Eifelquerbahn - Abgabe von Eisenbahninfrastruktur

jwiessner
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Eifelquerbahn - Abgabe von Eisenbahninfrastruktur

Beitragvon jwiessner » Sa 26. Jan 2019, 21:40

Hallo,

ich verfolge das Thema Eifelquerbahn schon längere Zeit, und bisher gibt es ja leider keine wirklich (guten) Neuigkeiten.
Auf der Webseite der Vulkan Eifel Bahn ist unter dem Bereich Infrastruktur ein Eintrag mit dem Titel Strecke Nr. 3005 "Eifelquerbahn" - Bekanntmachung nach § 11a AEG. Dieser kann noch nicht sehr alt sein, da als Stand der 28.11.2018 angegeben ist.
Interessant sind darin 2 Punkte:

- Kosten für die Herstellung der Betriebsbereitschaft: ca. 1 Mio €
- Investitionen in den nächsten 5 Jahren: ca. 6 Mio € für die Brücke in Pelm

Die hier angegebenen Kosten liegen deutlich unter den 24 bzw. 40 Mio € von denen immer die Rede war, und auch die Brücke in Pelm scheint ja doch nicht unbefahrbar zu sein.

Jens
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reinout
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Re: Eifelquerbahn - Abgabe von Eisenbahninfrastruktur

Beitragvon reinout » So 27. Jan 2019, 00:05

"Ausschreibung zur Abgabe von Eisenbahninfrastruktur": was wird damit gemeint?

- Eine Ausschreibung ist die öffentliche, schriftliche Aufforderung, Angebote für die in der Ausschreibung genannten Lieferungen oder Leistungen abzugeben. (Laut wikipedia).

- "Abgabe": klingt als ob der Eigner (DB) das Eigentum abgibt an... ja, wer?

Eine Kaufpreis von etwa €400.000 wird genannt. Versucht die VEB die Strecke namens die DB an die Gemeinden oder andere Interessierten zu verkaufen in die Hoffnung das Verkehr wieder aufzunehmen?
Ich bin ein bisschen verwirrt :)

Reinout

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Re: Eifelquerbahn - Abgabe von Eisenbahninfrastruktur

Beitragvon Westeifelbahner » So 27. Jan 2019, 09:50

@reinout: Die VEB war letzter Betreiber der Eifelquerbahn. Das Allgemeine Eisenbahngesetz sieht vor, dass der letzte Betreiber einer Strecke diese anderen Interessenten zum Pacht oder zum Kauf anzubieten hat, wenn er nicht mehr beabsichtigt die Strecke selbst weiter zu betreiben. Hierzu ist die Bekanntmachung im Bundesanzeiger vorgeschrieben und Interessenten, also andere Eisenbahnunternehmen, haben dann drei Monate Zeit ihr Interesse zu bekunden. Das ist nun geschehen.
Findet sich kein Interessent zur Übernahme, kann die VEB einen Stilllegungsantrag beim EBA (Eisenbahnbundesamt) stellen. Wird dieser dann genehmigt, ist die Strecke formal stilllgelegt, womit beispielsweise der ja nun schon in den politischen Gremien diskutierte Verkauf an die kommunalen Anlieger möglich wäre.

Gruß Westeifelbahner

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Re: Eifelquerbahn - Abgabe von Eisenbahninfrastruktur

Beitragvon jwiessner » So 27. Jan 2019, 19:30

Die Veröffentlichung im Bundesanzeiger ist am 18.01.2018 erfolgt. Es wäre ja mal interessant wie die VEB auf Kosten von 1+6 Mio € kommt und die Kommunen bzw. das Land auf 24-40 Mio €. Schade das sich nicht mal alle Parteien zusammen setzen um nach einer Lösung zum Erhalt der EQB zu suchen. Falls die Kommunen die Strecke übernehmen ist ja zu befürchten das dann ein Radweg draus wird, wofür ja anscheinend immer Geld da zu sein scheint.
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Re: Eifelquerbahn - Abgabe von Eisenbahninfrastruktur

Beitragvon Westeifelbahner » So 27. Jan 2019, 19:52

Wären nur 1+6 Millionen EUR zu investieren, wäre man bei Daun - Ulmen - Kaisersesch für weniger als eine Millionen EUR. Bei 50% Förderung durch den Bund wären das maximal 500.000 EUR Invest für das EIU - bei jährlicher Förderung durch den ZSPNV Rlp Nord im sechsstelligen Bereich für SPNV-Freizeitverkehre. Das wäre also gar nicht unrealistisch. Aber das Land scheint da von anderen Zahlen für den Investitionsbedarf auszugehen...
Gruß Westeifelbahner

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Re: Eifelquerbahn - Abgabe von Eisenbahninfrastruktur

Beitragvon jwiessner » So 27. Jan 2019, 20:16

Das Problem bei der Variante Kaisersesch - Ulmen - Daun wäre ja wie man die Fahrzeuge auf die Strecke bekommt. Wenn z.B. die VEB Interesse dran hätte gäbe es keine Möglichkeit die Fahrzeuge über Gerolstein nach Daun zu bekommen, und die alternative über Kaisersesch würde auch entsprechende Trassenkosten bei der Überführung verursachen. Und Unterstell oder Werkstatt-Möglichkeiten gibt es auch nicht.
Da VEB und Land so unterschiedliche Zahlen haben (das gleiche Thema gab es doch auch bei der Westeifelbahn mit der RSE) wäre es wirklich interessant wenn sich beide Parteien bzw. VEB und der Arbeitskreis Eifelquerbahn zusammensetzen würden. Auch würde mich das entsprechende Gutachten einmal interessieren, es ist immer nur von den 24/40 Mio € zu lesen, aber ein detailiertes Gutachten wie sich die Kosten verteilen habe ich bisher nirgendwo finden können.

Gruß Jens
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Re: Eifelquerbahn - Abgabe von Eisenbahninfrastruktur

Beitragvon Westeifelbahner » So 27. Jan 2019, 22:27

jwiessner hat geschrieben:Das Problem bei der Variante Kaisersesch - Ulmen - Daun wäre ja wie man die Fahrzeuge auf die Strecke bekommt. Wenn z.B. die VEB Interesse dran hätte gäbe es keine Möglichkeit die Fahrzeuge über Gerolstein nach Daun zu bekommen, und die alternative über Kaisersesch würde auch entsprechende Trassenkosten bei der Überführung verursachen. Und Unterstell oder Werkstatt-Möglichkeiten gibt es auch nicht.

Ich hoffe sehr, dass eben nicht über 50 Kilometer Eifelquerbahn dran glauben müssen, nur weil für ein bestimmtes EVU der direkte Zugang über die Kyll führen würde. Nur mal als eines von vielen Beispielen: Es würde verkehrspolitisch durchaus Sinn machen ggfs. das politische Dogma des Stundentakts Mayen - Kaisersesch beispielsweise an Wochenenden zu Gunsten eines 2h-Takts bis Ulmen oder Daun zu verlassen. Und auch in der Osteifel und am Rhein gibt es Möglichkeiten Museumsfahrzeuge abzustellen, zu tanken usw.

jwiessner hat geschrieben:Da VEB und Land so unterschiedliche Zahlen haben (das gleiche Thema gab es doch auch bei der Westeifelbahn mit der RSE)

Mir ist nicht bekannt, dass in der ganzen Debatte seit 2012 nur ein einziges Mal im Raum stand, dass die VEB eine Möglichkeit des Weiterbetriebs für Kosten in Höhe von einer Millionen EUR gesehen hätte. Wie geschrieben: Bei 50% Förderung wäre das sicher lösbar.

jwiessner hat geschrieben:Auch würde mich das entsprechende Gutachten einmal interessieren, es ist immer nur von den 24/40 Mio € zu lesen, aber ein detailiertes Gutachten wie sich die Kosten verteilen habe ich bisher nirgendwo finden können.

Altes Thema: Alle Gutachten der letzten 10 Jahre werden geheim gehalten. Die meisten Bürgermeister (!) wissen nicht einmal, wer diese besitzt oder gelesen hat. Nach meinem Kenntnisstand müsste man beim ZSPNV Rlp Nord fündig werden können, ansonsten allenfalls vielleicht noch im Landratsamt in Daun. Aber mir ist nicht bekannt, dass Einsicht gewährt wurde oder wird.

Gruß Westeifelbahner

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Re: Eifelquerbahn - Abgabe von Eisenbahninfrastruktur

Beitragvon jojo54 » Mo 28. Jan 2019, 20:52

Jeder, der ein wenig realistisch denkt, dürfte wissen, dass eine erneute Inbetriebnahme der Eifel-Querbahn für eine Mio. €, so wie von der VEB in der Ausschreibung angegeben, nicht machbar ist. Da sollte man vorher mal die gesamte, seit gut sechs Jahren unbefahrene Bahnstrecke ablaufen oder abfahren, alle Mängel aufschreiben, sich danach eine Meinung bilden und diese hier niederschreiben.

Es könnte natürlich auch sein, dass der VEB bei diesen Angaben ein Fehler unterlaufen ist. Zudem dürfte der Neubau der Brücke bei Pelm für angeblich sechs Mio. € heute nicht mehr zu bekommen sein, denn diese Zahlen stammen aus der Zeit um 2015.

Nicht ohne Grund hat die VEB Ende 2012 etwas übereilt den Zugverkehr eingestellt, wobei es von dieser auch hier keinerlei Informationen zu den Verkehrszahlen (sporadische Holztransporte und Passagiere in den Ausflugszügen) gibt. Nicht nur die Kommunen und die Landkreise hüllen sich hier in Schweigen und halten alles unter Verschluss, es ist auch das zuletzt tätige Bahnunternehmen.

Mehrfach habe ich die Querbahn mit Schienenbussen bereist. Besonders in 2011 + 2012 ist mir eine "gewisse Leere" in den Triebwagen aufgefallen und die Holzladegleise in Pelm, Daun und Ulmen rosteten oftmals vor sich hin.

Für halbwegs wirtschaftlichen Zugverkehr dürfte das aus meiner Sicht kaum ausreichend gewesen sein, wobei Zuschüsse vom Zweckverband schon eingerechnet sind.

MfG
jojo54

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Re: Eifelquerbahn - Abgabe von Eisenbahninfrastruktur

Beitragvon Westeifelbahner » Mo 28. Jan 2019, 23:11

jojo54 hat geschrieben:Nicht ohne Grund hat die VEB Ende 2012 etwas übereilt den Zugverkehr eingestellt, wobei es von dieser auch hier keinerlei Informationen zu den Verkehrszahlen (sporadische Holztransporte und Passagiere in den Ausflugszügen) gibt. Nicht nur die Kommunen und die Landkreise hüllen sich hier in Schweigen und halten alles unter Verschluss, es ist auch das zuletzt tätige Bahnunternehmen.

Übereilt sicher nicht, aber sicher nicht ohne Grund: Sofern die Betriebsgenehmigung zum 31.12.2012 abgelaufen ist, dürfte das als Grund für die Betriebseinstellung wohl hinreichend plausibel sein, wenn man in Mainz keine neue Betriebsgenehmigung mehr erteilen wollte.
Seitens der Kommunen und Landkreise werden auch sicher keine Nutzerzahlen unter Verschluss gehalten - woher sollten die denn kommen? Die VEB mag da gezählt haben oder nicht, der Besteller eine Fahrgastzählung beauftragt haben oder nicht - aber damit hatten die Gebietskörperschaften vor Ort ganz sicher nichts zu tun. Wie oben geschrieben: Die Bürgermeister haben nach meinem Kenntnisstand nicht einmal Zugang zu den ungekürzten Gutachten über die Reaktivierungskosten...
Gruß Westeifelbahner

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Re: Eifelquerbahn - Abgabe von Eisenbahninfrastruktur

Beitragvon Rolf » Mi 30. Jan 2019, 21:04

jojo54 hat geschrieben:… Mehrfach habe ich die Querbahn mit Schienenbussen bereist. Besonders in 2011 + 2012 ist mir eine "gewisse Leere" in den Triebwagen ...

Das ist mir ebenfalls aufgefallen, aber ich würde das nicht überbewerten. Es ist völlig normal, dass nach einem guten Start, und den hatte der neu initiierte Verkehr 2001, eine gewisse Beruhigung bei der Nachfrage eintritt. Mit etwas mehr Werbung und guten Angeboten wäre die Nachfrage aber auch wieder steigerungsfähig. Die Strecke hat großes Potential und die Beteiligten machen einen irreparablen, kapitalen Fehler, wenn sie die Eifelquerbahn westlich Kaisersesch aufgeben.

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Re: Eifelquerbahn - Abgabe von Eisenbahninfrastruktur

Beitragvon jwiessner » So 3. Feb 2019, 16:58

Ich habe letztes Wochenende eine Mail an das Büro des Landrats des Kreises Vulkaneifel geschickt. Ich habe auf die extremen Unterschiede der angegebenen Kosten der VEB und der Gutachten des Arbeitskreises hingewiesen und nachgefragt ob es Kontakt zur VEB gegeben hat.
Leider kam dazu bisher keine Antwort.
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Re: Eifelquerbahn - Abgabe von Eisenbahninfrastruktur

Beitragvon jojo54 » So 3. Feb 2019, 21:03

Vielen Dank für das Engagement.

Leider hat mir die Erfahrung gezeigt, dass Mails oftmals nicht beantwortet werden.

Sinnvoll ist, wenn man schriftlich anfragt, auch wenn es zeitaufwendiger und teurer ist.

Wenn ich einen Freiumschlag für die Rückantwort beigelegt habe, bekam ich auch immer eine Antwort.

MfG
jojo54


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