Hochwaldbahn am 24.10.2014

Strecke Emmelshausen - Boppard und das Hunsrückbahnmuseum.
Bernd Heinrichsmeyer
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Re: Hochwaldbahn am 24.10.2014

Beitragvon Bernd Heinrichsmeyer » So 9. Nov 2014, 18:43

Westeifelbahner hat geschrieben:Bleiben wir doch beim Hunsrück: Bernd Heinrichsmeyer kann sicher berichten, ob eine Marktsättigung bei den Verkehren Büchenbeuren - Morbach zu beobachten war oder nicht. Ich möchte meinerseits nur noch einmal daran erinnern: Eingestellt wurden die Verkehre nicht mangels Nachfrage (im Gegenteil: der ZSPNV Rlp Nord wollte wiederum den Betrieb bestellen), sondern aus den bekannten Infrastrukturproblemen. Die genau gleiche Situation wie u. a. auf der Eifelquerbahn.

Ob eine Sättigung vorliegt, das vermag ich nicht zu beurteilen. Es gibt sehr viele Museums- und Touristikbahnen in Deutschland und ich sehe, dass vielen die Luft auszugehen droht. Seien es finanzielle oder personelle Gründe; oder beides. Die Vorschriftenlast durch die EU Gesetzgebung drückt zusätzlich, ebenso wie der PZB-Wahn der EBAs und LEAs, der uns nach meiner Einschätzung binnen 5 Jahren überall Magnete bescheren wird, sogar auf Nebenbahnen im Ein-Zug-Betrieb. Ich kann aber feststellen, dass wir 2013 mehr Fahrgäste hatten, insbes. Moseltouristen, die sagten, man sei sonst mit der EQB gefahren und weil diese nicht mehr fahren würde, wäre man bei uns. Also spricht das für eine konkurrierende Situation und dafür, dass es ein leichtes Überangebot gibt, zumindest in Rh-P. Aber davon mal ab: Die Hunsrückbahn hat enorm viel zu bieten, und das gilt es herauszustellen und zu erhalten.
Bernd Andreas Heinrichsmeyer
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Rolf
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Re: Hochwaldbahn am 24.10.2014

Beitragvon Rolf » Mi 12. Nov 2014, 10:10

Bernd Heinrichsmeyer hat geschrieben:...Ich kann aber feststellen, dass wir 2013 mehr Fahrgäste hatten, insbes. Moseltouristen, die sagten, man sei sonst mit der EQB gefahren und weil diese nicht mehr fahren würde, wäre man bei uns. Also spricht das für eine konkurrierende Situation und dafür, dass es ein leichtes Überangebot gibt, zumindest in Rh-P...

Das bestätigt meine Befürchtungen. Und jetzt stelle man sich mal vor, die EQB wird für touristische Verkehre reaktiviert und die Westeifelbahn auch noch. Und vielleicht auch noch die Strecke nach Bitburg Stadt. Mit jeder Reaktivierung für touristische Verkehre wächst die Gefahr, dass sich die Bahnen gegenseitig wenigstens einen Teil der Fahrgäste wegnehmen. Auch am Rhein gibt es ähnliche Tendenzen, die ich mit Sorge betrachte. Vielleicht kommt auch noch irgendwann die Brex dazu. So schön das auf den ersten Blick klingen mag, auf lange Sicht befürchte ich bei größer werdendem Angebot eine gegenseitige Schwächung der einzelnen Bahnen.

Bernd Heinrichsmeyer hat geschrieben:... Die Hunsrückbahn hat enorm viel zu bieten, und das gilt es herauszustellen und zu erhalten.
Das glaube ich gerne und die Tatsachen (Nationalparkanbindung, Zubringerfunktion zum Ruwertalradweg, Streckenführung, Naturerlebnis etc.) sprechen auch klar dafür. Aber auch die EQB hat viel zu bieten, und die Westeifelbahn, und die Brex usw. usw. ...

Westeifelbahner

Re: Hochwaldbahn am 24.10.2014

Beitragvon Westeifelbahner » Mi 12. Nov 2014, 11:47

Rolf hat geschrieben:Und jetzt stelle man sich mal vor, die EQB wird für touristische Verkehre reaktiviert und die Westeifelbahn auch noch. Und vielleicht auch noch die Strecke nach Bitburg Stadt. (...) Vielleicht kommt auch noch irgendwann die Brex dazu.

Eine wahrhaft grausame Vorstellung... - und das auch noch in einem Eisenbahnforum. Mir läuft es eiskalt über den Rücken *schauder*

Rolf hat geschrieben:Aber auch die EQB hat viel zu bieten, und die Westeifelbahn, und die Brex usw. usw. ...

Eben. Und deshalb ist dieses Szenario vielleicht dann doch nicht ganz so schlimm...

Touristikverkehre gibt es auf jeder Straße - warum nicht auch auf der Schiene? Nach meiner Einschätzung machen Eisenbahnfreaks, die große Anfahrtswege nur in Kauf nehmen, um mit einem alten Schienenfahrzeug über eine bestimmte Strecke zu fahren, bei einem erfolgreichen Touristikverkehr nur einen Bruchteil der Zielgruppe aus. Schau dir mal an, wie viele Urlauber jedes Jahr in der Vulkaneifel, in der Südeifel oder im Hunsrück sind - wenn nur ein Teil dieser Zielgruppe auch Urlaubstage ohne Pkw gestalten möchte, hat jede dieser Touristikbahnen ihre Daseinsberechtigung.

Gruß Westeifelbahner

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Re: Hochwaldbahn am 24.10.2014

Beitragvon Horst Heinrich » Mi 12. Nov 2014, 13:20

Westeifelbahner hat geschrieben:Eine wahrhaft grausame Vorstellung... - und das auch noch in einem Eisenbahnforum. Mir läuft es eiskalt über den Rücken *schauder*

Ich muß ehrlich zugeben, langsam wird es auch mir etwas unwohl bei dem Gedanken, daß ein Eisenbahnforum Investitionen in den Schienenverkehr beginnt infrage zu stellen.
Bei den von mir geäußerten Vorbehalten -darauf möchte ich wert legen- handelt es sich weitgehend um die Wiedergabe von Beobachtungen in der Bevölkerung, nicht um eigene Einschätzungen.
Ich persönlich propagiere Erhalt und befahrbare Vorhaltung jeglicher Schienenstrecken im Land als unverzichtbaren Beitrag zur Daseinsvorsorge und zur Sicherung aller planerischen Optionen.
Es kann nicht sein, daß man nun Strecken kategorisiert und diese abschreibt und jene als erhaltenswert einstuft.
Jeder Meter Gleis im Land sollte uns wichtig sein, wichtiger als mancher Meter Straße oder Radweg.
SOLANGE NICHT DIE KULTUSMINISTERKONFERENZ EINE EINSTWEILIGE VERFÜGUNG ERWIRKT UND SIE MIR PERSÖNLICH AN DER HAUSTÜR ÜBERREICHT,BLEIBE ICH BEI DER ALTEN RECHTSCHREIBUNG.

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Re: Hochwaldbahn am 24.10.2014

Beitragvon Dieselpower » Mi 12. Nov 2014, 14:12

Das Hauptproblem, das wir haben: Das hier ist Deutschland....die Lobby der Eisenbahn tendiert gegen Null, ein paar Enthusiasten gibt es, die der schönen, in die Landschaft ohne grausame Narben eingebetteten Nebenbahn etwas abfinden können, doch von diesen gibt es viel zu viele, die nur mit Rad, Auto, Motorrad etc. nebenher fahren, und (durchaus) schöne Streckenbilder schießen. Aber davon kann so eine Bahn nicht leben...und dann gibt es noch diese ach so lieben Anwohner, welche in jedem Schienenbus einen grausamen Killer ihrer auf Schotter, Schwellen und Schienen spielen wollenden Liebchen sehen, oder gar das eklige Monstrum eines Güterzugs prognostizieren. Die selben Leute schimpfen alsbald über überfüllte Schulbusse und von LKW verstopfte Straßen, aber das ist offenbar das kleinere Übel.

Dann das von Bernd angesprochene Problem unserer auf 800%ige Sicherheit (Nein, da ist keine Null zu viel, aber dafür einige in den Behörden) geilen Behörden und Institutionen. Wo kämen wir denn da hin, wenn nicht jede Handhebeldraisine künftig mit PZB90 V2.0 (besser noch mit diesem blödsinnigen ETCS - Störungsquelle Nr.1 aller damit ausgerüsteten Loks) ausgestattet wäre???

Auf der "Insel" existieren haufenweise Museumsbahnen, gefühlt in jeder Grafschaft zwei Stück, teilweise mit großen Bahnhöfen, BWs und sogar m.W. eine zweigleisige Museumsstrecke (!). Da hat die Bahn aber auch nen anderen Stellenwert im Volke. Hinzu kommen unzählige Sonderfahrten durchs gesamte Königreich, nicht nur am Wochenende....irgendwie kommen die aber mit und ohne Subventionen und aktiver Unterstützung einer (im Vergleich zu uns erheblich mehr) auf Traditionen besonnenen Bevölkerung über die Runden. Allerdings arbeiten die auch miteinander, und nicht gegeneinander, wie in unseren Gegenden, wo einer dem anderen sein Deibel ist....aber ob in UK ein solches Halbe-Milliarden-Desaster wie am Nürburgring möglich gewesen wäre? Wohl kaum. Nun häuten sich die Mainzer Schlangen, und alles ist wieder Friede, Freude, Eierkuchen...alles vergessen...! Namen sind doch nur Schall und Rauch...und weiter geht's im gleichen Takt!
„Zwei Dinge sind unendlich, das Universum und die menschliche Dummheit, aber bei dem Universum bin ich mir noch nicht ganz sicher.“
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Re: Hochwaldbahn am 24.10.2014

Beitragvon Dieselpower » Mi 12. Nov 2014, 14:19

Doch halt, einen Vorschlag hätte ich noch...

Wenn doch die geographische Dichte der Museumsbahnen zu hoch ist, warum nicht (Da kommen wir wieder zu "Kooperieren") einfach abwechselnd und mit vereinten Kräften die Museumsstrecken betreiben, ein wenig wie "Dreifelderwirtschaft"...?
Das gäbe Synergieeffekte für die Vereine und Betreiber und alles bliebe erhalten, und wenn eine Bahn nur alle drei oder vier Wochen fährt, ist auch die Vorfreude größer - oder man fährt an diesem oder jenem Wochenende statt mit der Brex eben mit der EQB....Konzepte sind gefragt, wenn die Bedingungen widrig sind! Museumsbahnverbund...der VDMT könnte doch hier aktiv werden...die wasserköpfigen Verkehrsverbünde (Paßt bloooooß auf Eure heiligen Verbundgrenzen auf... :evil: ) könnten mit eingebunden werden, Kombitickets sorgen für eine ökologisch sinnvolle Anreise....man könnte mit wenig Aufwand soooo viel machen!


Und dann heißt es:
Heute sind die Silberlinge des Vereins XYZ mit der V100 von ABC auf der DEF-Strecke unterwegs....tolle Sache!!! Da fahren wir hin!
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Re: Hochwaldbahn am 24.10.2014

Beitragvon Rolf » Mi 12. Nov 2014, 17:53

saarepi hat geschrieben:...Wie Bernd Heinrichsmeyer schreibt, schon alleine die Strecke an sich hat ein riesiges Potential und lockt schon viele Eisenbahnfreunde.
Die Region und die Bahn selbst bietet mehr Potential als man eigentlich denkt, das habe ich gerade bei meinen Recherchen zum Vortrag am 09.12. im Umweltcampus festgestellt.

Die Bahnstrecke selbst hat das Potential, wenn zwar nicht Weltkulturerbe aber zumindest in regionales Kulturerbe zu sein!

Das denke ich auch. Hinzu kommt der Bedarf für den ÖPNV auf dem Teilstück Hahn-Langelonsheim, die Zubringerfunktion zum Nationalpark, Ruwertalweg usw.

Ich kann mit jedoch nicht vorstellen, dass ein solcher Betrieb keinerlei Auswirkungen auf benachbarte touristische Bahnen haben soll. Im Gegenteil, je größer das touristische Angebot ist, desto mehr müssen einzelne Anbieter um die Kundschaft kämpfen. Jeder Markt ist irgendwann gesättigt, auch der Markt für touristische Verkehre. Und vor dem Hintergrund schrumpfender Affinität der Bevölkerung zur Bahn, Überalterung der Aktiven, rückläufiger Bevölkerungszahlen, besorgniserregender Landflucht und nicht zuletzt knapper Kassen wird es langfristig noch schwerer, alles Wünschenswerte auch zu realisieren. Ich glaube daher nicht, dass alle Wünsche nachhaltig realisierbar sind.

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Re: Hochwaldbahn am 24.10.2014

Beitragvon Bernd Heinrichsmeyer » Mi 12. Nov 2014, 18:30

Um bitte nicht falsch verstanden zu werden: Ich habe nur objektiv die Entwicklung 2013 dargestellt. Ich bin für jeden erhaltenen Bahnkilometer und dazu muss einfach vom Staat das Geld bereitgestellt werden. Man kann diese Daseinsvorsorge nicht auf dem Rücken von Privatunternehmen stemmen (wo das bei mir hingeführt hat, ist ja hinlänglich bekannt und Infrastruktur ist einfach ein unheimlich teures Geschäft). Ich glaube schon, dass wir in Rh-P und auch im Saarland noch Luft für einige Touristikbahnen haben.
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Re: Hochwaldbahn am 24.10.2014

Beitragvon jojo54 » Fr 2. Jan 2015, 14:38

Da die Hochwaldbahn-Gruppe ihr Engagement in Hermeskeil leider beendet hat, stellt sich die Frage, was mit den Fahrzeugen geworden ist, die dort am 24.10. noch standen.

Das Foto entstand durch ein Loch im Bauzaun. Das eingezäunte HWB-Gelände wurde nicht betreten.

An dieser Stelle auch von meiner Seiten nochmals herzlichen Dank an Bernd-Andreas Heinrichsmeyer für seine Bemühungen in dieser Region.

MfG
jojo54
Dateianhänge
Bhf. Hermeskeil am 24.10.2014. Blick durch den Sicherheitszaun auf die Bahnanlagen. Links die Einfahrt ins Lokmuseum..jpg


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