebus die letzten 4 km zum Flughafen übernehmen muss (wechselnd mit dem Bahnhof Kevelaer). Die Anreise per Bahn ist also deutlich unkomfortabler als sie es im Falle der Hunsrückbahn wäre, denn die soll ja bis zum Flughafen führen, wenn sie denn kommt. Dennoch bringt die Bahn in Weeze etwa 5-10% der Kunden zum Flughafen bzw. wieder zurück. Gemessen an den Fluggastzahlen komme ich so, je nach Jahr, auf rund 100.000 bis 200.000 Fahrgäste pro Jahr für Weeze, vorsichtig kalkuliert (das Flughafenmanagement hat höhere Zahlen geschätzt). Mit der direkten Verbindung zum Hahn wäre die Hunsrückbahn deutlich attraktiver als die kombinierte Bahn-Bus-Verbindung nach Weeze. Da das Fluggastaufkommen etwa gleich groß, die Verbindung aber attraktiver ist, lege ich 50 % drauf und komme auf ein Potential für Hahn, das um die 200.000 Fahrgäste, vielleicht sogar bei 250.000 liegt. 600, 700 oder sogar 1000 Fahrgäste pro Tag halte ich im Fall der Hunsrückbahn daher für durchaus realistisch, selbst dann, wenn der Flughafen Hahn nicht wieder wachsen sollte (was ich in Anbetracht von 380 bestellten bzw. optionierten neuen Jets durch den Hauptkunden Ryanair, Europas größter und profitabelster Airline, für durchaus möglich halte). Täglich 1000 Fahrgäste zusätzlich (!) zu den Fahrgästen aus der Region sind doch schon eine Hausnummer, finde ich. Ob das zusammen reicht, um die Züge ausreichend voll zu bekommen und um die Damen und Herren in Mainz zu überzeugen, weiß ich nicht. Aber wenn der Bund doch den Löwenanteil der Streckenerneuerung finanziert, würde ich in Mainz nicht lange zögern. Die Gelegenheit kommt vielleicht nie wieder.

Mattias
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Re: Nationalpark & Bahn

Beitrag von Mattias »

In meinen Augen hinkt der Vergleich von Weeze und Hahn. Auf der einen Seite habe ich mit Ruhrgebiet, Kölner Raum und Niederrhein als Einzugsgebiet eine riesige Population in relativer Nähe, auf der anderen Seite ein räumlich gesehen weitas größeres Gebiet. Auch wenn Ryanair unschlagbar günstig ist (sofern ich nur Handgepäck habe), ist die Fahrt nach Hahn für mich schon ein Grund, lieber ein paar Euro mehr zu investieren und ab Frankfurt mit BA zu fliegen. Die Anzahl derer, die in angemessener Zeit per Zug dorthin kämen, ist im Vergleich zu Weeze wesentlich geringer, bei Flügen in den Tagesrandlagen scheidet der Zug praktisch für alle aus.
Gruß
Mattias

Rolf
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Re: Nationalpark & Bahn

Beitrag von Rolf »

Mattias hat geschrieben:In meinen Augen hinkt der Vergleich von Weeze und Hahn.
Vergleiche haben immer etwas Vereinfachendes, klar. Ich denke aber schon, dass bei allen Unterschieden gewisse Grundtendenzen erkennbar sind.
Mattias hat geschrieben:In meinen Augen hinkt der Vergleich von Weeze und Hahn. Auf der einen Seite habe ich mit Ruhrgebiet, Kölner Raum und Niederrhein als Einzugsgebiet eine riesige Population in relativer Nähe, auf der anderen Seite ein räumlich gesehen weitas größeres Gebiet.
Dafür gibt es am Niederrhein auch mehr Konkurrenz unter den Flughäfen der Umgebung (Köln/Bonn, Düsseldorf, Maastricht, Eindhoven, Amsterdam). Entscheidend ist einzig und allein die unter den jeweiligen (unterschiedlichen) Bedingungen resultierende Nutzerzahl, und die ist eben ungefähr gleich. Sogar das Marktsegment stimmt überein (Billigflug, Ryanair). Und wie am Hahn, stammen die meisten Fluggäste eben nicht aus der Region, sondern aus den Metropolen in der Umgebung. Und dieses Fluggäste müssen irgendwie zum Flughafen kommen. Ein erheblicher Teil kommt in Weeze eben mit dem Zug.
Mattias hat geschrieben:In Auch wenn Ryanair unschlagbar günstig ist (sofern ich nur Handgepäck habe), ist die Fahrt nach Hahn für mich schon ein Grund, lieber ein paar Euro mehr zu investieren und ab Frankfurt mit BA zu fliegen. Die Anzahl derer, die in angemessener Zeit per Zug dorthin kämen, ist im Vergleich zu Weeze wesentlich geringer, bei Flügen in den Tagesrandlagen scheidet der Zug praktisch für alle aus.
Auch hier gilt: Entscheidend ist nicht, was man selbst tut, sondern wie viele Nutzer einen Flughafen tatsächlich nutzen. Und die Zahlen sind nun mal sehr ähnlich, völlig unabhängig davon, was man selbst bevorzugen würde. Der Weg von Weeze nach Köln/Düsseldorf, um nur die wichtigsten Metropolen zu nennen, aus denen Fluggäste kommen, ist ähnlich weit wie der von Hahn in die Rhein/Main-Region. In den Tagesrandlagen fällt die Bahn nach Weeze ebenfalls weg. Am Niederrhein herrscht auch Nachtruhe bei der Bahn. Ich sehe hier durchaus große Ähnlichkeiten.

Ich bin sicher, dass eine Bahn direkt zum Hahn attraktiver ist als die umständliche Verbindung Bahn/Bus nach Weeze. Die Busverbindung von Weeze nach Düsseldorf ist deutlich schneller und ohne Umsteigen auch bequemer. Dennoch nutzen so viele Fluggäste die Bahn; ich bin selbst immer wieder erstaunt (aus familiären Gründen bin ich relativ oft in Weeze und fahre auch häufig mit dem Zug. Die Situation beobachte ich schon seit Jahren sehr genau). Offenbar hat die Bahn einen hohen Stellenwert bei den Fluggästen, unabhängig davon, dass die Bahn im Einzelfall (Weeze) sogar die eher ungünstige Alternative ist.

Kurzum: Ich bin gerade aufgrund meiner "Weezer Erfahrungen" sicher, dass der Flughafen Hahn, auch wenn er nicht so gut läuft wie erhofft und insgesamt als Millionengrab ein großes Ärgernis ist, einen erheblichen Beitrag leisten kann, um die Züge im SPNV voll zu bekommen. Die Region würde von einer reaktivierten Bahn ungemein profitieren, vorausgesetzt, dass die Züge zum Hahn auch die "Unterwegshalte" im Hunsrück angemessen bedient. Aber davon darf man ja ausgehen.

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