Wenn ein Hunsrücker im Schwarzwald Urlaub macht, dann...

Strecke Emmelshausen - Boppard und das Hunsrückbahnmuseum.
Horst Heinrich
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Re: Wenn ein Hunsrücker im Schwarzwald Urlaub macht, dann...

Beitragvon Horst Heinrich » So 11. Mai 2014, 11:23

Vielen Dank für diesen Beitrag und die Denkanstöße.
Sicherlich sind die Grundvoraussetzungen der beiden Gebiete (Region Karlsruhe und Hunsrück) verschieden, aber es lohnt sich sicher einmal, über solch ein Modell auch hier nachzudenken.
Andererseits haben wir es ja bisher noch nicht einmal geschafft, auf einer Strecke vor rund 70 km (Straße) einen einzigen Verkehrsverbund zu etablieren (Flughafen Hahn-Bingen: VRM und RNN), also müßten noch viele Kubikmeter Wasser den Simmer-, Gräfen- oder Ellerbach hinabfließen, bis wir auf dem Hunsrück zu einem Verbundnetz kommen, das bis zur Landeshauptstadt reicht.
Und im Gegensatz zur Bevölkerung im Karlsruher Raum ist der Hunsrücker ein leidenschaftlicher Autofahrer, so daß für so einen gewaltigen Umbau des ÖPNV einfach nicht genug öffentlicher Druck da ist.
Zumindest im Augenblick nicht, und wenn ich mir die demographische Entwicklung ansehe :roll:
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Sebbel
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Re: Wenn ein Hunsrücker im Schwarzwald Urlaub macht, dann...

Beitragvon Sebbel » Do 15. Mai 2014, 21:08

Servus,

leider kann man das Karlsruher Modell nicht auf die HQB übertragen. Die Entfernungen sind einfach viel zu groß, um eine Stadtbahn nach Mainz oder Frankfurt zu etablieren. Ab Bingen bis ins Rhein/Main Gebiet könnte es noch Sinn machen, eine Infrastruktur für eine Stadtbahn wie in Karlsruhe zu bauen, evtl. noch ab Kreuznach und Alzey im Sternverkehr. Weiter aber nicht, da einfach die Bevölkerungsdichte und das Einzugsgebiet es nicht zulässt.

Ich bleibe dabei, das die HQB nur eine Chance hat, wenn sie Durchgangsverkehr zwischen zwei Großzentren wie Trier/Luxemburg und dem Rhein/Main Gebiet zulässt. Aber alles was im Hunsrück endet, ist zu teuer und nicht wirtschaftlich.
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Re: Wenn ein Hunsrücker im Schwarzwald Urlaub macht, dann...

Beitragvon Markus Göttert » Fr 16. Mai 2014, 12:50

Eine Stadtbahn wäre im Bereich Langenlonsheim-Stromberg denkbar.
Hier liegen die 4 Siedlungen im Abstand von unter 3 km an der Strecke (Einwohnerzahl 8500)
Gesamtstrecke 15 km.

Zum Vergleich:
Gensingen - Armsheim
Ebenfalls 4 Halte.
4 Siedlungen 9100 Einwohner
15 Km Strecke.
Da Hauptbahn in der Unterhaltung sogar Aufwendiger zu unterhalten.

Weitere Beispiele kann ich bringen.
Mayen West - Kaisersesch
3 Halte
3 Siedlungen 4100 Einwohner
17 km Strecke

Die Politik muss WOLLEN.
Aber SIE will nicht.
Meine Facebookseite zum Thema Hunsrückbahn
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Rolf
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Re: Wenn ein Hunsrücker im Schwarzwald Urlaub macht, dann...

Beitragvon Rolf » Fr 16. Mai 2014, 20:30

Sebbel hat geschrieben:....leider kann man das Karlsruher Modell nicht auf die HQB übertragen. Die Entfernungen sind einfach viel zu groß, um eine Stadtbahn nach Mainz oder Frankfurt zu etablieren. Ab Bingen bis ins Rhein/Main Gebiet könnte es noch Sinn machen, eine Infrastruktur für eine Stadtbahn wie in Karlsruhe zu bauen, evtl. noch ab Kreuznach und Alzey im Sternverkehr. Weiter aber nicht, da einfach die Bevölkerungsdichte und das Einzugsgebiet es nicht zulässt...

So sehe ich das auch. Die Bahn ist ein Massenverkehrsmittel. Man muss die Züge schon halbwegs voll bekommen, sonst macht eine Bahn für den ÖPNV keinen Sinn. Ob im Hunsrück genügend Fahrgäste zusammen kommen könnten, vermag ich nicht zu beurteilen. Zusammen mit dem Verkehr zu Hahn könnte aber immer noch genug Masse zusammen kommen. Für den Flughafen gibt es immerhin wieder so etwas wie berechtigte Hoffnung auf bessere Zeiten:
http://www.airliners.de/ryanair-chef-oleary-fordert-ende-der-luftverkehrssteuer/32429

Horst Heinrich
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Re: Wenn ein Hunsrücker im Schwarzwald Urlaub macht, dann...

Beitragvon Horst Heinrich » Sa 17. Mai 2014, 10:16

Ein Agreement mit Michael O'Leary hat immer nur einen Gewinner: Das ist Ryanair und einen Verlierer, das ist der Steuerzahler, auch wenn die Medien hier gerne auch mal das Bild des irischen Wohltäters und Glückbringers zeichnen.
Die Luftverkehrsbranche ist eine der härtest umkämpften Märkte der Welt, nicht selten geht es um dreistellige Tonnagewerte und ein paar dutzend Dollar. Die hohe Kunst eines jeden Unternehmensmanagements besteht darin, möglichst hohe Deckungskostenbeiträge zu akquirieren, am liebsten sind dies Subventionen, teilweise versteckt, oder Steuer- oder Gebührenerleichterungen.
Zum Beispiel zahlt Ryanair pro abfliegendem Passagier 3 Euro, die Kosten aber betragen 15 Euro, bleiben 12 Euro am Steuerzahler hängen.
Nur zu diesem Zweck wird der Kontakt zu politischen Mandatsträgern hergestellt und gepflegt, wenn Verantwortliche -wie in Rheinland-Pfalz- dann noch weder von der Wirtschaft noch von der Branche Ahnung haben - umso besser, sie kann man leichter am Nasenring über den Tisch ziehen.
Fachleute aus der zweiten Reihe, die qua Kompetenz warnend den Finger erheben und die die verschiedentlich über das Ganze gezogenen Decken lüften, werden kurzerhand entsorgt - siehe Ex-Hahn-Geschäftsführer Rethage.
Der Hahn wird auch im 21.Jahr seines Bestehens per Saldo Verluste machen und hat keine Chance, jemals in den "grünen Bereich" zu kommen.
Jeder, der sich mit der Materie ein wenig auskennt, weiß das.
Er wird also auch in Zukunft auf Umverteilungsmittel angewiesen sein.
Jetzt kann man natürlich einwenden, in Deutschland und auch in Rheinland-Pfalz gab und gibt es schlimmere Formen der Steuermittelverschwendung, Stuttgart 21, Flughafen BER, das Drohnenprojekt, der Nürburgring...
Immerhin haben die, ansonsten vom Wohlstand ziemlich abgehängten Hunsrücker ein billiges Tor zur weiten Welt, eine autobahnähnlich ausgebaute Bundesstraße und um ein Haar noch eine moderne Bahnverbindung ins Rhein-Main-Gebiet erhalten. Aber dann soll man sich zu dieser Art Planwirtschaft auch offen bekennen und den Menschen ehrlich erklären, daß es sich beim Hahn nicht um ein gelungenes Konversionsprojekt handelt, sondern um eine etwas aus dem Ruder gelaufene Arbeitsbeschaffungsmaßnahme.
Alles andere glaubt doch sowieso keiner mehr.
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Re: Wenn ein Hunsrücker im Schwarzwald Urlaub macht, dann...

Beitragvon Rolf » Sa 17. Mai 2014, 10:54

In Bezug auf die Hunsrückbahn interessiert mich der Hahn nur insofern, als dass er Fahrgäste beisteuern kann oder nicht. Je mehr am Hahn zusteigen (könnten), desto besser für die Bahn und desto höher sind die Chancen für eine Reaktivierung im ÖPNV.

Dass am Hahn vieles falsch gelaufen ist, ist unstrittig. Wenn die Strukturprobleme gelöst werden, könnte der Hahn aber auch eine bessere Zukunft haben. Ich bin da nicht ganz so pessimistisch, was eine langfristige Wende zum Besseren betrifft. Für die Bahn im Hunsrück wäre das jedenfalls ein positiver Nebeneffekt.


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