Daun - Wittlich - Bernkastel-Kues

Rolf
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Daun - Wittlich - Bernkastel-Kues

Beitragvon Rolf » Di 11. Jun 2019, 22:23

Die ehemalige Strecke von Daun nach Wittlich und weiter bis Bernkastel-Kues ist heute ein Fahrradweg, der Maare-Mosel-Radweg (MMR). Am Sonntag sind wir ihn "abgefahren" und ich möchte hiermit ein paar Fotos von den letzten Neuerungen/Veränderungen beisteuern.

Beginnen möchten wir in Daun. Am Bahnhof stand alles voll mit KFZ. Den Fahrradgepäckträgern an den KFZ nach zu urteilen war eine große Zahl Besucher auf dem MMR unterwegs:
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Der Kiosk am Bahnhof war ebenfalls gut besucht:
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Am ehemaligen Eingang zur Modellbahn hing ein Plakat des neuen Vereins (bisher das einzige auf der 56 km langen Strecke). Die spontan eingefangene Resonanz darauf war, wie an anderer Stelle bereits berichtet, positiv bis sehr positiv:
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Blick auf das zugewucherte Gleis der EQB nach Ulmen. Rechts bog die Strecke nach Wittlich ab:
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Bis Schalkenmehren war extremer Verkehr:
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Die erste richtige Neuheit war am Bahnhof Schalkenmehren zu bestaunen. Eine größere Fläche im Bereich des Ladegleises war planiert. Was hier hin kommt, konnte ich nicht in Erfahrung bringen. Ein Stück altes Gleis wurde wohl noch irgendwo ausgegraben. Der traurige Zustand erinnert irgendwie an Shermans Haarnadeln:
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Bis Wittlich dann nichts Neues. Wobei ich gehört habe, dass vom Bahnhof Pantenburg ein Fahrradweg in Richtung Manderscheid beschlossene Sache ist, um "am Touristenstrom auf dem MMR zu partizipieren". Vor den Burgen ist sogar eine Hängebrücke geplant.

Hinter Wittlich dann eine Überraschung. Hinter der Brücke über die L 141 musste man bisher abrupt die alte Trasse verlassen und vorhandene Wege und Straßen nutzen. Nun scheint ein weiteres Stück der brach liegenden Trasse umgewandelt zu werden. Kurz hinter der A1 fiel mir ein vom Maifeld-Radweg her bekannter neuer Reptilien-Lebensraum ins Auge:
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Im Hintergrund dann "verdächtige" Planen:
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Der Blick zurück schien zu bestätigen, dass hier wieder eine Reptilienvergrämung stattfindet, um ein weiteres Stück der ehemaligen Trasse umzuwandeln:
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In den bekannten Online-Medien habe ich keinen Hinweis darauf gefunden, dass die "Lücke" hinter Wittlich geschlossen werden soll; es sieht aber ganz so aus!

Das letzte Stück Trasse vor Wengerohr ist vor etwa 2 Jahren zum Fahrradweg worden:
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Soweit mein kleiner Bericht zu den Neuerungen am MMR. Schade, dass die zahlreichen Gäste fast alle mit dem Auto angereist sind. Ich bin sicher, dass eine reaktivierte EQB hier eine deutliche Entlastung bringen wird. Je früher, desto besser!
Zuletzt geändert von Rolf am Do 13. Jun 2019, 06:26, insgesamt 1-mal geändert.

jojo54
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Re: Daun - Willich - Bernkastel-Kues

Beitragvon jojo54 » Mi 12. Jun 2019, 16:00

Vielen Dank für den Beitrag. Bei meinem Besuch stand im Oktober 2017 in Schalkenmehren eine Köf II und es gab einige Gleisstücke.
Auch damals kamen die Radler mit dem Auto und stellten den Parkplatz am Bahnhof Daun komplett zu. Dafür waren die Fahrradanhänger an den Linienbussen oftmals ohne Transportvolumen. In den Jahren vor der Betriebseinstellung der EfQ wurden, wenn ich mitgefahren bin, in den Schienenbussen nur selten Fahrräder befördert.

Deshalb wäre es für alle Beteiligten wichtig, mal verlässliche Verkehrszahlen (Fahrgäste, Fahrräder, Holztransporte) aus den letzten Jahren vor der Betriebseinstellung zu erfahren, die Grundlage für eine vernünftige Zukunfts-Planung sein könnten. Aber meine Aussage gehört eigentlich nicht hier her und darüber wurde an anderer Stelle bereits mehrfach diskutiert.

Die zugewachsenen Gleise in Daun gab es bereits 2017 und jetzt sieht da ja noch unschöner aus. Dieser Sachverhalt bereitet mir einige Bauchschmerzen.....

Nachdenkliche Grüße
jojo54

Rolf
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Re: Daun - Willich - Bernkastel-Kues

Beitragvon Rolf » Mi 12. Jun 2019, 18:54

Die Köf steht noch da, ebenso das Signal.

Westeifelbahner

Re: Daun - Willich - Bernkastel-Kues

Beitragvon Westeifelbahner » Mi 12. Jun 2019, 22:57

Ja, die Situation am Dauner Bahnhof ist seit Jahren unverändert. Man sieht schon an den Kennzeichen auf den eingestellten Aufnahmen, warum der MMR viel Individualverkehr verursacht: Weite Teile der Nutzer kommen eh nur mit dem Auto dorthin, weil sie nicht im Einzugsgebiet der Eifelstrecke wohnen bzw. Urlaub machen. Wer bspw. in den großen Ferienparks der Region übernachtet, ist weder per Bahn noch per Bus entsprechend angebunden. Auch nicht, wer aus Bitburg (Stadt), Prüm, Aachen oder Belgien kommt.
Zudem funktioniert(e) der Bahntransport der Räder auch nur dann, wenn nicht mal wieder ferienbedingter SEV auf der Eifelstrecke war bzw. ist, nicht die Züge wegen einer Veranstaltung im Ahrtal schon rappelvoll mit Rädern sind und auch kein Unwetter angekündigt ist, bei dem die Bahn noch nicht weiß, ob sie trotzdem fahren kann.

Die Auslastung der Radlerbusse ist sehr unterschiedlich: Der RegioRadler entlang des MMR wurde und wird rege genutzt, weil viele Radler nur in eine Richtung fahren. Vom RegioRadler auf der Linie 500 wird wenig Gebrauch gemacht - zum Glück, wenn man bedenkt, dass der Fahrplan so schon kaum zu halten ist...

In Schalkenmehren war es am Bahnhof bislang noch recht ruhig, damit soll nun aber Schluss sein. Bei dem Bauvorhaben handelt es sich um:
https://www.volksfreund.de/region/vulka ... d-37408657

Der "Profit" von Dörfern wie Schalkenmehren durch den MMR wird meiner Meinung völlig überbewertet. Ein erheblicher Teil der Radler fährt am Dorf einfach vorbei. Auch die Wohnmobilisten werden vermutlich wenig Bedarf haben viel Geld im Dorf auszugeben. Die Parkplätze der großen (touristischen) Arbeitgeber im Dorf stehen an saisonalen Wochenenden und Feiertagen vielmehr ebenso rappelvoll mit Autos wie der Parkplatz am Dauner Bahnhof (nur ohne Radanhänger, dafür eher teurere Exemplare auf vier Rädern). Diese kommen wegen dem Maar, nicht wegen dem MMR.
Zudem sei angemerkt, dass man mitunter meinen müsse, dass die Infrastruktur in einem Dorf wie Schalkenmehren durch den MMR florieren müsse. Es ist aber nicht der Fall. Seit Eröffnung des MMR konnte sich meines Wissens kein einziges neues Hotel vor Ort etablieren, beide Supermärkte wurden geschlossen, der Kiosk ist derzeit auch geschlossen, der Getränkemarkt nur vereinzelt geöffnet, die Post geschlossen usw. - das gleiche Bild wie überall, ob mit oder ohne MMR.

Gruß Westeifelbahner
PS: Willich liegt woanders - im Titel des Threads ist der Ortsname vertauscht

Rolf
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Re: Daun - Wittlich - Bernkastel-Kues

Beitragvon Rolf » Di 18. Jun 2019, 21:18

Von Köln-Bonn kommt man mit dem Zug und Fahrrad recht gut in die Eifel. Für die Bonner ist der schwierigste Part, beim Umstieg von der S 23 in Euskirchen im Zug aus Köln nach Trier mit dem Fahrrad noch einen Platz zu bekommen. Die seit einigen Jahren eingesetzten LINT-Züge haben ein so kleines, verbautes und schnell überfülltes Fahrradabteil, dass wir es schon lange nicht mehr wagen, den Umstieg in Euskirchen zu versuchen. Stattdessen fahren wir über Köln Süd. Dann klappt es besser.

Die Züge ins Ahrtal sind zwar oft voll, aber wer ein paar Minuten früher in Bonn zum Hbf kommt, hat auch mit Fahrrad kein Problem, einen Platz zu finden, da der Zug dort eingesetzt wird.

Die Auslastung der Radlerbusse kann ich bestätigen. In Kues sind am frühen Abend sogar 2 Busse parallel im Einsatz, um den Andrang zu bewältigen. Andere Strecken sind dagegen weit weniger ausgelastet.

Letzten Sonntag sind sehr viele Nutzer des MMR, insbesondere Familien mit kleinen Kindern, in Schalkenmehren zu den Maaren abgebogen. So habe ich es schon oft erlebt. Auch Einheimische scheinen diesen Weg zu bevorzugen, gerade mit Kindern, weil diese Strecke zu den Maaren so (Kinder)sicher ist fernab allen Autoverkehrs.

Dass in der Eifel und auch in Schalkenmehren die Bevölkerung rückläufig ist, Geschäfte sterben (übrigens auch in den Großstädten), und die Ortschaften schrumpfen, ist unstrittig. Für das Sterben der Geschäfte würde ich aber auch den Online-Handel verantwortlich machen. Ich vermute aber, ohne den MMR und den dadurch generierten Tourismus sähe es in Schalkenmehren und andernorts in der Peripherie noch schlechter aus. Wo es keine touristischen Angebote in der Eifel gibt, ist das Bild noch düsterer. Es gibt Regionen, die sind so unpopulär, dass man die Immobilien hinterhergeworfen bekommt, während die Großstädte aus allen Nähten platzen und Wohnungen kaum bezahlbar sind. Eine verrückte Entwicklung. Deswegen ist es ja so wichtig, dass die betroffenen Regionen, also auch die Eifel, verkehrstechnisch gut erschlossen bleiben, und dazu gehört unbedingt die Bahn.

Westeifelbahner

Re: Daun - Wittlich - Bernkastel-Kues

Beitragvon Westeifelbahner » Di 18. Jun 2019, 22:43

Rolf hat geschrieben:Letzten Sonntag sind sehr viele Nutzer des MMR, insbesondere Familien mit kleinen Kindern, in Schalkenmehren zu den Maaren abgebogen. So habe ich es schon oft erlebt. Auch Einheimische scheinen diesen Weg zu bevorzugen, gerade mit Kindern, weil diese Strecke zu den Maaren so (Kinder)sicher ist fernab allen Autoverkehrs.

Das wird aber auch nur eine Momentaufnahme sein, wenn du nicht Stunden da verbracht hast. Es gibt natürlich Leute, die da abbiegen, aber der "Ansturm" auf die Maare hält sich bei dieser Zielgruppe sehr in Grenzen, wenn kein Freibadbetrieb am Schalkenmehrener Maar ist. Um "Maare" zu sehen, müsste man im Übrigen das Trockenmaar mitzählen, aber da ist eh total tote Hose.
Es gibt auch keinen "sicheren Weg fernab allen Autoverkehrs" vom Bahnhof zu den Maaren. Der Radweg endet am Bahnhof. Wer hier abbiegt, fährt zunächst recht steil den Abzweig auf die Hauptstraße zu und anschließend der Straße ins Dorf folgen. Kinder können ggfs. den Fußweg nutzen, aber dieser ist schmal. An fast jeder Stelle kann ein Kind vom Bürgersteig abkommen und auf die Straße fallen. Besonders eng ist`s unter der Bahnbrücke. Im Dorf selbst gibt`s auch keinen Fußweg mehr, sondern nur die verkehrsberuhigte Straße, auf der dann auch die Kinder fahren. Dabei geht`s einmal bergab und dann wieder bergauf. Wer wirklich bis zum Maar will, nutzt zuletzt wiederum eine enge Zubringerstraße, wo auch schon mal ein breiter Campingwagen entgegen kommen kann.
Wer wirklich einheimisch ist, würde daher im Übrigen nicht mit Kindern am Bahnhof abfahren, sondern dort abfahren, wo man zumindest die Straße am Anfang vermeiden kann.
Gruß Westeifelbahner

Rolf
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Re: Daun - Wittlich - Bernkastel-Kues

Beitragvon Rolf » Di 18. Jun 2019, 23:12

Westeifelbahner hat geschrieben:Das wird aber auch nur eine Momentaufnahme sein, wenn du nicht Stunden da verbracht hast.

Zweifelsohne! Aber ich bin den MMR in den letzten 15 Jahren Dutzende Male gefahren; jedes Mal das gleiche Bild. Mein subjektiv objektiver Eindruck gewissermaßen.

Westeifelbahner hat geschrieben:Es gibt auch keinen "sicheren Weg fernab allen Autoverkehrs" vom Bahnhof zu den Maaren. Der Radweg endet am Bahnhof. Wer hier abbiegt, fährt zunächst recht steil den Abzweig auf die Hauptstraße zu und anschließend der Straße ins Dorf folgen. Kinder können ggfs. den Fußweg nutzen, aber dieser ist schmal. An fast jeder Stelle kann ein Kind vom Bürgersteig abkommen und auf die Straße fallen. Besonders eng ist`s unter der Bahnbrücke.

Richtig. Der Weg ist nicht zu empfehlen. Deswegen nutzt den auch kaum jemand. Die meisten Nutzer biegen vor oder hinter dem großen Schlitzohr rechts ab, der Ausschilderung folgend, je nachdem, zu welchem Maar sie fahren wollen, und fahren dann über die diversen (ausgeschilderten) Waldwege. Das haben wir auch schon gemacht. Sehr entfernt von jeglichem Verkehr und zudem gibt's dabei tolle Aussichten.

Westeifelbahner hat geschrieben:Wer wirklich einheimisch ist, würde daher im Übrigen nicht mit Kindern am Bahnhof abfahren, sondern dort abfahren, wo man zumindest die Straße am Anfang vermeiden kann.

Richtig. So machen es daher auch die meisten, s. o.


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